"500 Millionen Kilometer und wir reden über Hemden"

Der britische Physiker Matt Taylor hat die Raumsonde Rosetta auf einen Kometen befördert - und wird von Feministinnen für sein Hemd kritisiert. Dass Männer für unsere Zivilisation überhaupt etwas beigesteuert haben, gilt in bestimmten Kreisen als seeehr zweifelhaft.

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Auf der Techie-Plattform Mobile Geeks kommentiert Carsten Drees die Debatte um den britischen Physiker Matt Taylor. Ein Auszug:

Es sind einfach schrecklich aufregende Zeiten und dank sehr vieler heller Köpfe in der Wissenschaft sind heutzutage Dinge realisierbar, an die wir vor wenigen Jahren noch nicht zu träumen gewagt hätten. Die Rosetta-Mission ist so eine der Geschichten, die uns vor allem in den letzten Tagen begeisterte.

(...) Vor etwa 20 Jahren begann die Planung der Rosetta-Mission, die vorsah, dass man das Kunstück fertig bringt, einen Roboter auf einem Kometen landen zu lassen. Weitere zehn Jahre sollten vergehen, bis Rosetta sich dann wirklich auf den Weg machte, um beschwerliche 500 Millionen Kilometer zurückzulegen. Noch einmal zehn Jahre später kommt Rosetta tatsächlich an und auch das Landen von Philae – so heißt der Landeroboter – gelingt.

Ich kann nicht im Ansatz erahnen, welche Leistung die zuständigen Wissenschaftler wirklich vollbringen mussten, damit ein Haufen Metall über ein Jahrzehnt lang so exakt Richtung Komet gesteuert wird. Aber ich kann mich erinnern, was ich vor zwanzig Jahren gemacht habe und wenn ich mir überlege, wie weit diese Geschehnisse heute von mir weg sind, bekomme ich ein Gefühl dafür, was diese Rosetta-Mission für Wissenschaftler bedeuten muss, die zwei Jahrzehnte lang nur dieses eine Ziel verfolgt haben.

(...) Als ich jetzt aber sah, wie sich James Taylor für seinen "Fehler" entschuldigte und erklärte, dass er einsieht, dass er viele Menschen damit verletzt hat und dabei den Tränen nahe war, hätte ich selbst heulen können hier. Er wartet lange Jahre darauf, dass sein Traum wahr wird und an diesem großen Tag, während ihn die restliche Presse noch als Helden feiert, formiert sich der Protest, der auf sein Hemd nicht klar kommt und sorgt dafür, dass am nächsten Tag ein Häufchen Elend der Presse Rede und Antwort steht.

Feministinnen halt. Männliche Lebensleistung zählt nicht. Dass Männer für unsere Zivilisation überhaupt etwas beigesteuert haben, gilt in diesen Kreisen schließlich als seeehr zweifelhaft. Und Männertränen sind sowieso nur Badewasser für dieses Volk.

Kommen wir stattdessen zu einer derjenigen Frauen, die keinen schweren psychischen Schaden haben. Inzwischen ist nämlich nicht nur Matt Taylor von dem feministischen Cybermobbing betroffen, sondern auch die mit ihm befreundete Tattoo-Künstlerin Elly Prizeman, die noch am 12. November auf Facebook zu einem Foto Taylors postete:

My buddy Matt on a very important day today wearing the shirt I made him. I'm so proud and nervous today! Good luck!!"

Zwei Tage später klingt sie weniger euphorisch:

My heart just broke watching Matt's apology. That is not cool. The public can be unreasonably cruel. I'm saddened and angered by this.

Dem Blogger Milo Yiannopoulos zufolge kann es sich bei #shirtgate nur um eine "brillante antifeministische Satire" handeln:

Gosh! How wickedly funny it was of a group of internet pranksters to whip up confected outrage over Dr Matt Taylor's harmless, if rather loud, shirt. That's the Matt Taylor who just landed a spacecraft on a comet, by the way, in perhaps one of the most remarkable scientific achievements of the decade.

How brilliantly witty, then, for spoofers to take this achievement and make it all about whether or not the shirt he was wearing during an interview was "sexist" or not. Because this can only be a spoof, right? Some kind of trolling or stunt? No sane person, particularly not writers for those esteemed organs, The Verge and The Atlantic, can possibly have thought his choice of clothing was a problem.

No, the only explanation is that these bloggers and tweeters missed out on April Fool's Day this year, and decided to stage a prank mid-November instead, to really sock it to the radical feminists who have been getting such a bad press recently—and perhaps to steal page-views from The Onion.

