Im »Tagesspiegel« wird Jens Spahn als »Merkel-Kritiker und zugleich Hoffnungsträger der CDU« bezeichnet. In einer Kolumne darf er dort gleich seine Vision von der bürgerlichen Mitte aufzeichnen.
In diesen Tagen durfte Jens Spahn bereits nach Washington reisen [siehe Bericht »Welt-Online«]. Als Gesundheitsminister? Warum haben die Amerikaner gerade jetzt so großes Interesse an ihm? Getroffen hat er unter anderen den Nationalen Sicherheitsberater. Offiziell ging es um die Frage biologischer Massenvernichtungswaffen. Doch irgendwie war dieser Besuch wohl für alle sehr »überraschend«. Sehen die Amerikaner in ihm einen möglichen Merkel-Nachfolger? Und wollen sie ihn gleich einnorden, so wie sie es damals mit dem potentiellen (aber am Ende über sich selbst gestolperten) Kandidaten Karl-Theodor zu Guttenberg gemacht haben?
Auch andere Medien sehen in der Reise Spahns in die USA mehr als nur einen Arbeitsbesuch und vermuten, dass Washington dem potentiellen Merkel-Nachfolger auf den Zahn fühlen will.
Doch was taugt Jens Spahn als möglicher Kanzler-Kandidat? Der junge Politiker hat als Gesundheitsminister durchaus lobbyistische Qualitäten gezeigt. Zuletzt fiel er dadurch auf, dass er alle Bürger zu Organspendern machen will.
Zur Mainstream-Presse hat er gute Beziehungen: Seit 2013 ist Spahn mit seinem Lebensgefährten, dem Journalisten und Leiter des Berliner Hauptstadtbüros der Zeitschrift »Bunte«, Daniel Funke, katholisch liiert. Parteipolitisch wird er von der CDU dennoch dem konservativen Flügel zugeordnet.
Dass er sich nun als Rebell gegen Merkel inszeniert, kommt nicht ganz glaubwürdig herüber. Denn nur dank ihr ist er als junger Minister in die Regierung gekommen. Es ist nun abzuwarten, wie er sich geben und wie die Presse ihn in den nächsten Wochen darstellen wird.


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