Nach Gesprächen mit Wladimir Putin in Sotschi

Erdogan gewährt 150 Stunden Verlängerung der Waffenruhe in Syrien

Nach intensiven Verhandlungen mit Putin hat Erdogan nachgegeben. Er räumt nun den Kurden-Milzen der YPG im Norden Syriens weitere 150 Stunden Zeit für den Rückzug ein. Das Ganze riecht nach einem Deal, denn Russland will das Assad-Regime nicht gefährden.

Die Waffenrufe ist bald zu Ende, doch Recep Tayyip Erdogan gewährt nun weitere 150 Stunden zusätzlich [siehe Berichte »T-Online«, »Tagesschau«]. Voraussetzung sei, dass die Kurden-Milizen der YPG das Grenzgebiet verlassen. Am Mittwochnachmittag beginnt die Frist. Nach Ablauf der Frist dürfen sich keine Milizen mehr in der 30-Kilometerzone an der türkisch-syrischen Grenze aufhalten.

Dieser Ankündigung vorausgegangen war ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Sotschi. Beide sollen ein mehrstündiges Vieraugengespräch geführt haben. Es ist davon auszugehen, dass die Russen — ebenso wie zuvor die Amerikaner — Druck auf Erdogan ausgeübt haben. Allerdings haben die Amerikaner und Russen in Syrien unterschiedliche Motive, Erdogan zum Rückzug zu zwingen. Die USA wollen die Kurden und restlichen Rebellen schützen, die noch im Norden Syriens aktiv sind. Russland will das Assad-Regime in Damaskus stützen. Da die Kurden ein temporäres Zweckbündnis mit den syrischen Regierungstruppen eingegangen sind, ist ein Rückzug der türkischen Truppen in diesem Fall sowohl im amerikanischen als auch im russischen Interesse.

Erdogan sprach von einer »historischen Vereinbarung«. Auch wenn nicht alle Details des mehrstündigen Verhandlungs-Marathons beider Staatsmänner bekannt geworden sind, so ist nach den Andeutungen der beiden davon auszugehen, dass Russland und die Türkei sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Deal geeinigt haben. Und dieser kann logischerweise nur bedeuten: Die Russen helfen mit zu garantieren, dass von der Grenzregion aus keine kurdischen Milizen mehr in die Türkei hineinwirken, und die Türken versprechen dafür, die syrische Souveränität und das Assad-Regime nicht anzutasten. Eine andere Lösung dürfte wohl kaum beiderseits akzeptabel sein.

Sven von Storch

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