Bisher war die Wahrscheinlichkeit, dass die Grünen den Kanzler stellen, so gering, dass sie nie einen wirklichen Kandidaten aufstellten.
Doch diesmal ist es anders. Und nicht nur das: Die Grünen sind von einer seltsamen Gewissheit getragen, dass sie tatsächlich diesmal mit hoher Wahrscheinlichkeit den Kanzler stellen werden.
Dieser Chance so gewiss, war Robert Habeck am Ende entsprechend enttäuscht. Wie er selbst sagte: »Nichts wollte ich mehr, als dieser Republik als Kanzler zu dienen«. Wäre die Kanzlerschaft ein irrationales Ziel, wäre seine Enttäuschung nicht so deutlich ausgefallen. Doch er hatte sich wohl schon tatsächlich als Bundeskanzler gesehen.
Hinzu kommt die seltsame Forsa-Umfrage, nach welcher, zumindest für kurze Zeit, die Grünen angeblich stärkste Partei sein sollen. Dies hat sofort deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. Und diese Schlagzeilen haben den Grünen genutzt.
Vorangegangen waren zwei Entscheidungen: Die der Grünen für Annalena Barbock und die der Union für Armin Laschet. Die Union hat sich völlig irrational ins eigene Fleisch geschnitten und entgegen aller Umfragen in allen Bundesländern gegen den sehr viel aussichtsreicheren Kandidaten Markus Söder entschieden. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Union gar nicht mehr das Kanzleramt anstrebt, sondern das Amt von Merkel direkt an Baerbock weitergeben will. Anders lässt sich die strategische (Fehl?-)Entscheidung des CDU-Vorstandes nicht erklären.
Eine grüne Kanzlerin ist also realistischer denn je. Und es hat den Anschein, als ob das Merkel gefällt.


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