Deutschland hat schon immer Erdgas aus Russland bezogen. Das war sogar während des Kalten Krieges so. Mochten die Spannungen zwischen Ost und West auch noch so groß, die ideologischen Gegensätze auch noch so gewaltig und die Grenzen auch noch so aufgerüstet sein: Das Gas aus Russland kam immer pünktlich aus Russland in der Bundesrepublik an.
Und jetzt? Jetzt soll verhindert werden, dass das Projekt der Pipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland vollendet wird, um die überlastete Pipeline Nord Stream 1 zu entlasten und mehr Gas nach Mitteleuropa zu bringen. Für beide Seiten wäre die Pipeline ein Gewinn geworden.
Doch Polen, die Ukraine und die USA sind davon nicht begeistert. Die USA wollen keine engen wirtschaftlichen Partnerschaften zwischen der Russischen Föderation und Deutschland aufkommen lassen, weil Wladimir Putin ein strategischer Gegner ist und als Gefahr inszeniert wird. Polen und die Ukraine mögen das Projekt nicht, weil sie aus historischen Gründen skeptisch gegenüber Moskau sind.
Doch sollte diese Beweggründe Deutschland und andere europäische Länder daran hindern, vom günstigen russischen Erdgas zu profitieren?
Ausgerechnet Frankreich wird wohl jetzt Deutschland in den Rücken fallen. Wenn am Freitag in Brüssel über Nord Stream 2 abgestimmt wird, will Macron, dass Frankreich dagegen stimmt [siehe Berichte »n-tv«, »FAZ.net«]. Macron lässt die Deutschen in einer solch wichtigen wirtschaftlichen Frage in Stich? In anderen Fragen scheinen Macron und Merkel stets einer Meinung zu sein. Aber Macron geht es nicht darum, dass Deutschland erfolgreich wirtschaftet, sondern um sein ideologisches Ziel, die EU voranzubringen.


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