Rio de Janeiro: Wenn der Staat sich zurückzieht und das Verbrechen das Territorium übernimmt

Rio brennt – und Europa folgt

Die Gewalt in Brasiliens Favelas ist das Spiegelbild einer globalen Entwicklung: Die Entmachtung des Bürgers durch Angst, Kontrolle und Ideologie.

Brasilien Rio de Janeiro

Die Gewalt in Brasiliens Favelas ist das Spiegelbild einer globalen Entwicklung: Die Entmachtung des Bürgers durch Angst, Kontrolle und Ideologie. Rio de Janeiro zeigt: Wenn der Staat sich zurückzieht übernimmt das Verbrechen das Territorium.

Fakten: Die Operation und ihre Zahlen

Zwischen dem 27. und 29. Oktober 2025 erlebte Rio de Janeiro eine der größten Polizeiaktionen seiner jüngeren Geschichte. 
Etwa 2.500 Polizisten aus Zivil- und Militärpolizei beteiligten sich an einer Großoffensive gegen das Comando Vermelho, die größte Verbrecherorganisation der Stadt. Ziel war es, deren territoriale Ausbreitung in den Komplexen Penha und Alemão zu stoppen.

Nach Angaben der staatlichen Ombudsstelle kamen 132 Menschen ums Leben – 126 Kriminelle, vier Polizisten und zwei Zivilisten. 

Die Operation, bei der über 100 Haftbefehle vollstreckt werden sollten – darunter 30 gegen Kriminelle aus anderen Bundesstaaten –, brachte illegale Waffenfabriken und den Einsatz von Drohnen mit Sprengsätzen durch die Banden ans Licht.
Der Gouverneur Cláudio Castro erklärte, dass der Bundesstaat ohne Unterstützung der Bundesregierung gehandelt habe, nachdem wiederholte Hilfegesuche – darunter auch der Antrag auf gepanzerte Fahrzeuge der Marine – abgelehnt worden waren.  

In Brasília reagierte Justizminister Ricardo Lewandowski, indem er behauptete, nicht über die Operation informiert worden zu sein, und erklärte, Präsident Lula sei „entsetzt“ über die Zahl der Toten.  

Doch der Direktor der Bundespolizei (Polícia Federal), Andrei Rodrigues, widersprach seinem Vorgesetzten öffentlich: 
Er bestätigte, dass es Absprachen zwischen der Polizei von Rio de Janeiro und der Bundespolizei gegeben habe.  Die Bundespolizei habe sich lediglich entschieden, nicht teilzunehmen, da die Operation nicht ihrem üblichen Vorgehen entspreche. Diese Aussage stellt Lewandowski direkt bloß, denn der Bundespolizeichef untersteht unmittelbar dem Justizminister.

Reaktionen der Presse

In der Sendung Oeste sem Filtro („Der ungefilterte Westen“) diskutierten die Journalisten Adalberto Piotto, Ana Paula Henkel, Augusto Nunes und Carlo Cauti die Vorgänge. Alle sind bekannte konservative Stimmen in der brasilianischen Medienlandschaft.

– Adalberto Piotto, erfahrener Journalist und Moderator der konservativen Revista Oeste, sprach von einer „Schande“ für die Bundesregierung, die den Bundesstaat im Stich gelassen und über Jahre die Ausbreitung des organisierten Verbrechens tatenlos hingenommen habe.

– Carlo Cauti, italienisch-brasilianischer Wirtschaftsjournalist, verglich die Lage mit terroristischen Organisationen: Das Comando Vermelho habe einen Staat im Staat geschaffen, der Bewohner erpresse, Ausgangssperren verhänge und den Handel mit Gas, Internet und Lebensmitteln kontrolliere. 

– Ana Paula Henkel, ehemalige Olympiateilnehmerin und heute konservative Kolumnistin in den USA, kritisierte die fehlende Fachkompetenz des Justizministers und stellte die Frage, warum Lulas Regierung die Drogenkartelle nicht als Terrororganisationen einstuft. 

– Augusto Nunes, einer der angesehensten politischen Journalisten Brasiliens, betonte, dass die Verweigerung von Panzerfahrzeugen und das Ausbleiben einer „Garantia da Lei e da Ordem“ (Militäreinsatz zur Wiederherstellung der Ordnung) einen Mangel an staatlicher Autorität offenbaren, während Hunderttausende Einwohner in den Favelas zu Geiseln der Banden werden.

Rodrigo Pimentel: Der Zusammenbruch der Souveränität

Der ehemalige Hauptmann des Batalhão de Operações Policiais Especiais (BOPE) – der brasilianischen Spezialeinheit für urbane Einsätze – und Sicherheitsexperte Rodrigo Pimentel, bekannt als Co-Autor von Tropa de Elite, erklärte im Interview mit CNN-Anchorman William Waack, Brasilien befinde sich heute in einem „nicht-internationalen bewaffneten Konflikt“.

Das Comando Vermelho, so Pimentel, lebe nicht mehr primär vom Drogenhandel, sondern von der territorialen Ausbeutung: Schutzgelderpressung, überteuertes Gas, illegale Internetdienste, Zwangsabgaben an Ladenbesitzer.

Laut einer Studie der Universidade Federal Fluminense leben vier Millionen Menschen in Rio hinter Barrikaden, die BOPE-Einheiten wöchentlich zu Hunderten räumen. 

