Wie ernst ist das für Russland?

Trump droht mit sekundären Zöllen auf Russlands Handelspartner

Am 28. Juli 2025 hat US-Präsident Donald Trump die Frist für Russland, den Krieg in der Ukraine zu beenden, auf 10 bis 12 Tage verkürzt und drohte mit sekundären Zöllen gegen Länder, die weiterhin russisches Öl und Gas kaufen, falls kein Friedensvertrag geschlossen wird.

- Es scheint wahrscheinlich, dass die Drohung mit sekundären Zöllen für Russland ernst, aber nicht existenziell bedrohlich ist, da wichtige Handelspartner wie China, Türkei und Indien möglicherweise nicht nachgeben.  

- Die Auswirkungen hängen stark davon ab, ob diese Länder den US-Druck ignorieren und Russland Wege findet, seine Exporte fortzusetzen, etwa durch die „Schattenflotte“.  

- Es gibt Kontroversen darüber, ob die USA die Sanktionen durchsetzen können, da globale Ölpreise steigen könnten und dies die Einnahmen Russlands ausgleichen könnte.  

Hintergrund

Am 28. Juli 2025 hat US-Präsident Donald Trump die Frist für Russland, den Krieg in der Ukraine zu beenden, auf 10 bis 12 Tage verkürzt und drohte mit sekundären Zöllen gegen Länder, die weiterhin russisches Öl und Gas kaufen, falls kein Friedensvertrag geschlossen wird. Diese Ankündigung folgte direkt auf Verhandlungen mit der EU, bei denen Europa einer 15%-Zollabgabe auf seine Waren zugestimmt hat. Die Drohung zielt darauf ab, Druck auf Russland auszuüben, könnte aber auch die globalen Handelsbeziehungen beeinflussen.

Auswirkungen auf Russland

Die Auswirkungen hängen von den Reaktionen der Hauptimporteure ab, insbesondere China, Indien und der Türkei, die zusammen über 80% der russischen Energieressourcen kaufen. China hat die Drohung kritisiert, während Indien laut Minister Hardeep Singh Puri nicht besorgt ist, da sie glauben, dass die Ölmärkte stabil sind. Für die Türkei ist die Situation unklar, aber als bedeutender Käufer könnte sie ebenfalls betroffen sein. Russland könnte durch eine „Schattenflotte“ von Tankern seine Exporte fortsetzen, was die Wirkung der Zölle mindern könnte.

Marktreaktionen

Die Ölmarktakteure reagieren ruhig, was darauf hindeutet, dass sie nicht erwarten, dass die Zölle umgesetzt werden oder einen großen Einfluss haben. Experten zweifeln an der Durchsetzbarkeit, da höhere Ölpreise die globale Wirtschaft belasten könnten und Russlands Einnahmen ausgleichen könnten.

Detaillierte Analyse: Trump’s Drohung und ihre Implikationen für Russland

Am 28. Juli 2025, um 08:56 Uhr MESZ, hat US-Präsident Donald Trump eine überraschende Ankündigung gemacht, die die internationale Handelslandschaft erschüttern könnte. Er verkürzte die Frist für Russland, den Krieg in der Ukraine zu beenden, von ursprünglich 50 Tagen auf 10 bis 12 Tage und drohte mit sekundären Zöllen oder Sanktionen gegen Länder, die weiterhin mit Russland handeln, insbesondere solche, die russisches Öl und Gas importieren. Diese Drohung kam unmittelbar nach Verhandlungen mit der EU, bei denen Europa einer 15%-Zollabgabe auf seine Waren zugestimmt hat. Es wird spekuliert, dass Trump der EU im Gegenzug Zugeständnisse gemacht haben könnte, um die Bedingungen akzeptabler zu gestalten, etwa durch eine Art „süße Pille“. Die endgültige Entscheidung über die Einführung der sekundären Zölle sollte laut Trump am 28. oder 29. Juli 2025 fallen.

Diese Entwicklung ist Teil eines breiteren geopolitischen Kontexts, in dem die USA versuchen, Druck auf Russland auszuüben, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Die Ankündigung wurde während eines Treffens mit dem britischen Premierminister Keir Starmer in Schottland gemacht, was die internationale Dimension unterstreicht. Russland hat die vorherige 50-Tage-Frist weitgehend ignoriert, mit Dmitry Medvedev, der die neue Frist als „Bedrohung und Schritt in Richtung Krieg“ bezeichnete, während die Ukraine Trumps Ankündigung dankte und auf „Frieden durch Stärke“ setzte.

