Cohn-Bendit ist kein Vorbild

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Cohn-Bendit ist kein Vorbild
Datum: 02.05.2013 - 12:03 Uhr

FreieWelt.net: Herr Löffler, auf Ihrer Website veröffentlichten Sie kürzlich einen Vorstandsbeschluss der Grünen Baden-Württemberg. Welche Punkte stoßen Ihnen in dem Papier so bitter auf?

Reinhard Löffler: Am 25.03.1985 hat sich der Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg gegen die „gesellschaftliche Moralvorstellungen, nämlich das Tabu der Kindersexualität“ ausgesprochen, weil der strafrechtliche sexuelle Schutz von minderjährigen Mädchen in „erster Linie ein antiquiertes frauenfeindliches Ideal der Jungfräulichkeit“ schützt. Das Sexualstrafrecht müsse von „moralisierende Strafbestimmungen“ gereinigt werden, so der Landesvorstand. Damit flankierten die Grünen in Baden-Württemberg den Antrag der Grünen im Bundestag auf ersatzlose Streichung der Strafrechtsparagraphen 175 und 182, da diese Bestimmungen „die einvernehmliche sexuellen Kontakte mit Minderjährigen unter Strafe stellen und die freie Entfaltung der Persönlichkeit behindern“. Gleichzeitig unterstützten die Grünen in Baden-Württemberg die Forderung des Parteitags der Grünen in NRW, die in ihrem Programm verlangten, die „gewaltfreie Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen dürfe nicht länger strafrechtlich verfolgt werden“. Für die Opfer sexueller Gewalt, die noch nach Jahrzehnten traumatisiert sind, sind diese Forderungen eine menschenverachtende Rechtfertigung für das Verhalten der Täter. Ich halte dies für unerträglich. Es ist Aufgabe der Politik, Kindern eine angstfreie Entwicklung zu sichern und sie nicht pädophilen Neigungen von Erwachsenen auszuliefern.

»Das grüne Image von Cohn-Bendit ist eine Legende«

FreieWelt.net: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen für diese Verquickung Grüner Parteipolitik und Päderastie?

Reinhard Löffler: Ich glaube nicht, dass die Grünen heute noch von dem überzeugt sind, was sie damals vertreten haben – mit Ausnahme eines grünen Bundestagsabgeordneten in Berlin, der offensichtlich auf dem Kiez bekifft noch immer diese Thesen vertritt und der Grünen Jugend in Augsburg. Die Ursache der Verquickung Grüner Parteipolitik und Päderastie liegt daran, dass sich in den 70er und 80er Jahren linke Reformpädagogen, die SchwuP, und sog. Stadtindianer großen Einfluss in der damaligen grünen Bewegung verschaffen konnten. Die Grünen standen damals noch am Anfang ihres politischen Wirkens und waren ein Schmelztiegel für linkes und alternatives Denken, zu dem auch die Abwendung von der allgemeinen Sexualmoral gehörte. Heute sind die Grünen „erwachsen“ und tragen politische Verantwortung, eben darum erwarte ich heute eine eindeutige Distanzierung.

FreieWelt.net: Sie sind eine der lautesten Stimmen gegen die Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an den Grünen Daniel Cohn-Bendit. Wie fügt sich Cohn-Bendit in das Bild ein, das Sie von den Grünen zeichnen?

