Wie Tech-Firmen physische Exemplare kaufen, scannen und entsorgen, um Sprachmodelle zu trainieren

Weltweit werden Millionen Bücher für KI unwiederbringlich vernichtet

Gerichtsdokumente und Recherchen belegen, dass KI-Unternehmen wie Anthropic Millionen gedruckter Bücher erworben, mechanisch zerlegt und nach dem Einscannen entsorgt haben. Dabei wird der Inhalt nicht einmal digital gesichert, sondern nur zum Training der KI-Modelle genutzt.

Bücher im Lager und im Schredder


In den vergangenen Jahren hat sich eine wenig beachtete Praxis in der KI-Branche etabliert: das systematische Aufkaufen, Einscannen und anschließende Vernichten physischer Bücher. Was zunächst wie eine Randnotiz aus Gerichtsakten klang, hat sich zu einem industriellen Prozess entwickelt, der Kulturgut in großem Maßstab betrifft.

Anthropics "Project Panama"

Im Zentrum steht das US-Unternehmen Anthropic, Entwickler des Chatbots "Claude". Interne Dokumente, die im Rahmen eines Urheberrechtsprozesses öffentlich wurden, beschreiben ein Vorhaben unter dem Codenamen "Project Panama". 

Ziel war es, möglichst viele Bücher der Welt destruktiv zu scannen. Das Unternehmen kaufte Millionen gebrauchter Exemplare bei Händlern wie Better World Books und dem britischen World of Books.

Die Bücher wurden mit hydraulischen Schneidemaschinen vom Rücken befreit, die losen Seiten mit Hochgeschwindigkeitsscannern digitalisiert und die Papierreste dem Recycling zugeführt. 

Schätzungen und Gerichtsunterlagen sprechen von rund zwei Millionen vernichteten Bänden allein bei Anthropic. 

Die Aktion kostete das Unternehmen Dutzende Millionen Dollar. Ein interner Planungsdokument formulierte das Ziel klar: "unser Versuch, alle Bücher der Welt destruktiv zu scannen". Gleichzeitig hieß es dort, man wolle nicht, dass dieses Vorgehen bekannt werde.

Rechtliche Grundlage und Gerichtsurteil

Was für uns in Deutschland unvorstellbar ist: Ein US-Bundesrichter stufte das Vorgehen 2025 als "Fair Use" ein. Weil die Bücher legal erworben, nach dem Scannen vernichtet und die digitalen Kopien nicht als Buchersatz weiterverbreitet wurden, galt die Nutzung als transformativ.

Parallel musste Anthropic wegen der Nutzung digitaler Raubkopien aus Schattenbibliotheken wie LibGen einen Vergleich in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar akzeptieren. Die physische Beschaffung und Zerstörung diente somit auch dem Versuch, rechtliche Risiken zu minimieren.

Anhaltende Aufkäufe über Vermittler

Die Praxis ist nicht auf Anthropic beschränkt. Recherchen aus dem Jahr 2026 zeigen, dass weitere KI-Labore und spezialisierte Dienstleister weiterhin in großem Stil gebrauchte und vergriffene Bücher erwerben. 

Plattformen wie ISBNdb bieten Bulk-Bestellungen von bis zu einer Million Titeln an und werben mit strikter Vertraulichkeit. Antiquare in Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen Ländern berichten von nächtlichen Großbestellungen aus dem Ausland, oft über Zwischenhändler wie Zoom Books. 

Viele der georderten Titel sind fachspezifisch, selten oder vergriffen. Händler schätzen allein für Deutschland Hunderttausende Exemplare, weltweit möglicherweise Millionen.

Folgen für den Buchmarkt und das Kulturerbe

Für Antiquariate bedeutet der Trend eine gemischte Lage: Einerseits fließen Einnahmen, andererseits verschwinden Bestände dauerhaft vom Markt. 

Besonders betroffen sind ältere Sach- und Fachbücher sowie vergriffene Ausgaben, von denen nur noch wenige Exemplare existieren. 

Während Bibliotheken und Archive digitale oder physische Kopien bewahren können, geht die physische Verfügbarkeit für private Sammler und den freien Handel verloren. Kritiker sehen darin einen irreversiblen Verlust an materieller Kulturgeschichte.

Die Motivation der KI-Firmen liegt in der Suche nach hochwertigen, vor der Ära generativer Modelle entstandenen Texten. Internetquellen gelten zunehmend als mit KI-generiertem Inhalt kontaminiert. Gedruckte Bücher liefern hingegen redigierte, strukturierte und oft fachlich geprüfte Daten. 

Die destruktive Methode ist dabei schneller und kostengünstiger als schonende Digitalisierungsverfahren, wie sie etwa Google Books früher nutzte.

