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Ist Chinas Wirtschaft beziehungsweise Bruttoinlandsprodukt in Wahrheit rund 60 Porzent kleiner als offiziell angenommen? Dies behauptet ein Forschungsbericht von Professor Luis Martinez von der University of Chicago. Seiner Einschätzung nach ist China noch weit davon entfernt, die größte Volkswirtschaft der Welt zu werden. Sie mache zurzeit nur etwa ein Drittel der Größe der US-Wirtschaft aus. Außerdem sei seiner Einschätzung nach Chinas Schuldenstand im Verhältnis zur Größe seiner Wirtschaft tatsächlich viel höher, als bislang vermutet.
Chinas offizielle Zahlen Bruttoinlandsprdukt (BIP), die die Gesamtausgaben der Wirtschaft messen, sind eigentlich seit langem sehr umstritten. Sogar Chinas Vizepräsident habe zugegeben, dass Chinas BIP-Zahlen künstlich, das heißt »menschengemacht« und daher unzuverlässig seien.
Um das BIP zu berechnen, sammeln Regierungen auf der ganzen Welt normalerweise Daten über Transaktionen in allen Wirtschaftssektoren. Das Problem ist jedoch, dass das BIP-Wachstum oft als Erfolgsmaßstab angesehen wird.
Um an der Macht zu bleiben, brauchen Politiker also höhere BIP-Zahlen. Und sicher, sie könnten sie bekommen, indem sie gut regieren und die Wirtschaft wachsen lassen. Aber das ist wirklich harte Arbeit. Es wäre viel einfacher, einfach höhere BIP-Zahlen zu erhalten, indem man die Zahlen jedes Jahr ein wenig nach oben korrigiert.
Um herauszufinden, ob Autoritäre BIP-Statistiken stärker manipulieren, untersuchte Professor Martinez zwischen 1992 und 2008 184 Länder und verglich die Zunahme der Lichter in der Nacht in jedem Land mit dem Wachstum des BIP, das jedes Land meldete.
Er fand heraus, dass, wie erwartet, alle Länder typischerweise auch ein BIP-Wachstum meldeten, als die Nachtlichter zunahmen. Bei der Unterscheidung zwischen autokratischen und demokratischen Ländern zeigte sich jedoch ein klares Muster. Autokratische Länder meldeten typischerweise satte 35 Prozent höhere BIP-Wachstumszahlen im Vergleich zum Wachstum der Nachtlichter.
Und speziell für China stellt Martinez fest, dass Chinas BIP-Wachstum auf der Grundlage seiner Analyse zwischen 1992 und 2008 wahrscheinlich 4,9 % pro Jahr betrug und nicht das durchschnittliche gemeldete Wachstum von 6,3 %.


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