Eine Mutter ist nicht genug

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Eine Mutter ist nicht genug
Datum: 23.07.2013, 09:41

Diese Kinder fangen gerade an zu laufen, essen noch nicht selbstständig, sabbern und lutschen alles an, sprechen noch nicht, machen unkontrollierbar in die Windeln. Ihr Immunsystem ist erst im Entstehen, die Infektanfälligkeit extrem hoch. Kommen diese kleinen Krabbler geballt zusammen, sitzt eine Rotznase neben dem hustenden Kleinstkind – die Mama muss ja arbeiten gehen. Die Kinder sind einem geballten Keimspektrum ausgeliefert – die Hygiene zu erhalten, bringt großen Aufwand – und damit Kosten – mit sich.

Die häusliche Betreuung und liebevolle, individuelle Fürsorge, ggf. zusammen mit Geschwisterkindern, ist in diesen modernen Zeiten nicht hoch angesehen. Das „Heimchen am Herd“ drohe zu verblöden – und die Kinder gleich mit. Darum das Etikett „Frühkindliche Bildung“, mit dem die Kleinen vom Mutterschoß gelockt werden – unter enormem finanziellen Aufwand. Das Vertrauen in die Professionellen und Institutionen soll grenzenlos sein – das Selbstvertrauen einer Mutter, für ihren Sprössling „genug“ zu sein, wird untergraben und bereits den Kleinsten die Ruhe für die ungestörte und geborgene Entwicklung genommen. Neben vermehrten Infekten, deren Folgen neben Kind und Eltern / Mutter auch die Solidargemeinschaft wird tragen müssen (Ärzte, Krankenhaus, Antibiotika), wird die seelische Widerstandskraft der Kleinen (wie der Mütter) durch die täglich erzwungene Herausnahme aus der heimischen Geborgenheit, die mit tausenden von Euros aus Steuergeld subventioniert und hoffnungslos „schöngeredet“ wird, womöglich auf Dauer gefährdet. Komplexe Wachstums- und Vernetzungsvorgänge im Gehirn finden ausschließlich in den ersten 3 Lebensjahren statt. Steht ein Kind in dieser Zeit häufig unter Stress (Trennung von der Bezugsperson und Zuhause), entwickeln sich die komplexesten Regionen im Frontalhirn, die für Impulskontrolle und Emotionalität, Motivation, Bindungsfähigkeit zuständig sind, nur unzulänglich – mit Folgen, die sich erst im Jugend- und Erwachsenenalter voll manifestieren. Insofern ist die so unkritisch verherrlichte Kleinkindbetreuung ein Menschenexperiment mit kritischem Beigeschmack.

Für die Wirtschaft geht es um viel zu verdienendes Geld (auch im „Reparaturbetrieb“ hinterher) – für die Familien um gelingendes oder auch scheiterndes Leben. In Schweden wurde, nachdem die Selbstmordrate von 8-10-jährigen Kindern (die an dieses Thema naturgemäß nicht denken!) um das 10-fache erhöht war, ein Erziehungsgeld für Mütter eingeführt, die ihre kleinen Kinder doch selbst betreuen wollen. Seine Höhe übersteigt unser Betreuungsgeld (ständig als „Herdprämie“ verunglimpft) bei weitem.

Welche Leitlinien gelten für Erziehung heute? Wo setzen die Medien, wo die Politik positive, auch inhaltliche Akzente für eine freiheitlich-verantwortliche, liebevolle und individuell werteorientierte Erziehung? Ich sehe dafür Verbesserungsbedarf in unserer Gesellschaft. Die aktuellen Fakten (hoher Alkohol- und TV-Konsum, Gewalt im Alltag, Verlust an Werten und Kultur, Konsum- und Wirtschaftsorientierung) lassen mich mit Sorge in die Zukunft sehen.

 

Almut Rosebrock, Apothekerin und Mutter, Wachtberg bei Bonn

Aktionsbündnis „Gerne leben mit Kindern“, www.glmk.de

Sven von Storch

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