Es geht keine Ära zu Ende, nur ein kurzes Intermezzo. Andrea Nahles tritt als Partei-Chefin der SPD zurück. Nicht nur das! Sie will sich sogar ganz aus der Politik zurückziehen. Sie gibt sich geschlagen, voll und ganz. Fast schon könnte man Mitleid mit ihr haben. Doch der Niedergang der SPD ist nicht allein ihre Schuld. Die komplette Spitzen-Mannschaft der Sozialdemokraten hat die Partei zerlegt: Martin Schulz, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz und viele andere. Die SPD ist eigentlich schon seit dem Ende der Schröder-Ära in einem einzigen Schrumpfungsprozess begriffen.
Es gibt mehrere Dinge, die der SPD in den letzten Jahren massiv geschadet haben. Zum einen war es die Loslösung von alten sozialdemokratischen Werten und Zielen. Die SPD ist nicht mehr die Arbeiterpartei. Das hatte sie unter Gerhard Schröder mit der Hartz-IV-Gesetzgebung bewiesen. Rot-Grün hatte damals die harte Wende gebracht. Die SPD hat sozusagen die Arbeit der CDU und FDP vollbracht. Das kam beim eigenen Klientel nicht an. Die Folge: Oskar Lafontaine streikte, WASG wurde gebildet, Die Linke hat der SPD die Wähler und Anhänger weggenommen.
In der großen Koalition mit der Union unter Angela Merkel ging es mit der SPD weiter bergab. Die SPD wurde für Fehler der Koalition abgestraft, die eigentlich genauso gut hätten Angela Merkel treffen müssen. Je länger die SPD an der Seite von Merkel mitregierte, desto mehr liefen ihr die Wähler davon, so wie zuvor der FDP.
Zum Schluss fehlte der SPD jedwedes inhaltliche Profil. Das soziale Profil hat die Linkspartei ihr streitig gemacht. Das Öko-Profil und die Multikulti-Themen werden von den Grünen dominiert. Wer hohe Steuern fürchtet, neigt zur FDP. Wer sich um Recht und Sicherheit im Lande sorgt, die Werte erhalten will und die Masseneinwanderung eindämmen will, dem bleibt nur die AfD. Und die CDU/CSU hat Merkel. Die SPD hat nichts mehr, das sie den Wählern bieten kann.
Nahles geht nun. Was bleibt, ist die Erinnerung an derbe Wahlkampfsprüche. Andrea Nahles hat es nicht geschafft, der Partei ein neues Profil zu geben.
Darum heißt es: Tschüss, Frau Nahles!


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