Gastbeitrag von Matthias Moosdorf

Der Zapfenstreich im Bendlerblock – eine Mischung aus Karfreitag und Totensonntag

Auf einmal ist es vorbei. Angela Dorothea Merkel streicht im Niesel dieses hässlichen Dezembertages, der kein Herbst mehr ist, aber noch viel weniger Winter, noch einmal ihren Zapfen und verschwindet ins Private.

Auf einmal ist es vorbei. Angela Dorothea Merkel streicht im Niesel dieses hässlichen Dezembertages, der kein Herbst mehr ist, aber noch viel weniger Winter, noch einmal ihren Zapfen und verschwindet ins Private. Ähnlich blass und ohne persönliche Regung wie in jedem ihrer öffentlichen Auftritte. Bezeichnenderweise werden aus dem grauen Einerlei ihrer als Beherrschtheit inszenierten Einfallslosigkeit zwei Bilder überleben: Wie sie CDU-Kollegen Grohe mit einer missbilligenden Geste die Deutschlandfahne wegnimmt und wie später -immer passend zur deutschen Hymne - das große Zittern von ihr Besitz nehmen wird. Dieses Zittern wird die einzige überlieferte Regung sein, die das ihr anvertraute deutsche Volk persönlich genommen hat. Doch nicht einmal das kam von ihr, es war wohl nur ein körperlicher Missstand.

Es muss als Ausweis gesellschaftlichen Verfalls gelten, wenn man die Umgebung von Merkel (zum Beispiel) mit der von Helmut Kohl vergleicht. Letzterer hatte sich mit kluger und wacher Intelligenz umgeben: Biedenkopf, Späth, Geissler, Ackermann, Süssmuth, Weizsäcker – diese Liste könnte man fortsetzen. Dieser Personalauswahl wohnte das Vertrauen des Altkanzlers inne, im Zweifel von Pro und Contra selbst zum Zünglein an der Waage zu taugen. Er wusste um Geschichte und Verantwortung. Und um sein Gewicht sowieso.


Merkel hingegen etablierte in ihrem Fahrwasser gesichtslose Versager wie Altmaier und AKK, willfährige Vollstrecker wie Braun und von der Leyen – auch diese Liste kann man fortsetzen. Und das Bedauern ist umso größer, weil diese Satrapen sich noch heute in den viel zu großen Schuhen der Politik herumtreiben. „Zeige mir deine Freunde und ich sage dir wer du bist.“ Alle mit Profil endeten im Nirgendwo.

Sie hielt es wohl für Beherrschtheit und protestantische Askese. Aber es wird keine Rede von ihr bleiben, keine Geste, kein Bild von stiftender Identität. Wenn sie zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele pflichtgemäß auftauchte, fragte man sich, ob in ihrem Hause die Spiegel abgehängt worden sind. Stand sie mit Rautenhand vor einem windschiefen Tannenbaum im Bundeskanzleramt, sah man dem Baume an, dass er kein Christbaum sein durfte und sie wirkte in schmutzigblauer Joppe wie eine Karikatur zwischen Mao und Pol Pot.

Und so war auch das Markenzeichen ihrer Politik. „Entkernung“ der CDU, Dekonstruktion der deutschen Wirtschaft, Abwicklung der Bundeswehr, Atomausstieg, Euro-Rettung mit größtem Schaden für deutsche Steuerzahler. Und eine Migrationspolitik, die als deutscher Alleingang Europa bis in alle Ewigkeit gespalten haben wird, die Briten in den Austritt getrieben, den ganzen Ostblock verprellt. Ein Fahren auf Sicht: wertelos, ideenlos, zunehmend faktenbefreit. Für die Deutschen und ihre kommenden Generationen ein Ausbund von desaströsen, teuren und weitgehend nutzlosen Entscheidungen auf einer pseudomoralischen Grundlage. In Wahrheit das Spiegelbild einer Frau, die statt im richtigen Leben kinderlos im Maschinenraum der eigentlich ambitionslosen Macht unterwegs war. Immer auf der Suche nach einer noch leichtgängigeren Schraube. Merkel ist – von ihrem Ende, den Auswirkungen betrachtet - die wohl schädlichste Figur der jüngeren deutschen Geschichte, mit vernichtender Wirkung für die Nachwelt.

Was sie für ihr Volk übrig hatte, führte sie nach dem muslimischen Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz mit kalter Eloquenz vor. Ihre Politik hatte den Attentäter als sogenannten Flüchtling erst ins Land geholt, der vom Kanzleramt kontrollierte Geheimdienst hatte ihn wohl auch als Terroristen auf irgendeiner Liste. Angela Dorothea interessierte sich aber weder für die täglichen BKA-Lagen noch für faktische Störungen ihrer Ideologie. Für die damaligen Opfer gab es keine Entschuldigung, kein Brief und - abseits der Inszenierung als Einzelfall – auch kein Beileid. Wäre das Gleiche in Russland passiert, unsere Medien hätten sicher von „der hässlichen Fratze der Macht“ geschrieben.

Merkel holte die Stasi wieder in den Regierungsbezirk. Kahane und Co. wurden im Einzelplan 04 des Bundeshaushalts mit immer höheren Beträgen ausgestattet. Und dafür lieferten Extremisten, amtierende und ehemalige, in einer Art Nationaler Front im Kampf gegen das konservative Bürgertum auch ab, was verlangt wurde. Mögen Staatsanwälte und Polizei auch nichts davon gesehen haben: Was Hetzjagden sind oder nicht – bestimmt schließlich die Kanzlerin.

Die große selbsternannte Demokratin und - nach dem politischen Ende des Kriegstreibers Obama - „einzig verbliebene Vertreterin der freien Welt“ hatte kein Problem damit, aus dem fernen Südafrika zur Rückgängigmachung einer Wahl in ihrem Lande aufzurufen, so, als spucke sie auf unser Grundgesetz. So wie sie schon beim Überfall auf den Irak – auch ohne UN-Mandat und auf Basis herbeigelogener Annahmen – an der Seite von George W. Bush, der Achse des Blöden, mitwirkte.

Ihre Familienpolitik hat die Familie der Wertelosigkeit einer gegenderten Scheinwelt mit 60 Geschlechtern preisgegeben, die Ehe als Instanz und generationsübergreifende Rückversicherung geschleift und mit dem Ersatz von Bildung durch Haltung, von Wissen durch Sozialkompetenz auch den jungen Menschen einen Aufbruch in den Irrsinn verordnet. Hüpfende Freitagskinder und bisweilen autistische Selfies-Knipser ersetzen nun den Sachverstand in Berlin. Einer Hauptstadt immerhin, der auch Humboldt, Voltaire und Moses Mendelssohn beratend zur Verfügung standen.

„Mehr Licht“ hatten die beseelten Mitmenschen aus dem letzten Röcheln Goethes noch vernommen. „Mehr nicht!“ kann es aber auch gewesen sein. Ich habe meine Gedanken schweifen lassen, immer auf der Suche nach einem angemessenen Schlusswort. Selbst Erich Weinerts „Manch gekrönter Abenteurer hat in Deutschland schon regiert…“ scheint mir noch zu ambitioniert.

Es waren 16 prägende Jahre gegen unser Land. Man möchte sie ins Nichts stürzen. Allein an den Folgen werden wir noch sehr lange, vielleicht ohne Hoffnung auf Erfolg aber mit stetig schwindender nationaler Kraft herumlaborieren. Das hat sie so gewollt. Und wir alle haben es zugelassen.

„Sie kennen mich.“ – Ja, leider.

Sven von Storch

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