Und wieder ruft uns ein NATO-Manöver ins Gedächtnis, dass Deutschland auch nach dem Kalten Krieg immer noch ein Atomwaffenland ist. Denn die Tornados der Luftwaffe sollen im Ernstfall Atombomben des Typs B61 zum Ziel tragen [siehe Bericht »n-tv«].
Zurzeit übt die Bundeswehr mit den NATO-Partnern im sogenannten »Steadfast Noon«-Manöver den Ernstfall eines Atomkriegs. Teil der Manöver-Aufgaben ist es, die US-Atombomben aus den unterirdischen Magazinen zu holen, zu den Tornados zu bringen und dann dort zu montieren. Damit sind die deutschen Piloten in der Lage Atomwaffen in ein anderes Land zu tragen. Zum Beispiel Russland? Die wissen Bescheid. Deshalb sind die taktischen Atomwaffen der Russen in Kaliningrad unter anderem auch auf die Pfalz gerichtet, wo die US-Amerikaner ihren großen Stützpunkt mit Atomwaffen haben.
Es ist also wie im Kalten Krieg: Im Ernstfall darf Deutschland damit rechnen, als erstes von der Landkarte zu verschwinden. Dabei sollten die US-Atomwaffen längst aus Deutschland verschwunden sein, wenn es nach dem Willen der deutschen Bevölkerung, des Bundestages und des damaligen Auswärtigen Amtes gegangen wäre.
Das frustrierende an der ganzen Geschichte ist, dass die Bundesregierung vor neun Jahren den Ausstieg aus der friedlichen zivilen Atomenergie beschlossen hatte, weil angeblich die Sicherheitsgefährdung zu hoch sei, gleichzeitig aber der versprochene Abzug der Atomwaffen nicht umgesetzt wurde – und das, obwohl die damalige CDU/FDP-Koalition dies dem Wähler versprochen hatte und obwohl es sogar im Koalitionsvertrag geschrieben war und obwohl der Bundestag 2010 fraktionsübergreifend beschlossen hatte, die Amerikaner zum Abzug der Atomwaffen zu bewegen.
Jedenfalls war es unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich, die den besorgten Amerikanern gegenüber nachgab und sich somit über die Linie des Außenministeriums von Guido Westerwelle hinweggesetzt hatte [siehe Bericht des ISSB in der »Freie Welt«].
Und nun proben unsere Soldaten den Atomkrieg. Merkel sei Dank.


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