Niall Ferguson: Green Deal ist Tugendsignal ohne jede Bedeutung

Harvard-Professor rechnet mit Merkel und Greta ab

In einem Interview mit der »Welt« rechnet der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson mit dem Klimawahn, mit Merkels Politik und Greta Thunberg ab. Lob findet er für Trump.

In einem Interview mit der »Welt« rechnet der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson mit dem Klimawahn, mit Merkels Politik und Greta Thunberg ab.

Die Europäer würden fälschlicherweise davon ausgehen, dass der sogenannte »Green Deal« (für den Ursula von der Leyen eine Billion Euro einplant) das Wachstum fördern werde. Doch das Gegenteil werde eintreten. Die Vorstellung, dass der »Green Deal« ein Wachstumsmotor sein könnte, beschreibt er als »eine der seltsamsten Ideen, die es im Moment überhaupt auf der Welt gibt.« Das Ganze sei ein Tugendsignal ohne jede Bedeutung.

Ferguson geht davon aus, dass der »Green Deal« die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und der deutschen Industrie weiter schmälern werde. Die ganze Politik führe in die falsche Richtung. Wörtlich sagte er: »Ihr habt euch eure Energiepolitik unter anderem mit dem überstürzten Atomausstieg versaut, und jetzt macht ihr alles nur noch schlimmer«. Merkel habe Deutschland mit hohen Energiepreisen in die wirtschaftliche Sackgasse geführt.

Der Stimulus der grünen Technologie und grünen Infrastruktur werde winzig sein. Und was das Klima und den CO2-Aussoß angeht, so erklärte er, die Klimaprobleme würden nicht primär von Europa verursacht, sondern von China und Indien. Europa sei in dieser Hinsicht irrelevant. China sei in den letzten 16 Jahren, als seit der Zeit, in der Greta Thunberg geboren wurde, für rund 60 Prozent des globalen Anstiegs beim CO2-Ausstoß verantwortlich. Doch niemand in Davos haben eine Idee, wie man China dazu bringen könnte, sich auf seinem Wachstumskurs zu beschränken. Greta solle lieber nach Peking reisen und dort ihre Vorträge halten anstatt in Davos oder New York, erklärte Ferguson.

Zudem sei Ferguson durch den aktuellen Anti-Amerikanismus der Deutschen extrem irritiert. Zu Merkel sagte er: »Kanzlerin Angela Merkel gehört zu einer Dekade, die längst hinter uns liegt. Ihre Kanzlerschaft ist ein kolossaler Ausfall.« Außerdem sei Europa durch Merkels mangelnde Führungsstärke in seiner globalen Bedeutung marginalisiert worden.

Lob findet er für den US-Präsidenten Donald Trump. Er hätte sich in Davos klug zurückgenommen und habe seinen Kritikern wenig Raum für ihre Lästereien gelassen. Stattdessen hat er sich darauf konzentriert, die wirtschaftlichen Erfolge der USA unter seiner Regierung herauszustellen. Wirtschaftlich und auch mit dem amerikanischen Arbeitsmarkt gehe es bergauf. Europa könne von Amerika viel lernen.

Sven von Storch

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