Jede Barrikade, erklärt Pimentel, markiere ein „Feudum des Verbrechens“, in dem staatliche Dienstleistungen nicht mehr existieren – keine Müllabfuhr, kein öffentlicher Verkehr, kein freier Zugang.

„Das ist das Ende der nationalen Souveränität. Eine Polizeirazzia ist schlimm – aber noch schlimmer ist die Barrikade vor deiner Haustür.“

Zwei Ordnungen im Konflikt

Die Ereignisse offenbaren den Zerfall staatlicher Autorität in urbanen Gebieten. 

Politisch zeigen sie die Weigerung der Bundesregierung, das organisierte Verbrechen als nationale Bedrohung anzuerkennen. 
Symbolisch markieren sie den Verlust der Bürgersouveränität: Das Recht auf Sicherheit, Mobilität und staatlichen Schutz hängt heute davon ab, wer das Territorium kontrolliert.

Was früher eine Auseinandersetzung zwischen Polizei und Kriminellen war, ist nun ein Kampf zwischen Staat und Para-Staat. 
Der brasilianische Bürger, einst Träger der öffentlichen Ordnung, ist heute Flüchtling im eigenen Land – Opfer eines „städtischen Exodus“, wie Pimentel es nennt, einer Fluchtbewegung vor einer Gewalt, die das Strafgesetzbuch nicht einmal eindeutig fassen kann.

Schlussreflexion: Brasilien und Europa im selben Spiegel

Der Verlust staatlicher Souveränität in Rio de Janeiro ist kein isoliertes Phänomen. 

Er spiegelt den weltweiten Prozess wider, in dem Bürgersouveränität schrittweise durch technokratische Kontrolle ersetzt wird – sei es im Namen der Sicherheit, des Klimas oder der sozialen Gleichheit.

Der deutsche Finanzanalyst und Bestsellerautor Dirk Müller warnte kürzlich vor der „Degrowth-Agenda“ innerhalb der Europäischen Union – einer Bewegung, die unter dem Schlagwort „Nachhaltigkeit“ für eine politisch geplante Schrumpfung von Produktion, Konsum und Eigentum eintritt.  

Er zitiert offizielle EU-Studien, die persönliche CO₂-Zertifikate, Energiequoten und digitale Überwachung des individuellen Verbrauchs vorsehen – Maßnahmen, die laut Müller zu einer materiellen Begrenzung der menschlichen Freiheit führen würden. 
„Wir sind zurück in der Steinzeit“, sagt Müller – eine Warnung vor einer Zukunft, in der der Mensch nicht mehr Eigentümer seines Lebens, sondern Objekt einer ökologischen Planwirtschaft ist.

Was den Bürger in Rio und den Bürger in Deutschland verbindet, ist derselbe Verlust: 
– der Verlust der Selbstbestimmung, 
– die Konzentration der Macht in intransparenten Strukturen, 
– und die Auflösung der Souveränität als moralisches und politisches Prinzip.

In Brasilien wird die Ordnung von unten durch bewaffnete Gruppen zerstört. 

In Europa wird sie von oben durch supranationale Bürokratien ausgehöhlt. 

In beiden Fällen bleibt das Ergebnis dasselbe: Der freie Mensch wird zum Untertan eines Systems, das ihn überwacht, begrenzt und entwaffnet – sei es mit Gewehren oder mit CO₂-Zertifikaten.

Sven von Storch

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Kommentare

Die Unterstellung bürgerlicher Rechte und Freiheiten einer machtgeilen Clique, wie wir sie derzeit in unserer Regierung und der EU-Regierung in Brüssel wahrnehmen, erleben noch eine Steigerung ihres Wahns durch die Anwendung von KI zur Durchsetzung von Kontrolle bis zum Klo. Die Digitalisierung - Abschaffung der Bargeldzahlungen und des Besitzes von Bargeld, die missbräuchliche Anwendung der ePA, die flächendeckende internetfähigen Smartmeter, um uns den Strom zuzuteilen, die verpflichtende Ausrüstung mobiler privater Fahrzeuge mit elektronischen Tracker und vieles mehr...zeigen schon die Richtung wo es hingeht. Die elektronische Fußfessel haben wir längts - unser Handy, die modernen TV-Geräte mit Internetanschluss, Smartwatch - verpflichtende Standortfreigaben, die IP-Nummer ist die Personen-Identifikation, jeder Aufenthalt ermittelbar, auch wenn abgeschaltet, man weiß womit wir uns beschäftigen, wo wir hingehen... smarte Haushaltsgeräte, digitaler Einkauf verraten unsere Lebensgewohnheiten und kleinen Verfehlungen. Das alles sind wahrlich keine Zufallsentwicklungen der Tech-Branchen allein wegen des Marktes - hier läuft eine Strategie, dem sich der eigentliche Staat unterwerfen soll. Im Hintergrund sitzen die Finanzimperien, um wiederum per KI zu errechnen, wie viel man dem Bürger lassen kann, damit er noch für das globale Kartell schuften kann.

So weit muss man gar nicht schauen. Ein Blick schon vor 20 Jahre nach Molenbeek in Belgien hätte gereicht, um zu sehen, wie die Zukunft der europäischen Städte aussehen wird.

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