I mean, what better way to lampoon a movement that most women want nothing to do with, because it's obstreperous, humourless, nitpicky, hectoring, tone-deaf, misandrist and populated by bores, than hounding a scientific hero because he dared to wear a shirt with a pair of boobs on it? A shirt, I might add, made for him by a female friend.

Christina Hoff Sommers, a feminist academic at the American Enterprise Institute, expresses the problem succinctly: "Feminist bloggers claimed that his shirt would make women feel unwelcome in [science, technology, engineering and maths]. What nonsense. No woman with a serious interest in astronomy would be deterred because she saw a tattooed guy in a risqué shirt."

"Feminism used to be about freedom and happiness. Lately it has entered an Orwellian Junior Anti-Sex League phase. Even the most mild sexual joke, song, or sexy lady T-shirt arouses the Twitter outrage warriors. Women are more than welcome in science and technology, but I doubt that most scientists—male or female—welcome the arrival of these chronically-offended, humourless gender warriors."

(...) By contrast to those "This Is What A Feminist Looks Like" t-shirts, which are sold for £45 but made by 62p-a-day female sweatshop workers sleeping 16 to a room, Taylor's shirt was a lovingly-made one-off from a friend—a woman called Elly Prizeman.

(...) Such is the level of public incredulity and support for Taylor and Prizeman, the latter told me via social media that she is now considering commissions. Hollywood actors and others were seen telling her via Twitter last night that they are anxious to purchase replicas of the shirt she made for Taylor. So perhaps some good will come out of this mess after all.

Feminists picks on easy targets these days because they've lost the battle for public sympathy and because they can't win arguments in the public square. Instead, they go for low-hanging fruit: minuscule perceived infractions by people who would normally be ideological allies. (Just a hunch, but I'm guessing Taylor and Prizeman don't vote Tory.)

(...) I started this column by poking fun at the people responsible for bullying Taylor into an apology, but in fact there's nothing amusing about the cruelty and smugness of social justice warriors who could yesterday be seen on Twitter crowing about their victory and exchanging smarmy congratulations for making a scientific hero cry on television.

Described by his sister as a "typical absent-minded scientist" who struggles to park his own car, Matt Taylor is the sort of quirky genius normally lauded by the Left. But they've become so obsessive and self-destructive that they've turned to internecine bullying raids to get their pound of flesh. Can't we please cast these malcontents, agitators and sociopaths back out into the wilderness where they belong?

Zuerst erschienen auf genderama.blogspot.de

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Feministinnen setzen halt andere Prioritäten. Letztens war bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten ein Beitrag, da ging es darum, dass die Chinesen uns in Sachen "Wissenschaft" mittlerweile überholt haben. Ein Kommentator schrieb dann dazu: "Dafür hat Deutschland die Nase bei den Gender-Wissenschaften vorn. Das macht uns niemand nach!"

Frau Merkel ist ja selbst Feministin und wenn sie von Wachstum und Nachhaltigkeit fabuliert, dann scheint sie wohl die stetige Absenkung des Bildungs- und Wissenschaftsniveaus vollkommen auszublenden. Feministinnen hatten letztens bei einer Demo in Dresden dazu ein treffendes Plakat: "Rudelf**** statt Physik!"

Hier mal dazu lesen:
http://www.kryptonit.cc/politik/muschi-pimmel-regenbogen-so-wird-ein-kind-erzogen/
http://www.kryptonit.cc/kryptonit/wp-content/uploads/2014/11/be_151114_05.jpg

Das ist Deutschland im Jahre 2014!

Gravatar: Blobfisch

Ich frage mich gerade, was wohl passiert wäre, wenn der Bericht stattdessen von einer Frau in einem T-Shirt mit fast nackten Männern gehalten worden wäre?

Nun, erstmal wäre das ja schonmal nicht möglich gewesen, weil es keine entsprechenden T-Shirts gäbe.

Davon abgesehen wäre bei einer Frau auch enorme Aufregung wegen einem solchen Shirt gewesen.
Aber nicht weil nackte Männer darauf sind, sondern allein schon weil frau bei einer Präsentation in den Medien nur ein Shirt trägt, also legere Klamotten anstatt sich angemessen vor der Kamera zu präsentieren.

Sämtliche Klatschzeitungen wären wahrscheinlich voll davon. Der eigentliche Inhalt des Berichts? Vergessen.

Bei der Oscar-Verleihung werden Männer in Interviews auf dem roten Teppich Fragen über ihren Character oder ihr nächstes Projekt gestellt, Frauen fragt man, von welchem Designer ihr Kleid kommt.

