Unser Verzicht wird international verpuffen

In der Dritten Welt steigen Staaten neu in die Kohlekraft ein

Mehre europäische Staaten, darunter Deutschland, planen dem Klimaschutz zuliebe den Ausstieg aus der Kohlekraft. Andere Staaten, darunter die einwohnerreichen Länder Ägypten, Bangladesch und Pakistan, planen gerade erst den Einstieg. Und Indien will die Kohlekraft ausbauen.

Um mehr Strom zu produzieren, planen Staaten wie Ägypten (fast 100 Millionen Einwohner), Pakistan (216 Millionen Einwohner) und Bangladesch (165 Millionen Einwohner) den Einstieg in die Kohlekraft zur Stromerzeugung [siehe Berichte »Welt« und Printausgabe der »Welt am Sonntag«].

In Indien (1,3 Milliarden(!) Einwohner), der Türkei (82 Millionen Einwohner) und Indonesien (265 Millionen Einwohner) wird die bereits bestehende Kohlekraft ausgebaut. Ebenso in Vietnam (95 Millionen Einwohner).

China (1,4 Milliarden Einwohner) setzt zwar auf Modernisierung und alternative Energien, ist aber immer noch für rund die Hälfte des weltweiten Kohleverbrauchs verantwortlich. Daran wird sich aufgrund der Masse so schnell nichts ändern. Chinas Anteil wird global prozentual zwar zurückgehen, aber in absoluten Zahlen hoch bleiben.

Und das Alles in einer Zeit, in der Europa und Nordamerika mit großer Verzweiflung und erklärten »Klimanotständen« sich bemühen, von fossilen Energieträgern loszukommen. Doch deren Engagement wird auf Dauer wohl durch das Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt und den dortigen Ausbau des Kohlestroms neutralisiert werden.

All unser Bemühen und die Aufopferung der deutschen Automobilindustrie und womöglich unseres Wohlstandes wird am Ende möglicherweise verpuffen angesichts der Entwicklungen anderenorts.

Sven von Storch

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