[Anmerkung zu Beginn: Am 23. Januar 2020 lag die offizielle Zahl der in Wuhan/China gemeldeten Fälle bei 495. Dies war der Tag, an dem die Regierung in Peking den Notstand und die völlige Quarantäne für Wuhan erklärt hat. Heute, am Freitag, den 6. Februar, um 7 Uhr morgens, liegt die Zahl der Infizierten in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Institutes bei offiziell 534.]
Der Blick auf die weltweiten Fallzahlen verrät Erstaunliches: Die Zahl der täglich neu festgestellten Coronavirus-Fälle nimmt in China ab. Weltweit steigt diese Zahl aber weiter an.
Die am meisten betroffene Region der Erde ist immer noch die chinesische Provinz Hubei mit ihrer Hauptstadt Wuhan. Dort sind bisher über 67.000 Fälle registriert worden.
Doch an zweiter, dritter und vierter Stelle sind nicht etwa weitere chinesische Provinzen gelistet, sondern die Staaten Südkorea, Italien und Iran.
Das ist äußerst erstaunlich. Hierzu muss man wissen, dass chinesische Provinzen es an Größe und Einwohnerzahlen mit Staaten wie Deutschland oder Frankreich aufnehmen können. Dennoch: Es gibt nur vier weitere Provinzen, wo mehr als 1.000 Fälle registriert wurden: Guandong, Henan, Zhejiang und Hunan. Aber: Es gibt dort stets weniger als 1.500 Fälle pro Provinz! Und in allen anderen Provinzen sind es sogar weniger als 1.000 Fälle pro Provinz. Ähnlich scheint man in Japan, Südkorea, Singapur und Hongkong zu denken.
Das bedeutet im Klartext: China hat nach anfänglichem Chaos die Ausbreitung des Virus mit radikalsten Methoden unter Kontrolle gebracht. Das Ziel der Chinesischen Regierung ist es, die Ausbreitung ganz zu verhindern und den Virus auszurotten. Ähnlich scheint man in Japan, Südkorea, Singapur und Hongkong zu denken.
In Europa scheint man eher die langsamere und behutsamere Methode zu wählen. In Deutschland vertreten Virologen eher die Meinung, dass sich im Laufe der Zeit weite Teile der Bevölkerung sowieso infizieren werden. Man wolle diesen Prozess jedoch hinauszögern.
Damit beschreiten China und Europa zwei verschiedene Wege. China hat dem Virus den totalen Krieg erklärt und damit — vermutlich im allerletzten Moment — eine größere Katastrophe verhindert. Europa agiert dagegen behutsam und bedächtig.
Dabei ist zu bedenken, dass es nach jüngsten Schätzungen wohl erste Mutationen gibt. Dabei soll aus dem erst harmloseren Virus eine gefährlichere Variante entstanden sein, die zu der anfänglich gigantisch hohe Fallzahl und Todesrate in der Provinz Hubei geführt habe. Doch bei der weiteren Verbreitung weltweit scheint wohl die ältere mildere Variante sich häufiger durchgesetzt haben, die sich zwar langsamer, aber dafür unbemerkter verbreite. Die Logik: Wenn das Virus seinen Wirt zu schnell umbringt, kann es sich nicht so stark verbreiten. Diese neuen Erkenntnisse sind allerdings noch in der Schwebe, nicht eindeutig verifiziert. Und weitere Mutationen des Virus kann keiner ausschließen.
Klar ist nur eines: Als die jetzige Fallzahl in Europa vor zwei Monaten in China erreicht war, hat Peking zu den radikalsten Methoden in der Geschichte der Seuchenbekämpfung gegriffen und ganze Millionenstädte und Regionen unter Quarantäne gestellt. In Europa reagiert man behäbiger. Besonnener oder leichtsinniger? Das allein weiß die Zukunft uns zu erzählen.
Über die weitere Verbreitung der Virusinfektion nach offiziellen Zahlen wird live auf einer speziellen Webseite der Johns-Hopkins-University berichtet.


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