Es ist offensichtlich, dass der Kreml schnelle Erfolge seiner Armee erwartet hatte und dass der russische Präsident die militärische Operation als Sieg auf der jährlichen Parade feiern wollte. Doch mittlerweile dürfte auch in Moskau klar geworden sein, dass bis zum 9. Mai nichts präsentiert werden kann, dass Putin als Erfolg feiern kann — ganz im Gegensatz zur Annexion der Krim 2014.
Was folgt nun? Einige Experten sehen ein düsteres Szenario [siehe Berichte »Focus-Online«, »n-tv«]. Die britischen Experten Jack Watling und Nick Reynolds vom Royal United Services Institute (RUSI) vermuten in ihrer neusten Studie zur russischen »Operation Z«, dass Putin am 9. Mai nicht den Sieg feiern, sondern eine große Mobilisierung losbrechen lassen will: »Der 9. Mai hat sich von einer Deadline für den Sieg in einen Beginn einer riesigen Mobilisierung gewandelt.«
Die russische Führung würde ihre Strategie und somit auch ihre Rhetorik ändern, um Zeit zu gewinnen und zur großen Mobilmachung aufzurufen. Statt einer beschränkten militärischen Operation würde dann ein offener großer Krieg mit der Ukraine losbrechen unter dem Motto, dass dieser Krieg auch gegen den Westen und gegen die NATO geführt werde, die die Ukraine militärisch unterstützen.
Die Experten führen ihre Einschätzungen nicht nur auf die Beobachtungen der militärischen Entwicklung zurück, sondern verfolgen auch die Veränderungen in der Rhetorik der russischen Medien. Dort werde längst nicht mehr davon gesprochen, dass man nur gegen die Ukraine militärisch zu Felde ziehe, sondern dass man gegen die NATO antrete, die hinter der Ukraine stehe.


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