Abtreibung und Tötungshemmung

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Der §218 erlaubt seit seiner sogenannten Reformierung den Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche seit der Empfängnis. Es ist ganz interessant, sich einmal zu überlegen, warum ausgerechnet ab dieser Woche der Abbruch nicht erlaubt ist.

Wenn man die Entwicklung der befruchteten Eizelle (Zygote) zum „Zellklumpen“, Embryo und Fötus beobachtet, stellt man fest, dass erst ab der 12. Woche optisch von einem Menschen gesprochen werden kann. Mit anderen Worten: Solange der „Zellklumpen“, Embryo und Fötus nicht wie ein Mensch aussieht, darf abgetrieben werden.

Wikipedia sagt dazu auch treffend: „Je nach Schwangerschaftsalter [...] wird ein und dasselbe Lebewesen entweder als Zygote, Morula, Blastozyste, Embryo [...], Fötus [...] oder Kind bezeichnet. Vielfach kritisiert wird hier das Fehlen eines verbindenden Überbegriffes, der verdeutlicht, dass es sich jeweils um den gleichen Sachverhalt handelt.“ Mit anderen Worten: Der „Zellklumpen“, Embryo und Fötus sind genauso ein Mensch wie das fertige Kind.

Die Unterscheidung ist also eine rein willkürliche, der moralischen Praxis geschuldet und situationsbezogen, keineswegs jedoch wissenschaftlich korrekt. Man kann aber noch weiter gehen, um die Bedenklichkeit der Argumentation für den Zeitpunkt ab der 12. Woche zu zeigen. Denn sie appelliert an ganz primitive Regungen des Menschen. Ein Wesen, das so aussieht wie ein Mensch, lässt sich nicht so leicht töten wie eines, das optisch sehr anders ist. Wer sich vorstellt oder erlebt hat, wie es aussieht, wenn bei einem notfallmäßigen Abbruch nach der 12. Woche zerstückelte menschliche Teile, Ärmchen, Beinchen oder eben ein winziger, aber vollständiger toter Mensch zum Vorschein kommen, wird das Erschrecken verstehen, das damit einher geht.

Doch waren hier höhere Zwecke wie z. B. das Überleben der Mutter o. ä. maßgebend. Bei den allermeisten der millionenfachen Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland soll durch die genannte Regelung die primitive Tötungshemmung des Menschen ausgeschaltet werden, denn es gibt keine höheren Zwecke. Es lässt sich einfach leichter töten, was nicht richtig menschlich aussieht.

Es handelt sich also um einen simplen juristisch-psychologischen Trick, mit dem es den Ärzten und Ärztinnen, welche die Abtreibung vollziehen, „leichter“ gemacht werden soll, so zu handeln, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten: Auch bei einem Embryo oder einem Fötus handelt es sich um den gleichen „Sachverhalt“ wie bei einem Kind. Die Konsequenz ist einfach: Du sollst nicht töten.

Dass mit solchen  Tricks sich Ärzte leider dazu haben bringen lassen, medizinisch nicht vertretbare Dinge zu tun, rächt sich heute. Man darf eben manche Schleusen nicht öffnen, gewisse Grundlagen eines uralten Berufes nicht dem Zeitgeist opfern. Bei der Legalisierung der Sterbehilfe sollen jetzt wieder Ärzte für menschlich verständliche, aber nicht in den ärztlichen Bereich gehörende Tätigkeiten missbraucht werden. Hat man den Begriff des Schreibtischtäters schon vergessen? Nach dem Anfang kommt jetzt das Ende des Lebens dran. Und eine der zynischen Begründungen lautet denn auch: Was zieren sich die Ärzte, sie töten doch schon ungeborenes Leben!

