Libanon, Jordanien, Ägypten, Syrien

Ukraine-Krieg kann Nahen Osten zum Kippen bringen

Die Versorgungslage in Staaten wie Jordanien, Ägypten, Syrien und dem Libanon ist kurz vor dem Zusammenbruch. Die Staaten sind auf Weizenimporte aus der Ukraine und Russland angewiesen. Ein massiver Anstieg der Brotpreise kann die Region in neues Chaos stürzen.

Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf den Nahen Osten sind massiv. Sie können die Region erneut zum Kippen bringen und damit neue Unruhen, Flüchtlings- und Migrationswellen auslösen.

Vier Länder seien hier als Beispiele aufgezählt:

1. Libanon

Der Libanon steckt in einer akuten existenziellen Krise. Die Versorgungslage ist zusammengebrochen. Wasser, Strom und Benzin/Diesel sind Mangelware. Die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut. Die Inflation ist rasant: In zwei Jahren ist die Währung um 90 Prozent abgewertet worden. Die Lebensmittelpreise sind gar um 600 Prozent gestiegen. Wenn dann noch die Getreide-Importe aus Russland und der Ukraine wegfallen, bricht alles zusammen. Schon jetzt befürchten Beobachter einen Staatsbankrott.

2. Jordanien

Jordaniens Bevölkerung wächst schnell. 1980 hatte Jordanien 2,3 Millionen Einwohner. Jetzt sind es über 10 Millionen. Rund die Hälfte sind Migranten und Flüchtlinge aus Palästina, Syrien und dem Irak. Das Land hat massive Probleme mit der Wasserversorgung. Während die Bevölkerung sich alle 20 Jahre verdoppelt, nehmen die Wasserreservoirs rapide ab. Ein anderes Problem ist die Versorgung mit Weizen, wichtig für die heimische Brot-Produktion. Rund 80 Prozent des Weizens in Jordanien kommt aus Russland und der Ukraine. Wenn diese Importe ausfallen, werden die Brotpreise steigen und soziale Unruhen können ausbrechen.

3. Ägypten

Das Land am Nil hat ein rasantes Bevölkerungswachstum. Erst kürzlich hat die Zahl der Einwohner die 100-Millionen-Marke überschritten. Zum Vergleich: Um 1980 waren es noch rund 40 Millionen. Die Landwirtschaft am Nil und im Delta ist nicht in der Lage, die Bevölkerung ausreichend zu versorgen. Daher ist Ägypten von Lebensmittel-Importen abhängig. Besonders wichtig sind die Weizen-Importe aus Russland und der Ukraine. Ägypten ist traditionell ein Land, in dem die soziale Stabilität eng mit den Brotpreisen verknüpft ist. Wenn hier die Preise explodieren, sind Unruhen vorprogrammiert.

4. Syrien

Das von Bürgerkrieg und Zerstörung geplagte Syrien ist ebenfalls von Getreide-Importen abhängig. Russland scheint hierbei trotz des Krieges bemüht zu sein, Syrien mit Weizen zu beliefern, um das Assad-Regime zu stützen. Dennoch wird die Versorgung knapp. Auch die EU hilft mit Geldern. Wenn in Syrien eine Hungersnot ausbricht, sind dem Bürgerkrieg wieder Tür und Tor geöffnet. Schon jetzt wissen rund 60 Prozent der Bevölkerung nicht, wie und wo sie ihre täglich Nahrung bekommen können.

Welche Auswirkungen kann dies auf Europa haben?

Eine zweite Welle sozialer Verwerfungen wie zurzeit des sogenannten Arabischen Frühlings kann erneute Massenmigrationen aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Europa zur Folge haben.

Krisen im Nahen und Mittleren Osten führen fast immer zu erhöhten Preisen für Erdöl und Erdgas. Schon jetzt ist die Versorgungslage mit Erdöl und Erdgas prekär. Die Auswirkungen verstärken die Inflation und die wirtschaftliche Stagnation in Europa.

 

 

Sven von Storch

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