Prof. Dr. Thorsten Polleit ist Chefökonom der Degussa Sonne/Mond Goldhandel, Partner der Polleit & Riechert Investment Management LLP und Honorarprofessor an der Universität Bayreuth. Er ist Präsident und Gründer des Ludwig von Mises Institut Deutschland, dem deutschen Ableger des US-amerikanischen Ludwig von Mises Institute.
In verschiedenen Interviews [siehe Interview auf Wallstreet Online HIER und auf YouTube HIER] äußerte er sich in den letzten Wochen und Monaten über das Vorhaben der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), eine gemeinsame mit Gold gedeckte Währung zu schaffen. Viele weitere Staaten, darunter Saudi-Arabien und der Iran, wollen dem Bündnis der BIRCS-Staaten beitreten.
Die neue goldgedeckte Währung soll als neue Handelswährung fungieren. Eine solche Handelswährung hätte nach Polleit gewaltige Folgen. Den beteiligten Staaten geht es vor allem darum, die Dominanz des US-Dollars im Handel zurückzudrängen. Noch ist der Dollar die bedeutendste Währung im Handel und Finanzmarkt. So werden an den Börsen täglich mehr als sieben Billionen Dollar umgesetzt. Rund 88 Prozent der Transaktionen laufen direkt indirekt über den US-Dollar. Diese Vormachtstellung des US-Dollars führt dazu, dass die USA ihre Währung weltweit als politisches Machtmittel einsetzen können. Polleit erinnert an das Einfrieren der russischen Währungsreserven in Höhe von etwa 600 Milliarden US-Dollar.
Solche Machtspiele schrecken viele nicht-westliche Länder auf. Sie wollen ihre Dollar-Abhängigkeit reduzieren. Denn es ist allen klar geworden, dass jedes Land über die Dollar-Macht der USA in die Knie gezwungen werden kann, wenn es den geostrategischen Zielen Washingtons im Wege steht oder gar in Konflikt mit den USA gerät. Daher bemühen sich viele Staaten um eine Diversifikation der Währungsreserven. Sie machen dies, indem sie ihre Dollar-Bestände abbauen und andere Währungsbestände und auch Gold-Bestände aufbauen.
Sollte die neue BRICS-Handelswährung tatsächlich hauptsächlich oder gar ausschließlich goldgedeckt sein, könnte eine neue Zentralbank der BRICS-Länder internationale Handelskredite anbieten, die mit Gold gedeckt sind oder internationalen Investoren Depositen anbieten. Wenn dann damit viele neue Handelstransaktionen in dieser Währung abgewickelt würden, wäre ein erstzunehmender Konkurrent für den US-Dollar geschaffen.
Die Folge wäre eine weitere tiefere Spaltung der Welt in nicht nur unterschiedliche politische, sondern auch ökonomisch Blöcke. Dies könnte zu drastischen Verwerfungen in der Wirtschaft führen und zu einer Entwertung des ungedeckten Fiat-Geldes. Für die USA wäre es dann nicht mehr möglich, dauerhaft ein Handelsdefizit einzufahren.


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