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Markus Wolf

@Heike Skarupa

Ich habe erst jetzt Ihren Kommentar gelesen, konnte vorher nicht drauf antworten.
Herzliches Beileid, dass Sie Ihr Kind in der 10. SW verloren hatten.
Um die emotional aufgeheizte Debatte um Abtreibung etwas zu versachlichen:
Wenn Sie schwanger sein wollen, sich auf ein Kind freuen, dann ist es unveränglich und bedenkenlos, wenn Sie seit der Zeugung von Ihrem "Kind" sprechen.
Die Differenzierung nach "Mensch" und "Zellklumpen" bzw. Biomasse/Gebärmutterinhalt ist dann von Bedeutung, wenn eine Frau NICHT schwanger sein will, wenn die Frau abgetrieben hat und deswegen auf der Anklagebank sitzt.
Dann ist es wichtig, dass zugunsten der Angeklagten für Recht erkannt wird, dass ein Embryo KEIN Mensch ist und dass KEIN "Mord" begangen wurde.

Nichts dagegen, dass Sie der Ansicht sind, dass ab Befruchtung der Eizelle ein Mensch existiert und Sie Abtreibung als Mord betrachten - das gilt aber dann nur für SIE PERSÖNLICH, auf andere Frauen ist Ihre Meinung nicht übertragbar.
Deshalb ist es ein geronnener Kompromiss, wenn es jeder Frau überlassen bleibt, ob sie abtreibt oder nicht und dass im Gegenzug es KEINE Zwangsabtreibungen gibt wie in China oder in Deutschland von 1933-1945.

Darf ich Ihnen noch etwas persönliches sagen?
Ich sagte eingangs Herzliches Beileid.
Dies deshalb, weil vor vielen Jahren eine Frau von mir schwanger wurde trotz Spirale.
Die Frau wollte aber nicht abtreiben.
Das Kind war keine sieben Jahre alt, als es von einem Auto totgefahren wurde.
Deshalb kann ich verstehen, dass sie in der 10. SW von einem Kind sprechen.

Alles Gute

Gravatar: Heike Skarupa

Ich habe in der 10. SW ein Kind verloren. Alle Finger und Zehen waren zu erkennen. Es war ein vollständiges Baby nur sehr klein. Selbst wenn Sie behaupten, es sei ein Zellklumpen, was es definitiv nicht war, ich nahm es mit zu meiner Feindiagnostikerin, die alle Finger und Zehen zählte, selbst wenn Sie es als Zellklumpen betrachten, so ist es ein potentielles Baby, in meinen Augen, sobald die Befruchtung der Eizelle stattgefunden hat. Abtreibung ist legaler Mord, genauso wie Schlachtung legaler Mord ist oder Tötung im Krieg. Euphemismen machen es nicht moralischer.
Ich persönlich bin gegen alle 3 legalisierten Tötungen. Sie sind alle Mord, nämlich vorsätzliche Tötung.

Gravatar: Markus Wolf

Herr Professor Kovacs

Sie schreiben

"Mit anderen Worten: Der "Zellklumpen", Embryo und Fötus sind genauso ein Mensch wie das fertige Kind"

Das ist FALSCH!

Der Embryo ist kein "Mensch", sondern lediglich "menschliches Gewebe", die Samenzelle ist vom Mann, die Eizelle von der Frau.
Solange der Embryo aber nicht fähig ist, ausserhalb des Uterus zu leben, solange der Embryo darauf angewiesen ist, von der Mutter ENTWICKELT zu WERDEN, kann man ihn beim besten Willen nicht als "Menschen" bezeichnen.
Es ist Etikettenschwindel, so zu tun, als "entwickele sich der Embryo aus sich selbst heraus".
Ebenso könnte man sagen "Ein Haus baut sich von selbst".-
Das Haus "wird gebaut" und der Embryo "wird entwickelt", "wird produziert" von der Frau.

