Täglich werden wir mit neuen Forderungen konfrontiert: Wir sollen Masken tragen, dürfen kein Holz mehr verbrennen, sollen kalt duschen, sollen auf unseren PKW verzichten, sollen auf unseren Urlaub verzichten, sollen für den Frieden frieren und die Heizung ausgestellt lassen, sollen gegen Putin unseren Gasherd auslassen, sollen uns auf schwere Jahre einstellen, sollen mit zukünftig weniger Rentenansprüchen auskommen, sollen mit hoher Inflation zurechtkommen, dürfen Silvester nicht mehr knallen und böllern, sollen auf den Wunsch nach einem Eigenheim verzichten und stattdessen nicht nur Wohnungen mieten, sondern auch Autos, Fahrräder, Roller und alle technischen Dinge per App »leihen«...!
Und nun sollen wir unsere Wäsche bei 30 Grad waschen! Kochwäsche? Tabu! 60 Grad? Nein! 40 Grad? Das war gestern! Jetzt sind 30 Grad angesagt! Handtücher und Kochwäsche bei 30 Grad? Ja! Das ist die Forderung des WMF und des Ariel-Herstellers Procter & Gamble (P&G) [siehe Bericht »Welt«].
Durchschnittlich wird die Wäsche in Deutschland bei 43,18 Grad gewaschen. Klar, bei Buntwäsche muss man vorsichtig sein. Aber das vollgekotzte weiße Hemd von der letzten Party? Das schokoladenverschmierte Lätzchen des Kleinkindes? Die Unterhose mit den Bremsspuren? Die Damenunterwäsche mit den Spuren der letzten Periode? Oder was ist mit den Altkleidern, die man noch mal neu auftragen will? Die Bettwäsche, die von den Milben befreit werden soll? Die schweißdurchtränkten Socken vom Sport? Alles bei 30 Grad?
Das alles interessiert die Statistiker nicht. Denn Statistiker sind keine schwäbischen Hausfrauen. Sie sagen: »Lediglich 34,6 Prozent der jährlich rund elf Milliarden Waschladungen in Deutschland werden laut Marktforschung bei 30 Grad oder kälter gewaschen.« Das sei unter dem europäischen Durchschnitt. Das soll sich ändern.
P&G will jedenfalls die Waschmittel mit neuen Enzymen durchsetzen, damit auch niedrige Temperaturen ausreichen. Wir dürfen abwarten und müssen ausprobieren.


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