Der Konflikt in der Kaukasus-Region zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach hat zur Niederlage Armeniens geführt. Tausenden Christen dort droht das Schicksal von Flucht und Vertreibung. Es wäre aber noch schlimmer gekommen, wenn Russland die Konfliktparteien nicht schneller zu einem Ende des Konfliktes gezwungen hätte.
Armenien ist eingekeilt zwischen den beiden islamischen und turksprachigen Staaten Türkei und Aserbaidschan, die kulturell, politisch, wirtschaftlich (Öl und Pipelines) und geostrategisch eng zusammenarbeiten. Der geostrategische und wirtschaftliche Druck verschiedenster Staaten ist so groß, dass Armenien völlig isoliert scheint, gebe es nicht Russland.
Für Großbritannien gibt es gleich mehrere Interessen: Zum einen geht es um das Erdöl und Erdgas aus Aserbaidschan, das via Pipelines durch die Türkei nach Europa kommen soll. Außerdem gibt es im bisher von Armenien besetzten Zangilan District erhebliche Goldvorkommen. Diese fördern in Zukunft die britische Anglo Asian und BP. Beide hatten bereits vor dem Krieg den Zuschlag für den Öltransfer von Aserbaidschan, über den neuen armenischen Korridor, in die Türkei erhalten. Zum anderen geht es den Briten natürlich darum, Russlands Einfluss in Grenzen zu halten. Diesen geostrategischen Konflikt zwischen Großbritannien und Russland in der Kaspischen Region gibt es bereits seit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Wie eng Großbritannien mit Erdogans Türkei zusammenarbeiten will, zeigt das jüngste Treffen des türkischen Sprechers der Erdogan-Regierung mit dem britischen Chef des Geheimdienstes MI6.
Es zeigt sich wieder einmal, wie die Region zum Spielball geopolitischer Interessen wird und die Sicherheit Armeniens und der christlichen Armenier in der Region Berg-Karabach unter die Räder kommt.
Eine andere aktuelle Entwicklung hängt mit den US-Wahlen zusammen: Die Türkei und die USA gerieten in Konflikt, weil die Türkei das russische Raketenabwehrsystem S-400 gekauft und getestet hat. Das Pentagon hatte dies aufs Schärfste kritisiert und damit gedroht, den Verkauf des Mehrzweck-Tarnkappen-Kampfflugzeugs F-35 an die Türkei zurückzunehmen. Es sei sicherheitstechnisch und sicherheitspolitisch bedenklich, wenn Erdogans Türkei über beide Technologien verfüge.
Jetzt, nach der Klärung der Lage in Armenien und angesichts der Wahlen in den USA gibt die Türkei nach und drängt die Trump-Administration zu Neu- oder Nachverhandlungen, um eine Lösung zu finden, ob beide Waffensysteme in der Türkei nicht doch zuzumuten wäre.
Dies tut die Türkei vor allem angesichts der Befürchtung, dass Joe Biden bald neuer Präsident werden könnte und die politische Lage sich dann wieder ändert. Der türkische Verteidigungsminister schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema in Washington zu formen.


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