Potenzielle Auswirkungen auf Russlands Handelspartner

Die Umsetzung von Trumps Drohung hängt stark von den Reaktionen der wichtigsten Handelspartner Russlands ab, insbesondere China, der Türkei und Indien, die zusammen mehr als 80% der russischen Energieressourcen importieren. Eine detaillierte Analyse zeigt:

- China: China hat in früheren Handelskonflikten mit den USA gezeigt, dass es von Sanktionen nicht leicht beeinflusst wird. Im Handelskrieg unter Trumps erster Amtszeit demonstrierte China Resilienz und war bereit, einen zweiten Akt eines Handelskriegs zu verfolgen, dessen Belastungen die USA nicht einmal einen Monat überstanden. Es ist unwahrscheinlich, dass China seine Handelsbeziehungen mit Russland einschränken wird, insbesondere da die USA auf Chinas Märkte angewiesen sind. Experten schätzen, dass China und Indien zusammen 85-90% des seefahrenden Rohöls aus Russland importieren, was ihre wirtschaftliche Bedeutung unterstreicht. Tatsächlich hat China die Drohung mit sekundären Zöllen kritisiert, was darauf hindeutet, dass sie diese Maßnahme nicht unterstützen, wie in einem Bericht von United24Media vom 16. Juli 2025 berichtet wurde.

- Indien: Indien hat in den letzten Jahren seine Strategien zur Beschaffung russischen Öls angepasst, etwa durch die Nutzung einer „schattenhaften“ Tankerflotte, um Sanktionen zu umgehen. Indien ist ein wichtiger Partner für die USA, und es ist fraglich, ob die USA bereit sind, Indien wirtschaftlich zu schädigen. Die Forschung legt nahe, dass Indien weiterhin russisches Öl kaufen wird, insbesondere bei günstigen Preisen, und die Auswirkungen der sekundären Zölle minimieren könnte. Laut Hardeep Singh Puri, Indiens Minister für Erdöl und Erdgas, ist Indien nicht besorgt über potenzielle US-Sanktionen, da er glaubt, dass die Ölmärkte gut versorgt sind und die Preise sinken werden, wie in einem Artikel der Economic Times vom 17. Juli 2025 berichtet wurde.

- Türkei: Die Türkei hat seit 2021 ihren Handel mit Russland mehr als verdoppelt, insbesondere durch den Weiterverkauf russischer Energieressourcen. Der Handel mit den USA macht nur 6% der türkischen Exporte aus, sodass die Türkei relativ leicht alternative Märkte finden könnte, ohne große Verluste zu erleiden. Zudem hat die Türkei ein strategisches Interesse daran, ihre Beziehungen zu Russland zu stärken, und könnte sich von US-Druck nicht beeindrucken lassen. Die Antwort der Türkei ist daher, wie ein Beobachter bemerkte, „sehr, sehr zweideutig“. Obwohl keine spezifischen offiziellen Stellungnahmen gefunden wurden, ist klar, dass die Türkei als signifikanter Käufer russischer Energie betroffen sein könnte, wie in einem Bericht von Meduza vom 16. Juli 2025 erwähnt wurde.

Neben diesen Hauptakteuren könnten auch EU-Länder wie Frankreich betroffen sein, das an Projekten wie „Jamal-LNG“ beteiligt ist. Frankreich ist Miteigentümer des Projekts und erhält LNG nicht durch Kauf, sondern als Investor. Sollte Frankreich seinen Anteil aufgeben, würde dies für Russland weder „kalt noch heiß“ sein, da kleinere Käufer wie Brasilien, die Slowakei und Ungarn ebenfalls weiterhin russische Energieressourcen importieren könnten.

Russlands wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit

Russlands Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie gegen westliche Sanktionen erstaunlich resilient ist. Ein zentraler Faktor ist die sogenannte „Schattenflotte“ von Tankern, die es Russland ermöglicht, Öl und Gas auch unter Sanktionen zu exportieren, ohne dass der Ursprung leicht nachvollzogen werden kann. Diese Flotte besteht aus Hunderten von Tankern mit obskurer Eigentümerschaft, die den Ursprung russischer Exporte verschleiern können. Experten schätzen, dass mehr als die Hälfte dieser Flotte noch nicht sanktioniert ist, was Russland Spielraum gibt, wie in einem Bericht von RivieraMM vom 15. Juli 2025 erwähnt wurde.

