[Siehe Video von Dr. Sabine Hossenfelder auf YouTube HIER]
Die renommierte Physikerin Sabine Hossenfelder zeigt zwar sich langfristig optimistisch, was die Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) angeht, äußert jedoch starke Bedenken über den aktuellen Zustand der KI und die kurzfristigen Entwicklungen.
Viele Unternehmen haben in noch unreife KI-Technologien investiert, insbesondere in große Sprachmodelle.
Hossenfelder warnt, dass diese Investitionen kaum zufriedenstellende Renditen bringen werden. Sie sieht eine KI-Investmentblase, die kurz vor dem Platzen steht, und nennt fünf beunruhigende Anzeichen.Erstes
Erstes Warnsignal: Rückgang der KI-Nutzung
Unternehmen erkennen zunehmend, dass ihre KI-Investitionen die erwarteten Ergebnisse nicht liefern. Laut dem US Census Bureau ist die KI-Nutzung in US-Unternehmen erstmals seit zwei Jahren zurückgegangen.
Eine Studie des MIT-Projekts NAND zeigt, dass 95 Prozent der Unternehmen, die generative KI einsetzen, keinen messbaren Return on Investment verzeichnen. Ein Bericht von McKenzie ergänzt, dass 80 Prozent der Unternehmen keinen positiven Einfluss durch KI-Nutzung feststellen. Laut Gartner haben wir den Höhepunkt der KI-Euphorie überschritten und befinden uns in einer Phase der Ernüchterung.
Zweites Warnsignal: Schwächen beim KI-Coding
Selbst vielversprechende Anwendungsfälle wie KI im Programmierbereich enttäuschen. Zwar kann KI schnell »Code« generieren, doch Studien zeigen, dass dieser oft Fehler und Sicherheitslücken enthält, die zusätzliche Korrekturen erfordern.
Eine Untersuchung von Metas Modellbewertungsgruppe ergab, dass große Sprachmodelle bei langen Aufgaben Schwierigkeiten haben und Entwickler sogar verlangsamen können. Softwareingenieure spezialisieren sich inzwischen darauf, Fehler in KI-generiertem Code zu beheben.
Drittes Warnsignal: Korrektur von Überinvestitionen
Die übermäßigen Investitionen in KI stehen vor einer Korrektur. Die meisten KI-getriebenen Börsengewinne stammen von großen Unternehmen wie Google, Alphabet, Meta und Amazon, die stark in KI investiert haben.
Goldman Sachs prognostiziert, dass diese Konzerne ihre KI-Investitionen bald deutlich reduzieren werden. Dies könnte die allgemeine Begeisterung für KI dämpfen und negative Folgen für den Aktienmarkt haben.
Viertes Warnsignal: Öffentliche Debatte über die KI-Blase
Die öffentliche Diskussion über eine mögliche KI-Blase nimmt zu, und Investoren ziehen sich zurück. Sam Altman, CEO von OpenAI, hat die Existenz einer KI-Blase öffentlich eingeräumt und auf übertriebene Begeisterung hingewiesen.
Analysten betonen, dass die Probleme vor allem in privaten Märkten stärker ausgeprägt sind als bei etablierten Softwareunternehmen. Martin Fimoski, ehemaliger Ökonom und KI-Forscher, hat alle KI-Investitionen aus seinem Pensionsfonds zurückgezogen, da er die Erwartungen an KI-Fähigkeiten für überzogen hält.
Fünftes Warnsignal: Physische Grenzen der KI-Entwicklung
Physische Hindernisse bremsen die KI-Entwicklung, insbesondere Engpässe bei Rechenzentren und Energieversorgung. Goldman Sachs meldet Rekordtiefs bei der Verfügbarkeit von Rechenzentren, in manchen Märkten liegt sie nahezu bei null Prozent. Neue Stromquellen, die für die Skalierung von KI notwendig sind, werden erst ab 2028 verfügbar sein. Dies erhöht die Kosten für das Training von Modellen. Viele Neueinsteiger in die KI-Branche könnten dadurch ins Hintertreffen geraten.
Ausblick auf KI-Investitionen
Hossenfelder hält diese Hindernisse für vorübergehend und glaubt, dass sie die KI-Landschaft langfristig nur begrenzt beeinflussen werden. Sie sieht generative KI als ersten Schritt in einer Reihe von Fortschritten und ist überzeugt, dass Investoren langfristig dieses Potenzial erkennen werden. Doch momentan ist alles überstürzt und vieles noch nicht reif.
Mit einem ironischen Augenzwinkern rät sie jedoch davon ab, Finanztipps von Physikern anzunehmen.


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