»Generation Greta« hat Gefallen an Petitionen und Demonstrationen gefunden

Schüler-Petitionen_ Ist das Mathe-Abi zu schwer_

In gleich mehreren Bundesländern haben Schüler protestiert und Petitionen ins Leben gerufen. Grund: Die Abitur-Aufgaben in Mathematik waren zu schwer. Der Lehrerverband widerspricht. Sind die Schüler einfach schlechter vorbereitet gewesen?

Die »Generation Greta« war in den letzten Wochen und Monaten oft auf der Straße, um gegen den Klimawandel und den CO2-Ausstoß zu demonstrieren.

Nun war Abitur. Und viele Schüler fanden es zu schwer. Besonders die Aufgaben in Mathematik seien zu schwer gewesen, meinen sie. Interessant: Dies soll gleich in mehreren Bundesländern der Fall gewesen sein, sogar in Berlin, wo das Abitur im Vergleich leichter zu erwerben ist als etwa in Sachsen oder Bayern. Aber auch in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt jammerten die Abiturienten über die Mathe-Prüfung.

Nun demonstrieren sie und haben gleich mehrere Petitionen gestartet. Einige haben bereits in kurzer Zeit zehntausende Unterschriften gesammelt. Sie haben von den Erwachsenen gelernt, wie man Petitionen macht. Das mag gut sein. Aber ist eine schwere Abiturprüfung ein ausreichender Grund, um auf die Barrikaden zu gehen?

Abitur ist Ländersache. Kann es denn möglich sein, dass in fast allen Bundesländern gleichzeitig die Mathe-Prüfungen im Abitur plötzlich schwerer geworden sind?

Die Lehrer widersprechen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes meint, dass die Aufgaben im Durchschnitt nicht schwieriger gewesen seien als sonst. So weit man bereits sehen könne, bewege sich die Notendurchschnitt der Mathe-Prüfungen im üblichen Rahmen. Es sei also kein Grund für die Aufregung vorhanden.

Grundsätzlich lässt sich natürlich fragen, ob unter den Abiturienten nicht zunehmend solche dabei sind, die mit einer Mittleren Reife besser beraten wären. Immerhin nimmt der prozentuale Anteil der Abiturienten seit Jahrzehnten zu. Ob die Begabungen der Schüler in der entsprechenden Zeit entsprechend gewachsen sind, mag diskutabel sein. Ein Abitur zu haben hat eben nicht nur etwas mit dem sozialen Status des Elternhauses zu tun (was nicht abgestritten werden soll), sondern auch mit individuellen Begabungen. Und gerade im Fach Mathematik liegt es oft an individueller Begabung, ob man damit zurecht kommt oder nicht.

Erhellend ist in diesem Falle noch eine andere Beobachtung: Seit Jahren steigt die Zahl der Schüler, die durchs Abi fallen. Vielleicht ist also nicht der außergewöhnliche Zufall ausschlaggebend, dass in fast allen Bundesländern das Abi urplötzlich besonders schwer geworden ist, sondern vielmehr, dass allgemein immer mehr Schüler zum Abitur antreten, die dafür entweder nicht ausreichend geeignet (sprich: fehlende Begabung) oder nicht ordentlich vorbereitet sind (sprich: nicht fleißig genug gelernt haben).

Es gibt eben kein Recht auf Abitur. Man man muss es sich im Schweiße seines Angesichts erarbeiten, sprich: verdienen. Und mit viel Fleiß und harter Arbeit und permanentem Wiederholen des Unterrichtsstoffes (»repetitio est mater studiorum«) kann auch ein Normal-Begabter ein ordentliches Abitur erwerben.

Sven von Storch

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