9. Mai 1945: Was für ein Tag? Endpunkt oder nur Zwischenziel?

Die deutsche Staatsspitze hat am 24. Mai des vergangenen Jahres geradezu verschämt des 70. Jahrestages unserer Verfassung gedacht. Das Ergebnis sieht man heuer. Tausende Menschen gehen trotz Ausgangssperre auf die Straßen, um gegen Behördenwillkür auf ihren grundgesetzlich verbrieften Rechten zu bestehen.

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Die deutsche Staatsspitze hat am 24. Mai des vergangenen Jahres geradezu verschämt des 70. Jahrestages unserer Verfassung gedacht. Das Ergebnis sieht man heuer. Tausende Menschen gehen trotz Ausgangssperre auf die Straßen, um gegen Behördenwillkür auf ihren grundgesetzlich verbrieften Rechten zu bestehen. Anders kann man derzeit die Entwicklung von „Widerstand 2020“ mit zehntausenden Anhängern bei einer Parteimitgliedschaft nicht empfinden. Dieses Grundgesetz ist wahrlich unter Beschuß. Einerseits von denen, die dieser wunderbaren Verfassung überhaupt absprechen, eine Verfassung zu sein. Der Staat läßt es sich nicht nehmen, fleddernd über die Verfassung herzuziehen, indem er sich an völkerrechtswidrigen Kriegen beteiligt oder seit 2015 die rechtsstaatliche Ordnung dadurch aushebelt, daß er die deutschen Grenzen schutzlos stellt. Da sich das Grundgesetz als Verfassung für die Deutschen versteht, geht man staatlicherseits hin und verunglimpft die für die Deutschen geschaffenen Grundrechte als „völkisch“. Wo leben wir eigentlich, wenn eine ehemalige Abgeordnete des Deutschen Bundestages sich in einem Medienbericht nicht anders zu helfen weiß, als von einer „Staatsratsvorsitzenden“ zu sprechen?

Von einem ehemaligen Bundespräsidenten stammt die Wortschöpfung der „Geschichtsvergessenheit“. Man hätte sich im Traum nicht vorstellen können, eines Tages eine amtierende deutsche Staatsspitze mit diesem Begriff belegen zu müssen. Wie anders muß man es bewerten, daß der russische und der französische Staatspräsident „Versailles 1919“ als das Grundübel bezeichnen, das bereits über eine längere Zeit als die eines Jahrhunderts die internationalen Beziehungen in Europa und darüber hinaus bestimmt? Deutschland und Österreich wurde in Versailles 1919 der Friede verwehrt, ebenso wie dem Osmanischen Reich. Das war gegen jede europäische Tradition seit dem Westfälischen Frieden des Jahres 1648. Deutschland sollte nicht nur für einen Krieg bestraft werden, der Ziel jeder britischen Weltmachtplanung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert gewesen war. Über eine von britischer Seite organisierte Hungersnot nach dem Ende der Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges im November 1918 und „Versailles 1919“ wurde die Saat für Herrn Hitler und einen politisch-moralischen „Regime change“ durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges gelegt und die Lunte für einen Zweiten Weltkrieg, bei dem Deutschland und die Sowjetunion untergehen sollten. Es ist die deutsche Bundesregierung, die jetzt fassungslos ansehen muß, daß die Präsidenten Putin und Macron sich mit den Ursachen des europäischen Elends beschäftigen, während Berlin einer politisch-historischen Amnesie frönt. Wie will man unter diesen Umständen Verantwortung für den künftigen Weg unseres Landes übernehmen, wenn man die Ursachen für Mord und Totschlag in Europa und der Welt ausblendet? Verantwortungslos, nur verantwortungslos!

