Ausgrenzung Andersdenkender in der Elitenförderung?

Hans-Georg Maaßen distanziert sich von der Studienstiftung des deutschen Volkes

Im Gegensatz zu den konfessionellen und politischen Stiftungen galt die renommierte Studienstiftung des deutschen Volkes als weltanschaulich neutral und überparteilich. Das scheint nun vorbei zu sein. Hans-Georg Maaßen hat sich als ehemaliger Studienstiftler distanziert.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist auf neuen Pfaden unterwegs. Bislang genoss die Stiftung einen besonderen Ruf. Denn im Gegensatz zu den kirchlichen bzw. konfessionellen Stiftungen und zu den politischen Stiftungen wie die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah), Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU-nah), Hanns-Seidel-Stiftung (CSU-nah), Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP-nah), Heinrich-Böll-Stiftung (Grünen-nah) und die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Linke-nah) galt die Studienstiftung des deutschen Volkes als überparteilich, überkonfessionell und weltanschaulich neutral. Exzellenz und Leistung sowie gesellschaftliches Engagement waren ausschlaggebend für die Aufnahme. Nur rund 0,4 Prozent aller Studenten kommen in den Genuss dieser Stipendien.

Das scheint nun vorbei zu sein. Beim Thema AfD will die Studienstiftung anscheinend ausgrenzen [siehe Bericht »Tichys Einblick«]. Die Studienstiftung wolle dem wachsenden »Rechtspopulismus« entgegentreten. Manche Studienstiftler fordern gar einen Unvereinbarkeitsbeschluss.

Dabei war einst das ganze Spektrum abgedeckt. »Tichys Einblick« fasst Beispiele zusammen: »Unter den ehemaligen Stipendiaten finden sich zahlreiche Nobelpreisträger wie Manfred Eigen und Reinhard Genzel, daneben Publizisten wie Frank Schirrmacher, Ökonomen wie Clemens Fuest und Michael Hüther, Historiker wie Hans Mommsen, Philosophen wie Peter Sloterdijk und Odo Marquardt, Theologen wie Eugen Drewermann, Schriftsteller wie Hans Magnus Enzensberger, Sten Nadolny und Juli Zeh, Künstler wie Justus Frantz, Anselm Kiefer und Heinz Rudolf Kunze, Unternehmer wie Oliver Samwer, aber vor allem politische Prominenz aus dem gesamten Spektrum der Gesellschaft – von konservativen Parteigründern wie Bernd Lucke, Frauke Petry und Hans-Georg Maaßen bis zu den linksextremen RAF-Terroristinnen Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin – und TE-Gründer Roland Tichy.«

Übrigens: Der AfD-Politier Gottfried Curio war auch in der Studienstiftung.

Hans-Georg Maaßen ist empört über diese Entwicklung und erklärte via X:

»Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt als Ex-Studienstiftler der Studienstiftung des deutschen Volkes. Es ist für mich untragbar, mit einer Einrichtung zur Förderung junger Akademiker in Zusammenhang gebracht zu werden, die daran mitwirkt, die Meinungsfreiheit einzuschränken, Menschen anderer politischer Überzeugung auszugrenzen und die sich in den Dienst einer politischen Ideologie stellt«.

Die Studienstiftung hatte schon zuvor klargestellt, dass es ihrerseits keinerlei Zusammenarbeit mit der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung geben werde.

Ist dies das Ende der überparteilichen Stiftungsidee? Wird die Studienstiftung bald als »Union/SPD/Grüne/Linke-nah« etikettiert werden?

Sven von Storch

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