Zunächst die grundlegende Frage: Warum ist das kleine Emirat Katar überhaupt so wichtig, das es eine internationale Krise auslösen kann? Die Antwort ist folgende: Mitten im Persischen Golf, vor der Küste von Katar, liegt das mit Abstand größte Erdgasfeld der Welt. Es handelt sich um das "South Pars-" bzw. "Noth-Dome"-Gasfeld mit 35 Billionen Kubikmeter Erdgas. Da es mangels Pipelines nach Europa nicht direkt transportiert werden kann, wird es in riesigen Anlagen in Flüssiggas (LNG) verwandelt und dann mittels Tankschiffe exportiert. In einer Zeit, in der die westliche Welt sich von russischem Erdgas unabhängiger machen möchte, ist Katar mit seinem Erdgas zu einem Schlüsselstaat geworden.
Im Gegensatz zu Saudi-Arabien hat Katar mit nur rund zwei Millionen Einwohnern wenig Menschen zu versorgen. Da bleibt viel Geld für politische Einflussnahme. Die Scheichs von Katar sind seit Jahren auf großer Einkaufstour und beteiligen sich an zahlreichen westlichen Unternehmen. Außerdem unterhält Katar den großen Sender Al-Jazeera, der die politische Meinung in der arabischen Welt maßgeblich mitbestimmt. Über private Kanäle flossen auch Gelder an islamistische Terrororganisationen.
Doch auch aus anderen Golfstaaten flossen Gelder an Terrororganisationen. Der Hauptgrund ist aber, dass Katar sich nicht als williger Erfüllungsgehilfe im Bündnis gegen den Iran einspannen lassen will, sondern eigene Wege geht. Nach dem Staatsbesuch Donald Trumps in Saudi-Arabien und anschließend in Israel sowie nach den Unterzeichnungen neuer Waffendeals zwischen Saudi-Arabien und den USA ist die neue Marschrichtung klar: Man will den Druck auf den Iran erhöhen! Da darf niemand aus der Reihe tanzen.
Um den Druck auf Katar und dessen Emir zu erhöhen, haben Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten nun eine Terrorliste veröffentlicht, die mutmaßliche Verbindungen zwischen Katar und Terroristen offenlegen soll (siehe Berichte auf Spiegel-Online und Welt-Online).


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