Den männlichen Schauspielern aus Avengers werden regelmäßig tiefgehende Fragen zu ihren Rollen gestellt, Scarlett Johanson fragt man, welche Diät sie gemacht hat oder ob sie unter ihrem Catsuit Unterwäsche tragen konnte.

Diverse Zeitungen lassen sich regelmäßig über die Gaderobe von Frau Merkel aus. Haben Sie jemals einen Bericht über den Anzug eines männlichen Politikers gelesen?

Wenn eine berühmte Frau dabei erwischt wird, ein schon mal getragenes Outfit nochmals zu tragen, dann löst das einen Skandal in den Medien aus.

Wenn dagegen ein männlicher Moderator ein Jahr lang denselben Anzug trägt, fällt es nichtmal jemandem auf.
http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/5725776/ein-jahr--ein-mann--ein-anzug.html

Sie beschweren sich, dass man sich nur über die Kleidung dieses Wissenschaftlers ausgelassen hat, anstatt sich auf seine Leistungen und das was er gesagt hat zu konzentrieren.
Tja, willkommen im Leben von Frauen. Ziemlich beschissen oder?

Gravatar: Elmar Oberdörffer

Es ist sehr schade, daß Matt Taylor sich für das Hemd entschuldigt hat. Die richtige Antwort wäre gewesen: das Hemd hat meine liebe Freundin mir gemacht, und ihr könnt mich alle im A.... lecken!

Gravatar: Danton

Wer liest denn die Zeitschriften, die nur auf die Kleidung, die Diät etc. eingehen?
Richtig: Die Frauen selbst. Oder haben Sie schon mal einen Mann gesehen, der sich eine Bunte, Bild der Frau und wie sie alle heißen, gekauft hat? Ich nicht.
Und wer sind die Redakteure? - genau, Frauen!!!

Fangt endlich an Eure weibliche Welt selbst in Ordnung zu bringen, statt die männliche Welt in allen Belangen zu bekämpfen. Frauen dürfen alles studieren, jeden Beruf ausüben, erfinden, was sie wollen, werden besonders gefördert ... Viele nehmen dann geräuschlos wie die Millionen von Männern ihren Platz in der Gesellschaft ein (nur oft nicht an einer Stelle, die von den Feministinnen gefordert wird) und verändern sie durch Ihre tägliche Leistung.
Einige Wenige wiederum führen einen Krieg gegen die Männer und versuchen den Eindruck zu erwecken, Männer seien wilde Tiere, die in einen Käfig oder zumindest an die Leine gehören. Schauen Sie sich doch mal die Heerscharen von Frauen an, die sich in der Mode- und Musikindustrie geradezu prostituieren und die Frau zu "Sexobjekten" degradieren. Aber auch das sind natürlich die Männer schuld - ne, ist klar......

Gravatar: Blobfisch

Es ist nicht die Schuld der Männer, es ist die Schuld der gesamten Gesellschaft, weil all diese Vorurteile und Mechanismen so in unserem Unterbewusstsein eingespeichert sind.
Damit sich etwas ändert, bedarf es eines Umdenkens der gesamten Gesellschaft, also von Männern, Frauen, allen Leuten.

Sexismus wird nicht nur von Männern betrieben, sondern auch von Frauen.

Dass besagtes Hemd von einer Frau entworfen wurde macht es deswegen auch nicht weniger sexistisch.

Generell ist es auch eher sinnlos von Schuld zu sprechen, es ist ja nicht so, als würde jemand hergehen und sagen, heute mache ich mal was sexistisches! oder heute stell ich mal nur Männer ein! Oder was auch immer. Das sind ja keine bewussten, böswilligen Entscheidungen, die da getroffen werden.
Wie gesagt wurden wir über Generationen hinweg darauf programmiert, gewisse Dinge zu denken, Dinge auf eine bestimmt Weise wahrzunehmen, etc., und wir handeln und reagieren eben entsprechend, einfach weil schon immer so gehandelt wurde und weil wirs so gewohnt sind.

Anstatt also ständig zu diskutieren, warum wer an was schuld ist und warum wer an was nicht schuld ist (und ja, das passiert so auf beiden Seiten), sollte man sich lieber mal überlegen, dass es nunmal so ist und was wir als Gesellschaft tun können, um die Dinge zu ändern und zu verbessern. Damit wäre die Zeit und Energie viel besser genutzt.

Wen interessiert es wer Schuld hat? Wichtig ist, dass es künftig nicht mehr so ist.

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