Totale Kontrolle der historischen Erinnerung

China_ Kommunistisches Regime will Geschichte umschreiben

Tibet war schon immer chinesisch, das Tiananmen-Massaker fand nie statt, Mao Zedong war gut: Mit Zensur, Manipulation und drakonischen Strafen wollen die Kommunisten kritische Erinnerung auslöschen.

Chinas Kommunisten wollen sich die Welt erschaffen wie sie ihnen gefällt, und zwar für die Gegenwart, Zukunft und auch Vergangenheit. Der nur das, woran erinnert wird, bleibt im kollektiven Gedächtnis der Menschen haften.

Politische Unterdrückung, Niederschlagung von Aufständen, die eigenständige Geschichte von Minderheiten: All diese Themen werden unterdrückt, verschwiegen, unter den Teppich gekehrt.

Zwar wird die Zeit von Mao Zedong durchaus als kritisch betrachtet, doch die wirklichen schlimmen Dinge seiner Zeit (»Großer Sprung nach vorn«, »Kulturrevolution«), die Millionen Menschen das Leben kosteten, werden verharmlost. Mao gilt noch immer als Gründervater der modernen Nation. Sein Konterfei hängt immer noch am Eingangstor zur Verbotenen Stadt.

Zu den verbotenen Themen gehören die drei T-Themen: Taiwan, Tibet und Tiananmen. Taiwan gilt als abtrünnige Provinz, die wieder angegliedert werden muss. Widerspruch ist verboten. Tibet gilt als integraler Bestandteil der Volksrepublik China. Wer auch nur eine Teilsouveränität für die Tibeter einfordert, gilt bereits als politischer Dissident.

Die Erinnerung an das Massaker am Tiananmen-Platz, am Platz des Himmlischen Friedens im Sommer 1989, wird vollkommen ausgelöscht. Politische Aktivisten, die an das Ereignis erinnern, werden sofort ausfindig gemacht. Auch in Hongkong wird die Erinnerung daran ausgelöscht. Trauerveranstaltungen und politische Proteste zu diesem Thema sind verboten.

Im chinesischen Internet wird dieses Thema komplett ausradiert. Die Zensoren löschen, wo sie nur können. Die Internetnutzer sollen sich in einer rosa Wolke politisch-positiver Erinnerungen bewegen, in der die kommunistische Regierung im hellsten Licht erstrahlt. Kritik darf nur im beengten Rahmen und im konstruktiven Sinne geäußert werden.

Durch die immer perfekter werdende Überwachung schafft es das Regime in Peking, den absoluten Kontrollstaat zu erschaffen. China wird zu Dystopie, zum totalitären System par excellence. Solange das Wirtschaftswachstum bleibt und der Lebensstandard steigt, lassen sich die Chinesen das mehrheitlich gefallen. Doch wenn sich der Wind dreht, werden sich die Chinesen in einem Albtraum wiederfinden, aus dem es kein Erwachen gibt.

Sven von Storch

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