Zudem könnte ein Rückgang der russischen Exporte auf dem Weltmarkt zu steigenden Ölpreisen führen, was die Einnahmen aus verbleibenden Exporteuren kompensieren könnte. Ein Bericht von Reuters vom 15. Juli 2025 wies darauf hin, dass Ölmarktakteure nicht glauben, dass die Sanktionen umgesetzt werden, da höhere Energiepreise ein Risiko für die globale Wirtschaft darstellen. Der russische Aktienmarkt stieg nach Trumps Ankündigung um 2,7%, und der Rubel stärkte sich, was auf eine gewisse Gelassenheit in Moskau hinweist, wie in einem Bericht von CBS News vom 15. Juli 2025 berichtet wurde.

Geopolitische Implikationen

Die geopolitischen Folgen von Trumps Drohung sind bedeutend. Wenn die wichtigsten Handelspartner Russlands – China, Türkei und Indien – den Druck der USA ignorieren, könnte dies einen schweren Schlag gegen den Ruf der USA als Weltführer bedeuten. Es würde zeigen, dass die USA nicht in der Lage sind, ihre wirtschaftlichen und politischen Drohungen durchzusetzen. Für Russland könnte dies ein strategischer Vorteil sein, da es seine wirtschaftliche Unabhängigkeit und seine Fähigkeit zur Widerstandsfähigkeit unter Beweis stellen würde. Gleichzeitig könnte es jedoch auch zu einer Eskalation der Spannungen zwischen den USA und Russland führen, insbesondere wenn die USA versuchen, die Sanktionen unilateral durchzusetzen.

Ein Bericht von POLITICO vom 23. Juli 2025 wies darauf hin, dass es Zweifel gibt, ob Trump die Sanktionen tatsächlich umsetzen wird, da ein bipartisaner Gesetzentwurf im US-Senat, der sekundäre Zölle autorisieren würde, nach Trumps Ankündigung pausiert wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Drohung möglicherweise eher symbolisch ist, um Druck auf Russland auszuüben, ohne konkrete Schritte unternehmen zu müssen.

Markt- und Expertenreaktionen

Die Reaktionen auf Trumps Ankündigung waren gemischt. Auf den Ölmärkten gab es kaum Anzeichen von Panik, was darauf hindeutet, dass die Akteure nicht glauben, dass die Sanktionen umgesetzt werden oder signifikante Auswirkungen haben werden. Ein Bericht von DW vom 14. Juli 2025 wies darauf hin, dass die Ölmarktakteure entspannt wirken, was auf keine unmittelbaren Risiken hindeutet. Experten äußern Zweifel an der Durchsetzbarkeit der Sanktionen, insbesondere angesichts der globalen Abhängigkeit von russischen Energieressourcen und der wirtschaftlichen Interdependenz zwischen den USA und Ländern wie China und Indien. Ein Bericht von Russia Matters vom 25. Juli 2025 analysierte, dass die potenziellen Antworten der Handelspartner zweifach sind: Entweder sie suchen alternative Importquellen, was zu Turbulenzen auf den globalen Ölmarkten führen könnte, oder sie akzeptieren die Zölle und handeln weiter mit Russland, was die Durchsetzung erschwert.

Zusammenfassung und Bewertung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Trumps Drohung mit sekundären Zöllen laut und ungewöhnlich ist, aber ihre tatsächliche Umsetzung und Wirkung sind fraglich. Es scheint wahrscheinlich, dass Russland durch Mechanismen wie die Schattenflotte und steigende Ölpreise seine Exporte fortsetzen kann, und seine wichtigsten Handelspartner – China, Türkei und Indien – sind unwahrscheinlich, sich von US-Druck beeindrucken zu lassen. Selbst wenn einige Länder ihre Handelsbeziehungen reduzieren, könnten die globalen Marktmechanismen die Einnahmen Russlands ausgleichen. Geopolitisch könnte dies jedoch ein Prestigeverlust für die USA bedeuten, wenn die Sanktionen ignoriert werden. Für Russland ist die Situation ernst, aber nicht existenziell bedrohlich. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Trump seine Drohung in die Tat umsetzt oder ob es sich um eine strategische Finte handelt.


Sven von Storch

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