Viele Akademiker in den USA, Europa und Asien finden keine adäquaten Einstellungen

Studium als globales Problem_ Es gibt zu viele Akademiker

Zu viele junge Menschen studieren, zu wenige wollen ins Handwerk, in die Fabrik oder als Bauern arbeiten. Das Problem ähnelt sich in Europa, in den USA und in Asien. In China will man nun wieder junge Uni-Absolventen aufs Land zur Arbeit schicken.

Böse formuliert könnte man sagen: Es gibt zu viele »Klugscheißer« aber zu wenig »Könner«. Die Zahl der Akademiker steigt ständig. Doch das Handwerk sucht dringend Nachwuchs.

In Deutschland macht sich das zweierlei bemerkbar: Viele Akademiker haben Probleme, Stellen zu finden, die ihrer Ausbildung entsprechen. Oft sind sie überqualifiziert. Oft sind Geisteswissenschaftler, Sozialwissenschaftler und Medienwissenschaftler betroffen. MINT-Absolventen sind weniger betroffen.

Andererseits sucht das deutsche Handwerk dringend Nachwuchs. Auch die Industrie sucht Fachkräfte und Ingenieure.

In den USA ist es noch drastischer. Die Akademisierung wurde als Geschäftsmodell erkannt. Alle möglichen Berufe können nun am College »studiert« werden. Doch die Absolventen sind dann hoch verschuldet. Wer Soziologie oder »Gender Studies« studiert hat, wird Schwierigkeiten haben, seine Studienschulden zurückzuzahlen.

Wissenschaftler warnen: Wenn es zu viele Studierte gibt, die ihre Ziele nicht erreichen, und auf der anderen Seite ein großes Prekariat an Menschen, die weder Zugang zu Bildung noch zu qualifizierten Arbeitsplätzen haben, stehen große gesellschaftliche Verwerfungen an. Die Gesellschaft ist dann zu sehr gespalten: Es gibt auf der einen Seite zu viele Akademiker, auf der anderen Seite zu viele Bildungsferne, in der Mitte gibt es zu wenige.

In China zeigt sich das Problem ebenfalls drastisch: Viele Eltern haben ihr Vermögen in die Bildung und Ausbildung ihrer Einzelkinder investiert, in der Hoffnung, später von ihren Kindern unterstützt zu werden. Doch die Universitäten sind überfüllt, es gibt zu viele junge Menschen mit akademischen Abschluss, für die es keine adäquaten Positionen gibt.

Die Folge: In China erwägt die politische Führung unter Xi Jinping nun wie damals bei der Kulturrevolution die jungen arbeitslosen Akademiker auf das Land zu schicken, wo sie der Landbevölkerung bei der Arbeit helfen sollen [siehe Bericht »n-tv«].

Es gibt bereits eine Bewegung in China, die mit »Flachliegen« übersetzt wird. Der Hintergrund ist folgender: Die chinesischen Schüler und Studenten stehen unter einem enorm hohen Leistungs- und Konkurrenzdruck. Sie lernen von früh bis spät, auch am Wochenende, opfern ihre gesamte Kindheit und Jugend der Bildung und Ausbildung. Doch am Ende bekommen sie nur Hilfsjobs oder schlechtbezahlte Praktika. Als Antwort geben viele junge Chinesen auf und verweigern die Leistungsbereitschaft. Sie »liegen flach«, tun nichts, leisten passiven Widerstand. Begründung: All die Mühe habe sowie keinen Zweck.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.