Mainstream-Medien wissen nicht mit dem Front National umzugehen

Die Furcht der Presse vor Marine Le Pen

Der Presse schwant etwas: Marine Le Pen hat tatsächlich Chancen auf die französische Präsidentschaft. Linke und Konservative sind in Bedrängnis. Sie haben keine Antworten parat. Sie wettern immer noch gegen den "Populismus".

Freie Welt

Lange Zeit hatten sich die Mainstream-Medien darauf verlassen, dass bei einer Stichwahl im zweiten Wahlgang sich die Mehrheit der Franzosen gegen Marine Le Pen als Präsidentin verbünden würde. Doch dazu bräuchte es einen geeigneten Gegenkandidaten.

Die Sozialisten sind in der Wählergunst gesunken. Benoit Hamon ist kein Kandidat mit Chancen, in die Stichwahl zu kommen. Seine Zustimmungswerte der letzten Monate schwanken zwischen 15 und 18 Prozent.

Die Konservativen wollten mit ihrem Spitzenkandidaten Francois Fillon auftrumpfen. Doch der hat sich durch die Affäre um die Beschäftigung seiner Frau Penelope selbst in Bedrängnis gebracht. Seine Umfragewerte schwanken zwischen 17 und 21 Prozent.

Der Kandidat der Partei "En Marche!", der junge Emmanuel Macron, kann immerhin 21 bis 23 Prozent Zustimmung gewinnen.

Klar in Führung ist die Chefin des Front National. Marine Le Pen konnte bei den Umfragen der letzten Wochen 24 bis 26 Prozent für sich verbuchen.

Die internationale Presse hat dies als Schocknachricht verbreitet und es wieder einmal nicht versäumt, mit allerlei Etiketten und Adjektiven um sich zu werfen, damit an Marine Le Pen möglichst viel hängen bleibt. Das Wahlprogramm des Front National wurde dagegen fast nirgendwo besprochen. Die Reden und Interviews von Marine Le Pen wurden vornehmlich nur in ausgewählten Ausschnitten verbreitet und stets eifrig kommentiert, damit auch ja nicht der Eindruck erweckt wird, dass der Front National wählbar sei.

Bis jetzt scheinen sich viele Franzosen darauf zu verlassen, dass Marine Le Pen bei dem zweiten Wahlgang verlieren würde, weil die Wähler sich gegen sie verbünden würden. Doch bei den PR-Desastern der anderen Kandidaten stellt sich langsam die Frage: Wird Frankreich mit einer Überraschung aufwarten wie beim Brexit oder der Trumo-Wahl?

Diese Frage stellte man sich jüngst auch in der Zeit. Interessant ist wieder einmal die Wortwahl dort. Anstatt das Programm von Marine Le Pen genauer unter die Lupe zu nehmen und mit dem zu vergleichen, was bei den Wählern gerade gut ankommt, werden Phrasen gestreut wie: "Mit unerfüllbaren populistischen Wahlversprechen und strategisch gestreuten Lügen hat sie es geschafft, sich als Verkörperung der wichtigsten französischen Leidenschaften zu präsentieren."

Der Austritt Großbritanniens aus der EU galt vor nicht allzu langer Zeit auch als nicht erfüllbares populistisches Wahlversprechen. Wer immer wieder volksnahe Politik als Populismus abtut, wird sich am Ende noch wundern, wie viel möglich ist bei in den Wahlen.

 

 

Sven von Storch

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