Revolution? Im Iran werden die Stimmen nach einem Umsturz lauter

Der Iran darf kein zweites Syrien werden

Die Menschen im Iran stehen vor einem Dilemma. Wenn das Ajatollah-Regime gestürzt wird, könnten die Iraner in Freiheit und Frieden leben. Doch es besteht die Gefahr der Fragmentierung und des Bürgerkrieges wie in Syrien. Was tun?

In der iranischen Hauptstadt Teheran werden die Rufe nach einer Revolution lauter. Nachts rufen Menschen von den Dächern »Tot dem Chamenei!« [siehe Bericht n-tv].

Die Rufe nach Freiheit und dem Sturz des geistlichen Führers Ajatollah Ali Chamenei werden lauter, während Israel und die USA offen über einen möglichen Regimewechsel in Teheran diskutieren.

Der Iran darf kein zweites Syrien oder Irak werden

Doch es gibt auch viele kritische Stimmen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnt eindringlich vor den Folgen einer solchen Entwicklung: Ein Umsturz könnte den Iran in ein Chaos wie in Syrien oder im Irak stürzen [siehe Bericht »Koha«].

Die aktuell noch zarten Proteste in Teheran erinnern an die größeren Unruhen von 2022. Viele Iraner sehnen sich nach einem Ende der theokratischen Herrschaft. Doch die Opposition ist gespalten, und es fehlt an einer einheitlichen Führung oder einer organisierten Alternative zum aktuellen Regime.


Allerdings hat sich sich der Sohn des ehemaligen Schah, Prinz Reza Pahlavi, bereit erklärt, eine Führungsrolle zu übernehmen [siehe Bericht »Freie Welt«]. Reicht das? Unter Auslands-Iranern hat er viele Anhänger. Aber im Iran selbst?

Der Iran darf kein zweites Syrien oder Irak werden

Die Beispiele Syriens und des Iraks mahnen zur Vorsicht. Nach dem Sturz von Saddam Hussein im Irak 2003 versank das Land in einem Bürgerkrieg, der den Aufstieg des »Islamischen Staates« begünstigte. In Syrien führte der Bürgerkrieg nach 2011 zu Hunderttausenden Toten und Millionen Flüchtlingen. »Ein Regimewechsel im Iran ohne klare Nachfolgestruktur könnte ähnliche Folgen haben«, warnt Macron. Besonders in einem multiethnischen Land wie dem Iran könnten Separatismusbewegungen, etwa von Kurden oder Belutschen, die Instabilität verschärfen.

In Israel sieht Premier Benjamin Netanjahu die Schwäche des iranischen Regimes als Chance, die »atomare Bedrohung« zu eliminieren. In den USA betont Präsident Donald Trump, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen dürfe, zeigt sich aber zurückhaltend bei der Unterstützung eines militärischen Eingriffs.

Dilemma: Aufstand im Iran riskieren? Oder lieber doch nicht?

Die internationale Gemeinschaft steht vor einem Dilemma: Die Unterstützung der Opposition könnte die Lage eskalieren lassen, während Untätigkeit das Regime stärken könnte.

Doch die aktuelle Lage bietet der Opposition auch ein Zeitfenster. Die Entscheidung ist schwierig. Doch wenn das iranische Volk sich gegen die Regierung erhebt, könnte sich mit einer neuen iranischen Regierung die weltpolitische Lage vollkommen verändern.

Sven von Storch

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