Entsetzen über die Zerstörung unseres Kulturellen Gedächtnisses

Wie viele seltene oder letzte Exemplare bestimmter Ausgaben vernichtet wurden, ist in den vorliegenden Quellen nicht abschließend quantitativ belegt. Dennoch mahnen Buchhändler und Kulturschützer zur Vorsicht. 

Elon Musk erklärte öffentlich, sein KI-Team solle seltene Bibliotheksbücher nicht auf diese Weise behandeln, sondern schonend scannen. 

Gleichzeitig bleibt die rechtliche Lage in den USA klar: Wer ein Buch besitzt, darf es zerstören.

Die Entwicklung zeigt, wie der Hunger nach Trainingsdaten physische Medien in eine Rohstoffquelle verwandelt. Was als effizienter Digitalisierungsschritt beginnt, endet für Millionen von Büchern in der Papierpresse. 

Das ist ein Skandal historischen Ausmaßes. Denn es geht um die Gefährdung und Vernichtung unseres Kulturellen Gedächtnisses.

Sven von Storch

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Kommentare

Ekkehardt Fritz Beyer

30.07.2026 | 10:30

„Wie Tech-Firmen physische Exemplare kaufen, scannen und entsorgen, um Sprachmodelle zu trainieren“ ...

Tatsächlich Sprachmodelle? 

In der Form, das die Geschichte mit der Vernichtung von Büchern https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/geschichtsgalerien/10-mai-1933-verbrennung-von-buechern-in-deutschland/ ausgelöscht wird – wobei man die KI dafür nutzt, sie neu zu erfinden??????? 

facherfahrener

30.07.2026 | 11:59

Digitale schon, und das ist der einzige Grund für diesen Irrsinn.  Wir entwickeln uns um Jahrhunderte zurück. Demnächst lesen und schreiben bei Todesstrafe verboten - dürfen nur noch

KI - Hörbücher benutzen, und wer noch lesen und Bücher hat wird öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Jetz wird mir auch klar warum die kath.-Kirche so Leise ist.

Ich verstehe die Aufregung nicht.

Bei diesen Büchern kann es sich nur um ganz normale Massenware handeln, Bücher, die massenhaft gedruckt wurden und ebenso massenhaft im Umlauf sind.

Wo ist das Problem, ein solches Buch zu kaufen und zu zerlegen und danach wegzuwerfen?

Es geht hier nicht um unwiederbringliche Werke wie die erste Gutenberg-Bibel oder jahrhundertealte handgeschriebene Bücher.
Seltene und wertvolle Bücher bekommt man nicht online gekauft.

Und offensichtlich hat man erst versucht, digital vorliegende Versionen zu nehmen, aber das hat wohl nicht gut geendet, mit Milliardenstrafen.

Man wird es auch mit der Bibel versuchen !Das gefährliche wahre Wort ,gegen den antichristlichen Geist  ,versucht man schon umzudrehen oder anders auszulegen .Die Lügengeister sind schwer aktiv. Somit eine weitere Gefahr von KI ! ( Und ruckzuck ist der Strom weg !)

Geschriebenes ist immer das beste Zeugnis der Geschichte und Wissen - davor hatte auch Adolf Angst.

Bücherverbrennung also ganz modern. Folge: Sucht man unter Google dann die Fersen aus der Bibel oder des Evangelium - "Die Seite ist nicht vorhanden - ändern sie ihren Suchbegriff"

Genauso wird es kommen, dass wichtige wissenschaftliche o. literarische Werke für Normalos nicht mehr auffindbar werden, da Google, Meta und Kohorten der KI für Verblödung sorgen.  

Man kann also steuern, wer was lesen darf...

Detlef Milkert

31.07.2026 | 06:26

Was gut ist kommt wieder. 

Die NAZIs hatten in Deutschland sehr viele Bücher vernichtet, vornehmlich verbrannt.

Jetzt wird das halt woanders gemacht.

Genauso wie es sich mit den Arbeitsplätzen der Deutschen verhält, die sind halt nicht mehr in Deutschland, die sind woanders.

Die Weltherrschaft, nach der die NAZIs strebten, die ist dann jetzt wohl das Ziel der KI-Firmen, den rechtmäßigen Nachfahren von Adolf Hitler und Co. 
So sind sie halt, die Amis....

Gedruckt = unveränderbar
Digital = manipulierbar

Satanisten hassen die Wahrheit, belügen sich sogar selbst.
Jesus sagte: "Die Wahrheit macht euch frei!"

Erinnern wir uns doch des Films Fahrenheit 451 nach dem Buch von Ray Bradbury, so wird klar, das es nichts Neues gibt unter der Sonne! Nur die Form verändert sich. Die wichtigste geisteswissenschaftliche Erkenntnis und Ideologie liegt in den Katakomben des Vatikans! Unerreichbar für die KI?

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