Die Fesseln des kommunistischen Regimes haben in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich die einfachen chinesischen Bürger zu spüren bekommen, wenn sie sich nicht systemkonform verhalten haben. Auf der internationalen Bühne spielte Chinas Diplomatie das Spiel des Poker-Face-Lächelns, manifestiert in der steinernen Mimik eines Hu Jintao.
Das ist jetzt anders. In den letzten Jahren, besonders seit dem Amtsantritt von Xi Jinping, ist Chinas Auftritt in der Weltgemeinschaft offensiv und teilweise sogar aggressiv. Weltweit versuchen chinesische Diplomaten und Geschäftsleute, Einfluss auf andere Regierungen zu nehmen, um diese im Sinne der Politik Pekings auf Kurs zu bringen.
Die Corona-Krise hat die Situation verschärft, besonders seitdem internationale Kritik an Chinas ursprünglicher Vertuschung laut geworden ist und Peking die unabhängige Aufklärung der Ursachen der Pandemie verweigert.
Mittlerweile sind es über 60 Staaten, die eine unabhängige Untersuchungskommission fordern. Doch Peking verweigert nicht nur jedwede Kooperation, sondern droht unverhohlen verschiedenen Regierungen.
Als beispielsweise Australiens Premierminister zuerst eine solche Untersuchungskommission forderte und dies in seinem Land ein Echo gefunden hatte, drohte der chinesische Botschafter, dass China mit Handels-Sanktionen antworten könnte. Tatsächlich werden in China Sonderzölle für Rohstoffe wie Weizen aus Australien diskutiert. In Australien reagiert man empört.
Aber auch Neuseeland, selbst die USA und viele andere Länder bekommen immer häufiger einen aggressiven Tonfall aus Peking zu hören. In Asien ist nicht nur Taiwan betroffen. Auch Vietnam und Japan stehen unter Druck.
Die neue Diplomatie der harten Töne ist kein Zufall, sondern ein neues Rezept, eine neue Strategie. Sie wird »Wolf-Diplomatie« genannt.
Der Direktor des »Global Public Policy Institute (GPPi)« in Berlin, Thorsten Benner, erklärte den Begriff gegenüber der »BILD-Zeitung« so:
»Wolfskrieger-Diplomaten haben ihren Namen von den ›Wolf Warriors‹, eine Serie patriotischer chinesischer Action-Filme, in denen chinesische Spezialkräfte ausländische Söldner niederkämpfen.«
Im aktuellen Verhalten der Diplomaten äußere sich das folgendermaßen:
»Wolfskrieger-Diplomaten kämpfen im Rambo-Stil für chinesische Interessen und ersetzen dabei diplomatische Umgangsformen durch Drohungen, Propaganda und Desinformation. Prototyp der aggressiven Wolfskrieger-Diplomaten ist Zhao Lijian, der derzeitige stellvertretende Leiter und Sprecher der Informationsabteilung des chinesischen Außenministeriums.«


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