Der 9. Mai 1945 und das heutige Gedenken an diesen Tag haben es in sich. Daran ändert auch nicht die Tatsache, daß durch die COVID-19 Seuche bedingt, die russische Führung die Feierlichkeiten auf den 3. September 2020 verlegt hat. In deutschen Medien ist das kaum kommentiert, es sei denn, mit Häme versetzt. Von der Regierung und dem Herrn Bundespräsidenten ganz zu schweigen, was eine diesem Tag angemessene Erklärung an die Adresse des russischen Volkes und die Völker der damaligen Sowjetunion anbetrifft. Auch hier hat durch das neue Datum die russische Führung das Heft gleichsam in der historischen Hand. Es ist nicht der 2. September 1945 mit der japanischen Kapitulation an Deck der „Missouri“ in der Bucht von Tokio. Es ist der 3. September und damit der erste Tag des Friedens, an den erinnert werden soll.

Dieses Gedenken und damit der Gesamtblick auf den Globus zur Zeit des Zweiten Weltkrieges wirft eine entscheidende Frage auf. Was sollte der Zweite Weltkrieg eigentlich bewirken? Steht noch eine Überlegung aus und wird diese Frage durch das beantwortet, was allgemein als alliiierte Planung gegen die damaligen Mittelmächte und über Versailles auch gegen die Sowjetunion betrieben worden ist? War der Sieg über Deutschland nur ein Zwischenschritt in der endgültigen Auseinandersetzung mit dem, was heute Rußland ist? Macht der in der angelsächsischen Welt gegen den amerikanischen Präsidenten Trump betriebene „politische Vernichtungsfeldzug“ nur deutlich, daß es von mächtigen, angelsächsisch dislozierten Gruppen nicht hingenommen wird, die über ein Jahrhundert andauernde Kriegspolitik zu beenden und es mit dem zu versuchen, was staatliche Politik seit tausenden von Jahres auch bedeuten konnte: einen Beitrag zum Frieden zu leisten?

Deutschland war über den Ersten Weltkrieg und die danach gelegten Lunten für den nächsten Krieg das Mittel zum Zweck im Sinne eines umfassenden „Regime changes“. Eine prosperierende und friedensbezogene Macht im Herzen Europas mußte verschwinden. Die Folgen wurden konsequent kalkuliert und sind nicht nur Erinnerung. Das Verhalten gegenüber Deutschland macht deutlich, welche Skrupellosigkeit im Vorgehen gegenüber Rußland heute an den Tag gelegt wird. Man kann nur erahnen, in welchen Dimensionen Elend angerichtet werden soll und wird. Da man Deutschland nicht vernichten konnte, soll Deutschland bei dem mitmachen, was jene Kräfte gegen Rußland loszutreten bereit sind, die dem von Präsident Trump ursprünglich verfolgten Ziel des Ausgleichs mit Rußland als Todfeinde gegenüberstehen? Da ist Widerstand erste historische und politische Bürgerpflicht.

Willy Wimmer, 1. Mai 2020

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: die Vernunft

Es ist wichtig, das wir uns an den Kriegsbeginn erinnern. Seit 1945 ist Deutschland ein feindlich besetztes Land mit einer fremdbestimmten Regierung.

https://connectiv.events/hat-deutschland-die-alleinschuld-am-zweiten-weltkrieg-bisher-vertuschte-details-ueber-den-streit-mit-polen-um-danzig-und-den-korridor/

Präsident Putin hat die wahre Geschichte studiert, und will über den Erhalt des Weltfriedens beraten. Präsident Putin/ Rußland bietet unserem Nachkriegsdeutschland nicht zum ersten Mal einen Friedensvertag, und damit unsere Souveränität an, alleine, unsere Regierungsdarsteller wollen/ dürfen nicht.

https://www.schildverlag.de/2020/04/07/defender-2020-und-konferenz-jalta-ii-kommt-etwas-wirklich-grosses-auf-uns-zu-gibt-es-einen-systemwechsel/

Gravatar: heinz ketchup

Diese Geschichte und die immer wieder hervorgekramte und wiedergekäute Nazivergangenheit und Schuld der Deutschen wird ewig anhalten und noch in tausend Jahren erzählt werden.Solange es so eine Regierung hat die alles dafür tut das uns Deutschen immer und immer wieder die Schuld vor Augen geführt wird.
Ausserdem dient es noch zum immerwährenden ausnutzen und ausbeuten des deutschen Volkes.

