Arbeitszeit soll an Lebenserwartung gekoppelt werden

Merz will, dass wir länger arbeiten

Je älter die Menschen werden, desto länger sollen sie arbeiten. Das meint Friedrich Merz. Professoren dürfen sich freuen, weil sie sowieso nicht lassen können, über ihre Themen zu reden. Handwerker mit kaputtem Rücken dürften diesen Vorschlag ablehnen. Irgendwann ist Schluss.

Für manche Akademiker, die Spaß daran haben sich als Universitätsangestellte ihren Forschungsschwerpunkten zu widmen, dürfte eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit kein Problem sein. Viele Professoren lassen sich sowieso nur ungern emeritieren und halten auch als Senioren ihre Vorträge und Vorlesungen. Auch so manche Politiker können nicht von ihrer Macht lassen. Und so mancher Selbständiger hat sowieso keine Wahl, weil er um seinen Betrieb fürchtet oder keinen Nachfolger findet.

Aber das Gros der arbeitenden Bevölkerung, von der Kassiererin im Supermarkt über den Bauarbeiter im Straßenbau bis zur Pflegekraft im Altenheim, lehnt eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ab. Sie können nach einem langen Arbeitsleben einfach nicht mehr. Sie sind erschöpft.

Es ist ein Unterschied, ob man seinen beruflichen Traum lebt, wie eine Minderheit der Gesellschaft, oder ob man sich Jahr für Jahr durch einen Job quält, um die Familie zu ernähren, wie die Mehrheit der Bürger es tun muss.

Von daher dürfte der jüngste Vorschlag von Friedrich Merz [siehe Bericht »Focus«], die Lebensarbeitszeit zumindest teilweise an die steigende Lebenserwartung zu koppeln, bei den meisten Menschen auf Ablehnung stoßen. Details seiner Pläne nannte er noch nicht. Er sei gegen die Festlegung eines Alters bei 67 oder gar 70. Aber eine flexible Verlängerung sei denkbar, so sein Vorstoß.

Vielen Bürgern ist klar, dass Geld schon vorhanden wäre, wenn es nicht anderweitig verwendet würde. Die Deutschen gehören zu den Europäern mit einem späteren Renteneintritt und relativ niedrigen Renten. 

Sven von Storch

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