Reinhard Löffler: Daniel Cohn-Bendit ist kein Gründer der grünen Bewegung, obwohl die Grünen das heute so sehen wollen. Cohn-Bendit hat jahrelang die Grünen bekämpft und in seinem Pflasterstrand die grüne Bewegung übel diffamiert. Das blenden die Grünen heute aus und verehren ihn wie eine Ikone. Cohn-Bendits Vita ist schillernd. Er hat seine pädophilen Phantasien in seinem Buch „Der große Basar“ beschrieben, er hat im französischen Fernsehen damit geprahlt wie erotisch es sei, wenn ihn ein fünfjähriges Mädchen auszieht und er veröffentlichte im Pflasterstrand einen Bericht über ein sexuelles Erlebnis mit einer 6jährigen Genossin „wo es mir nicht zu früh kam“. Auch wenn das heute alles „Provokation“ gewesen sein soll, ist es unerträglich und einem Theodor-Heuss-Preis für Demokratie und Toleranz unwürdig, zumal diese Stiftung gemeinnützig ist und von Steuergeldern lebt. Cohn-Bendit hat zudem jahrelang während des Deutschen Herbstes den revolutionären Zellen als Sprachrohr und mediale Plattform gedient und abstruse Theorien wie den Selbstmord von Buback und Schleyer, die Ermordung der Genossen in Stammheim durch die Justiz und die Legende von der Isolationsfolter verbreitet. Seine Affinität zu Baader und Ensslin unterstreicht sein Verhalten im Gerichtssaal und die Unterstützung des Terroristen Klein in Frankreich. Cohn-Bendit ist kein demokratisches und kein „grünes“ Vorbild. Cohn-Bendit hat sich erst spät den Grünen angeschlossen, weil er erkannte, dass diese ihm eine politische Plattform und ein Mandat verschaffen konnten. Das grüne Image von Cohn-Bendit ist eine Legende.

»Kraft aufbringen«

FreieWelt.net: Glauben Sie, dass Winfried Kretschmann die offenen Fragen tatsächlich aufarbeiten wird?

Reinhard Löffler: Ich halte Winfried Kretschmann für einen integren und anständigen Staatsmann und schätze ihn persönlich sehr. Dass er die offenen Fragen aufarbeiten will, glaube ich ihm. Nur, es wird nicht möglich sein. Jetzt sind plötzlich alle Akten bis 2031 gesperrt und geschlossen worden, die Cohn-Bendit oder die Grünen mit Kindesmissbrauch in Verbindung bringen. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung ist in den nächsten Jahren nicht mehr möglich. Ich frage mich: Warum?

FreieWelt.net: Was motiviert Sie, sich in dieser Frage zu engagieren?

Reinhard Löffler: Das Tabuthema Kindesmissbrauch ist ein gesellschaftliches Problem. Statistiken vermuten, dass jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge Opfer sexuellen Missbrauch ist. Die Politik muss sich für die Schwächsten und Schutzbedürftigsten in unserer Gesellschaft einsetzen und die Kraft aufbringen, die Missbrauchsskandale in unserem Land aufzuarbeiten und präventive Maßnahmen umsetzen. Ich möchte nicht, dass die Kinder in unserem Land Gefahr laufen, Opfer sexuellen Missbrauchs zu werden, sondern vielmehr die Chance haben, wohlbehütet aufzuwachsen. Die Geschichte des britischen BBC Moderators Jimmy Savile ist ein widerwärtiges und abschreckendes Beispiel.

»Den Sumpf im Internet austrocknen«

FreieWelt.net: Welche Konsequenzen wünschen sie sich jetzt?

Reinhard Löffler: Die mediale Berichterstattung um Cohn-Bendit hat gezeigt, dass es eine vordringliche Aufgabe der Politik ist, Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Bislang glaubte man nur, dass so etwas in der Odenwaldschule und bei einigen Schmuddelpriestern in der katholischen Kirche verbreitet war. Dem ist aber nicht so. Pädophilie ist ein allgegenwärtiges Unrecht an Kindern. Über die notwendigen Maßnahmen muss jetzt diskutiert werden. Erzieher und Erzieherinnen müssen sensibilisiert werden um frühzeitig Symptome zu erkennen. Die strafrechtlichen Verjährungsfristen für Kindesmissbrauch sind zu verlängern, da die Opfer Jahrzehnte brauchen, diese Erlebnisse zu bewältigen. Den Opfern sollte ein Opferanwalt beigestellt werden. Wer Kinder schützen will, muss pädophile Männer und pädophile Frauen therapieren. Dazu ist es nicht ausreichend, privaten Institutionen Therapieprojekte zu überlassen. Zudem sind mehr Anstrengungen erforderlich, den pädophilen Sumpf im Internet auszutrocknen. Die Politik ist jetzt gefordert. Keinesfalls darf pädophiles Gedankengut in Wort und Schrift gesellschaftliche Anerkennung durch Preisverleihung o.ä. finden.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Gespräch.

Sven von Storch

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