Kulturrevolutionen sind Ausdruck des Totalitarismus

Nur totalitäre Ideologien zerstören historische Denkmäler

Wer die Geschichte beherrscht, beherrscht die Gegenwart. Und wer die Gegenwart beherrscht, bestimmt die Zukunft. Nur totalitäre Ideologien maßen sich die Deutungshoheit über Vergangenheit und Zukunft an. Ein Kommentar.

Die Welt erschrak über die Kulturrevolution in China, als die Maoisten buddhistische Tempel zerstörten, Bibliotheken verbrannten und Intellektuelle auf das Land zur Feldarbeit verbannten. Ebenso erschreckend wirkten auf die Weltöffentlichkeit die Bilderstürme islamischer Fundamentalisten, als die Taliban in Afghanistan riesige Monumente von Buddha sprengten oder Terroristen des selbsternannten »Islamischen Staats« (IS/ISIS/DEASH) in Syrien und im Irak archäologische Stätten schändeten, Denkmäler und antike Bauten sprengten.

Unter Lenin und Stalin wurden in der UdSSR Kirchen zerstört, Denkmäler und Monumente aus der Zarenzeit entfernt. Die Nationalsozialisten in Deutschland haben Bücher verbrannt und historische Bauten (zum Beispiel alte Synagogen) geschändet und zerstört.

Der radikale Ikonoklasmus ist Zeichen für eine Zeit des Umbruchs, in der eine totalitäre und autoritäre Ideologie mit der Vergangenheit brechen und der Gesellschaft eine neues Weltbild und eine neue Identität aufzwingen möchte. Es ist ein radikaler Akt, der die Würde der Menschen verletzt.

Jede Gesellschaft hat ihr kollektives und kulturelles Gedächtnis, das in Form von Monumenten, Denkmälern, Tugenden, Schriften, Büchern, Bildungsformen, Festen, Ritualen und Traditionen gepflegt wird. Diese Elemente geben der Gesellschaft Ziel und Richtung. Sie dienen der Sinnstiftung. Ohne Sinngebung verliert sich die Gesellschaft in Beliebigkeit.

Menschen haben zumeist die Neigung, historisch gewachsenen Traditionen zu folgen. Die Weitergabe über Generationen hat etwas Organisches. Veränderungen finden immer nur in kleinen Dosierungen statt. Das gibt den Menschen Halt und Orientierung, wichtig für die Werte, die man miteinander teilt.

Doch wer sich anmaßt, die Deutungshoheit über die Geschichte und Gegenwart zu haben, kollektive Erinnerungen auslöschen will, der Gesellschaft eine einheitliche Vision für die Zukunft zu geben, der handelt zutiefst autoritär und vor allem totalitär. Hier ist kein Raum für Vielfalt und Freiheit, nur für Uniformität und Gleichschritt, wie in der Deutschen Demokratischen Republik, die nie wirklich demokratisch war.

Demokratische Reformer, die die Freiheit achten und die Geschichte respektieren, würden einfach neue Denkmäler errichten und somit neue Akzente setzen. Doch wer Denkmäler, die die Werte der Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit widerspiegeln, einfach nur zerstören will, beweist, dass er kein wirklicher Demokrat ist, sondern Anderen seine Weltsicht aufzwingen will. Zerstörung hat immer etwas Despotisches. Und Despoten waren noch nie Demokraten.

Sven von Storch

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