Erdgas: Deutschlands Wirtschaft hängt am seidenen Faden

Industrie vom russischen Gas abhängig_ Es gibt (noch) keine ausreichenden Alternativen

Zwei Drittel des Erdgases in Deutschland wird von der produzierenden Industrie verbraucht. Wenn sie zusammenbricht, gerät die gesamte deutsche Wirtschaft in Schieflage. Die Alternativen sehen mager aus: Katar hat zu wenig Förderkapazitäten und deutsches Erdgas muss mit Fracking gefördert werden.

Nachdem Wirtschaftsminister Habeck die erste Frühwarnstufe des Notfallplans für die Gasversorgung ausgerufen hat, dürfe klar sein, dass die Versorgung Deutschlands mit ausreichend Erdgas existenziell ist.

Nicht nur die Privathaushalte wären von einem plötzlichen Stopp russischer Gaszufuhr betroffen. Vor allem die Industrie stünde vor massiven Problemen. Es ist von möglichen Dominoeffekten die Rede.

Besonders betroffen wären die Industrie für chemische Grundstoffe, die auch Grundlage für die Versorgung anderer Industriezweige ist.

Weiterhin massiv betroffen, wären die Lebensmittelindustrie, die Metallindustrie, die Glas- und Keramikherstellung, der Fahrzeugbau, der Maschinenbau, die Gummi- und Kunststoffverarbeitung.

Insgesamt verbraucht die produzierende Industrie rund zwei Drittel des gesamtes Erdgases in Deutschland. Die Heizungen zu drosseln würde also als Notfallmaßnahme nicht ausreichen.


Die Hoffnung der Bundesregierung, Erdgas aus Katar könnte die Lücken schließen, die durch ein Embargo Russlands entstünden, sind auf Sand gebaut. Zwar verfügt Katar über ein riesiges Erdagsvorkommen im Persischen Golf. Doch die Förderkapazitäten sind beschränkt. Außerdem ist ein großer Teil von Kunden aus Ostasien (China, Japan, Südkorea) ausgebucht.

Auch die Lieferkapazitäten der Amerikaner sind beschränkt. Bleibt nur noch, die heimische Gasförderung anzukurbeln. Doch hier gibt es zwei Probleme: Erstens dauert es, mit neue Förderkapazitäten geschaffen sind, zweitens würde dann ein Großteil des Erdgases in Niedersachsen mittels der umstrittenen Fracking-Methode gefördert werden müssen.

Für viele energieintensive Unternehmen droht daher nun das Aus, selbst wenn sie gut wirtschaften und viele Aufträge haben. Die hohen Preise lassen sich ab einer gewissen Höhe nicht mehr stemmen.

Sven von Storch

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