II.
Sie berufen sich auf das Gebot "Du sollst nicht töten"!-
Dieses Gebot ist auf das Abtreibungsgeschehen nicht anwendbar.
"Töten" bedeutet, das Leben eines Menschen zu beenden.
Wie vorgesagt ist der Embryo kein "Mensch", sondern nur menschliches Gewebe und der Embryo "lebt" auch nicht, folglich kann man ihn auch nicht "töten".
Bei einer Abtreibung wird nicht getötet, sondern es wird verhindert, dass der Embryo zu einem Menschen hin entwickelt wird, der fähig ist, ausserhalb des Uterus zu leben.
Das ist aber etwas anderes als "töten".
Zweitens ist Abtreibung keine Tötung im Sinne des 5. Gebotes, weil die weibliche Eizelle zu Moses´Zeiten unbekannt war, concludent konnte Moses auch nicht definiert haben, dass ab Verschmelzung der Samen mit der (damals unbekannten) Eizelle ein "Mensch" existiere.
Abgesehen davon:
Sogesehen wäre Gott der schlimmste "Kindermassenmörder", der schlimmste "Massenabtreiber", denn etwa die Hälfte der Zygoten (miteinander verschmolzene Samen- und Eizellen) werden "spontan abgetrieben", also ohne Wissen und Willen der Frau.
Somit "will" Gott, sofern es Gott gibt, dass die Hälfte dieser "Menschen" abgetrieben werden.
Und da der Mensch Gottes Ebenbild sein soll, wird doch bei einer Abtreibung im Grunde genommen von Menschenhand auch nur das gemacht, was Gott macht?!

Markus Wolf
Abtreibungsbefürworter

Gravatar: Markus Wolf

Sehr geehrter Herr Professor Kovacs,

soweit ich richtig informiert bin, sind Sie KATHOLIK.

Frage:
WER hat die Abtreibung bis zur 12. Schwangerschaftswoche erfunden?
Antwort:
Halten Sie sich fest, es war tatsächlich die Katholische Kirche in Form der "Sukzessivbeseelung", welche von 1140-1869, mit dreijähriger Unterbrechung von 1588-1591 im röm.-kath. Kirchenrecht galt.
Nach diesem Dogma war ein männlicher Embryo nach 40, ein weiblicher nach 90 Tagen "beseelt".
Später wurde die 90-Tagesfrist bei weiblichen Embryonen auf 80 Tage gesenkt.
Weil man damals das Geschlecht des Zellklumpens nicht feststellen konnte, durften Frauen bis zum 80. Schwangerschaftstag abtreiben, ohne als "Mörderin" stigmatisiert und ohne exkommuniziert zu werden.
Und da es damals keine Schwangerschaftstests gab, konnten Frauen auch über den 80. Schwangerschaftstag hinaus abtreiben, denn nur durch Augenschein konnte man nicht definitiv beweisen, ob die Frau im 70., 80. oder 90. Tag der Schwangerschaft war.
Diese "Sukzessivbeseelung" war eine verkappte Fristenlösung, denn sowohl bei der heutigen Fristenlösung als auch bei der Sukzessivbeseelung ging man davon aus, dass zu Beginn der Schwangerschaft noch kein Mensch vorliegt, sondern erst nach einer bestimmten "Frist".
Nur die Begründung war anders:
Bei der Sukzessivbeseelung war das Schwangerschaftsgewebe, solange es "unbeseelt" war nichts anderes als ein Fleischklumpen, bei der heutigen Fristenregelung darf frau abtreiben, weil in den ersten 12 Wochen das Schwangerschaftsgewebe nicht extrauterin überlebensfähig ist.
Googeln/Surven Sie bitte unter folgenden Suchbegriffen:

- Kirchengeschichte der Abtreibung
- Abtreibung: Wann ist der Mensch ein Mensch
- Unbefleckte Empfängnis II - Nun lächelt Maria nicht mehr

Gravatar: Helene

Ja, eben, sonst stimmt die gesamte Argumentation (des durchaus lesenswerten Artikels) nicht mehr.

Gravatar: Elmar Oberdörffer

"Der §218 erlaubt seit seiner sogenannten Reformierung den Schwangerschaftsabbruch ab der 12. Woche seit der Empfängnis. "
Nein, §218 erlaubt den Schwangerschaftsabbruch BIS zur 12. Woche nach der Empfängnis.

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