In der NDR-Sendung DAS! warnt der SPD-Politiker und ehemaliger Hamburger Oberbürgermeister Klaus von Dohnanyi vor einer Verharmlosung der Kriegsgefahr für Europa und die Welt. Er habe das Gefühl, dass gerade junge Menschen sich nicht mehr vorstellen können, wie Krieg wirklich sei. Er könne sich noch sehr gut an die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs erinnern.
Deutschland müsse aufpassen, nicht in den Krieg in der Ukraine hineingezogen zu werden. Dhonanyi erklärt: »Sehr schnell kann es sein, dass man durch einen kleinen Fehler eine Situation schafft, die dann sich verselbständigt und aus der man dann auch schwer herauskommt.«
Bereits in seinem Buch habe Dhonanyi gewarnt, dass wenn die Ukraine weiter in die NATO getrieben werde, wie es den US-Interessen entspricht, dann könne es einen Krieg an den Ostgrenzen Europas geben. Jetzt sei seine Warnung eingetreten. Die US-Geheimdienste hätten das gewusst und dies auch explizit ausgedrückt. Dennoch hat man sehenden Auges die Ukraine weiter an die NATO herangezogen. Nun sehe man die Folgen, nämlich Krieg.
Biden hätte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine einlenken und das Gespräch mit Putin über den zukünftigen Status der Ukraine suchen müssen. Doch Biden habe dies ausdrücklich verweigert.
Auch kurz davor gab es noch Möglichkeiten einzulenken: Noch im September 2021 hatte Putin an die USA geschrieben, dass er eine schriftliche Bestätigung von den USA fordere, wie der Status der Ukraine gestaltet werden solle. Doch auch da waren die USA nicht darauf eingegangen. Es gab also mehrere Möglichkeiten seitens der USA, die Eskalation noch zu stoppen. Doch sie taten es nicht. Biden verweigerte die Verhandlungen.
Damals hätte es eine kritische und deutliche Reaktion der deutschen Regierung geben müssen. Doch die Bundesregierung hielt still und fügte sich den Amerikanern.
Auf die provokative Frage, was Dhonanyi von dem Begriff »Putinversteher« halte, erklärte er: »Wenn man seinen Gegner nicht versteht, kann man auch nicht mit ihm umgehen.« Dhonanyi hält den Begriff »Putinversteher« für »Quatsch«.
Dhonanyi erklärt, dass die NATO und Deutschland natürlich auch militärisch gerüstet und wach bleiben müssten. Aber man müsse auch verstehen, wie die Amerikaner ticken. Er habe früher selbst NATO-Übungen, die er im Auftrag von Helmut Schmidt beaufsichtigen musste, erlebt und gesehen, wie die Amerikaner eine Verteidigung Deutschlands planten: Im Falle eines Vorrückens sowjetischer Panzer auf deutschen Boden hätten die USA Atombomben auf Deutschland geworfen, um die Russen aufzuhalten. (Anmerkung der Redaktion: Das gleiche erwähnte Willy Wimmer, der mit Helmut Kohl einer solchen Übung beiwohnte. Kohl und Wimmer seien über diese US-Strategie empört gewesen).
Besonders besorgniserregend findet Dhonanyi, dass die diplomatischen Gespräche zwischen den USA und Russland abgebrochen seien. Doch jetzt müsse ununterbrochen verhandelt und geredet werden. Die USA machen dies nicht.


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