Der Krieg sei vorbei, verkündeten die Sprecher der Taliban, als sie Kabul einnahmen. Und sie versicherten dem Westen den Abzug der Ortskräfte und westlicher Bürger über den Flughafen von Kabul. Ganz getraut hat den Taliban niemand, da viele Untergruppen ihre eigenen Wege zu gehen scheinen und bereits mit Todeslisten durch die afghanische Hauptstadt schwadronieren.
Doch der blutige Doppel-Anschlag mit zwei Selbtmord-Attentätern und mehreren Tätern mit Maschinengewehren am Donnerstag in Kabul geht auf das Konto eines Ablegers des »Islamischen Staates (IS)«. Die radikal-sunnitische »Khorasan-Gruppe« kämpft für ein islamisches Großreich, das der gleichnamigen historischen Region in Zentralasien im Gebiet der heutigen Staaten Afghanistan, Iran, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan entsprichen soll. Sie sind Konkurrenten und Gegner der Taliban und Verfolger schiitischer Minderheiten. In Afghanistan halten sie sich meist in den hohen Bergen der Ostregion versteckt und haben enge Verbindungen zum IS in Irak und Syrien.
Bei dem Anschlag sind mindestens 85 Menschen getötet worden. 13 davon seien US-Soldaten, meldet Washington. 28 sollen Taliban gewesen sein, heißt es aus Kabul. Der Rest seien hauptsächlich afghanische Zivilisten. Die Zahl der Verletzten wird noch höher eingeschätzt.
Damit wird den Amerikanern eine grausame Botschaft hinterhergeschickt: Die Amerikaner haben nicht nur den Kampf um Afghanistan verloren, sondern auch ihren Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Die Terrorgruppen in Afghanistan agieren und operieren weiter wie bisher.


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