In einem aktuellen Interview mit der »Neuen Zürcher Zeitung« (NZZ) beschreibt der französische Historiker Emmanuel Todd seine Sicht auf den Russland-Ukraine-Krieg.
Dem Westen und der Ukraine wirft er vor, nach orwell'scher Methode Realitäten umzudeuten. Die angebliche Siegesgewissheit, die Selenskij und die NATO vorgaukeln, sei realitätsfern. Der Westen stelle sich blind gegenüber den Tatsachen.
Für Todd ist klar: Russland wird diesen Krieg gewinnen. Wladimir Putin wird in Kiew einen Regime-Change vollziehen und anschließend wird die Ukraine auf russischer Seite sein.
Moralisch kritisiere er den Angriffskrieg der Russen, erklärt aber: »Natürlich missbillige ich den Krieg. Nur waren es hier die Amerikaner, die sich der ukrainischen Armee angenommen haben. Die Ukraine wurde de facto in die Nato integriert. Ich bin Historiker, ich versuche einfach zu verstehen, was passiert ist. [...] Man war auf dem besten Weg, die Ukrainer stillschweigend in die Nato zu integrieren. Konkret bedeutete das, dass die ukrainische Armee von den Amerikanern und Briten reorganisiert wurde. Mit einem offensiven Ziel, einem Projekt zur Rückeroberung des Donbass.«
Todd glaubt nicht, dass die Russen weitergehende Kriegsziele haben, die über die Ukraine hinausgehen- Die Ukraine sei aber ein wichtiger geostrategischer Dreh- und Angelpunkt für Russland. Vermutlich werde sich Russland den Osten und die Küstengebiete der Ukraine sichern.


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