Lobbygeschäfte bei steuerfinazierten Veranstaltungen

Lobbygeschäfte am Tegernsee? Weimers Firma nutzte Staatsempfang für Vermarktung

Bayerische Staatsregierung unterstützte wohl jahrelang ein kommerzielles Netzwerk-Event des heutigen Kulturstaatsministers.

Wolfram Weimer


Die Weimer Media Group verkaufte teure Sponsorenpakete mit implizitem Zugang zu hochrangigen Politikern. Einem Bericht von Appolo-News zufolge zeigen neue Unterlagen, wie stark der Freistaat Bayern in dieses Modell eingebunden war – bis Markus Söder die Konsequenzen zog.

Hintergrund der Enthüllungen

Der Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee galt lange als exklusives Treffen von Wirtschaft, Politik und Medien. Veranstaltet wurde er von der Weimer Media Group, die Wolfram Weimer gemeinsam mit seiner Frau führte. Nach Weimers Ernennung zum Kulturstaatsminister im Mai 2025 geriet das Geschäftsmodell in die Kritik. Die Firma bot Unternehmen gegen hohe Beträge nicht nur Teilnahme, sondern auch besondere Vernetzungsmöglichkeiten mit Entscheidungsträgern. 

Staatsempfang als Verkaufsargument

Die bayerische Staatsregierung richtete in den Jahren 2022 bis 2025 beim Gipfel einen offiziellen Staatsempfang aus, bei dem Ministerpräsident Markus Söder als Schirmherr auftrat. Die Weimer Media Group warb in Broschüren explizit mit diesem Empfang als Höhepunkt und betonte exklusive Gespräche auf hohem Niveau. Zugang gab es nur auf gesonderte Einladung. 

Gerichtliche Unterlagen, die Apollo News durchsetzen konnte, sollen einen klaren Zusammenhang belegen: Viele Gäste des Staatsempfangs 2025 kamen von Unternehmen, die hohe Sponsorenpakete (bis zu 80.000 Euro oder mehr) gebucht hatten. Top-Sponsoren wie Audi, Sanofi, British American Tobacco oder die vbw waren mit mehreren Vertretern vertreten. Normale Ticketkäufer hingegen blieben in der Regel ausgeschlossen. 

Söders Rückzug und Folgen

Nach den Berichten über offensive Vermarktung von Politiker-Kontakten strich Söder im Januar 2026 jede staatliche Unterstützung für den Gipfel 2026. Es gibt weder Schirmherrschaft noch Staatsempfang. Weimer hatte sich bereits zuvor aus der operativen Leitung zurückgezogen und seine Anteile treuhänderisch übertragen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. 

Die Affäre löste breite Debatten aus. Oppositionsparteien forderten Aufklärung, und es gab Rufe nach einem Untersuchungsausschuss. Die Weimer Media Group wies Vorwürfe des Verkaufs von Einfluss zurück und betonte die Legitimität von Kongressformaten.

Der Fall zeigt Spannungen zwischen privaten Veranstaltungsformaten und staatlicher Beteiligung. Was als Plattform für Austausch begann, wurde zumindest teilweise zu einem kommerziellen Produkt. Die bayerische Staatskanzlei räumte ein, dass der Großteil der Gästeliste vom Veranstalter stammte. Ob weitere Konsequenzen folgen, bleibt abzuwarten. Der Ludwig-Erhard-Gipfel soll dennoch weiter stattfinden – ohne direkte bayerische Unterstützung.

Sven von Storch

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