Gravatar: Ede Wachsam

Vielleicht ist diese Meldung ein wenig untergegangen in dem Riesenskandal bezüglich Corona, als einem Mittel der geplanten Zerstörung Deutschlands, statt als eigenständiger künftig selbstbestimmten Nation mit endlich einem Friedensvertag und dem zur Verfassung erhobenen Grundgesetz.


Präsident Putin plant eine 2. Jalta Konferenz!!

https://www.schildverlag.de/2020/04/07/defender-2020-und-konferenz-jalta-ii-kommt-etwas-wirklich-grosses-auf-uns-zu-gibt-es-einen-systemwechsel/

Falls sich das sehr wichtige Video am Ende des Artikels mittels Pfeil nicht öffnen lässt, kann man es auch mit dem speziellen youttube-Link öffnen:

https://www.youtube.com/watch?v=UAaC8IRy5Yg

Für mich gilt, ich würde lieber in einer russischen Föderation leben in einem Deutschland wie nach 1949 als Demokratie, als in einem islamischen Kalifat oder gar in einem von Satanisten geführten globalen Verbrecherstaat. Hoffen wir, dass Präsident Donald Trump an Jalta 2.0 teilnehmen wird und die Menschheit noch eine letzte Frist zur Umkehr bekommt.

Gravatar: Fishman

Gedenktage verbunden mit Steinmeierschen Apellen
gegen das eigene Volk, damit muß Mal langsam Schluss sein. Dort wo Kriege zur Erreichung politischer Ziele noch möglich sind, werden sie trotzdem geführt. Und zwar von allen. Bei genau so großem Leid und Elend. Sich aktiv gegen jeden einzelnen Krieg und die Beteiligten einzusetzen wäre ehrlicher.

Gravatar: Jprgen kurt wenzel

@Ekkehard Fritz Beyer
,, Der typiche Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat , was sich zu verteidigen lohnt !"
Nun deshalb hat er sich ja nachträglich endnaziviziert , obwohl er noch im April 1945 für die ,, Goldene Heeresspange der Wehrmacht vorgeschlagen wurde !
Seinen Jugendfreund Den ! Hitlerattentäter aus dem Kreise Staufenberg ,Axel von dem Bussche ,hat sein Verhalten bei der vergeblichen Suche nach Gerechtigkeit nach dem Mauerfall zerbrochen !
Kreidefresser machten nach 1945 wie 89/90 wieder Politik ! Widerstand lohnt nicht ! Nur Heute sind sie besonders penedrant und verdorben !

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

„9. Mai 1945: Was für ein Tag? Endpunkt oder nur Zwischenziel?“ ...

Für mein Verständnis war es mit ´Sicherheit` nur ein Zwischenspiel!

Wurde sie nicht besonders deshalb ´von den Altparteien` zur göttlichen(?) Kanzlerin erhoben, weil die Angie schon im Vorfeld ankündigte:

"Politik ohne Angst, Politik mit Mut - das ist heute erneut gefragt. Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten. Und wenn sie sich behaupten sollen, dann müssen wir bereit sein, die Weichen richtig zu stellen. Auch da sind wieder Widerstände zu überwinden."
https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/IT-Gipfel-2016-Merkel-plaediert-fuer-Datensouveraenitaet-statt-Datenschutz/Kein-Rechtsanspruch-auf-Demokratie-auf-alle-Ewigkeit/posting-29515465/show/

In der Hoffnung, dass sich dieser Widerstand in Deutschland erst aufbauen würden, wenn es möglicherweise schon zu spät ist, weil auch der Karl Friedrich von Weizäcker erkannte:

„Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt“?

Allerdings fügte er hinzu:

„Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht ist, dann schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein, auch das was ihm noch helfen könnte“!!!
http://www.ralfhascher.de/wp-content/uploads/2014/08/Carl-Friedrich-von-Weizs%C3%A4cker-Der-bedrohte-Frieden.pdf

Wachen die Deutschen deshalb etwa erst seit anno 2017 ´langsam` auf???
https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/318862.widerstand-nicht-auf-morgen-verschieben.html

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