Die Volksrepublik China entwickelt sich zum radikalsten Überwachungsstaat der Menschheitsgeschichte. Das ist keine Übertreibung. Das ist eher Untertreibung, denn die meisten Menschen im Westen können sich nicht vorstellen, wie weit die Überwachung im Reich der Mitte technologisch und organisatorisch schon vorangeschritten ist. Die Zahl der Überwachungskameras geht in die Hunderte von Millionen. Sie sind an fast allen wichtigen Straßen, Plätzen und Einrichtungen zu finden.
Kameras filmen oder fotografieren Fußgänger an Ampeln und Straßenüberquerungen. Wenn jemand bei Rot über die Ampel geht, wird sein eingescanntes Gesicht innerhalb von Sekunden mit seinen Daten auf einer großen Leinwand in der Öffentlichkeit bloßgestellt, so dass alle anderen Passanten sehen können, wer das ist, der gerade die Verkehrsregeln gebrochen hat.
Auch in Geschäften, Supermärkten und Kaufhäusern, in Firmen und Betrieben, in Ämtern und öffentlichen Gebäuden: In immer mehr Städten regulieren Überwachungskameras das Leben der Menschen. Selbst wenn man eine öffentliche Toilette besucht und Klopapier am Eingang kauft, wird das Gesicht gescannt. Firmen können genau überprüfen, welcher Mitarbeiter sich wo aufhält. Und die Firmen selbst werden sowieso überprüft und überwacht. Und Kaufhäuser überwachen ihre Kunden. Das Auge der Polizei ist sowieso überall. In einigen Hotels oder Studentenherbergen funktioniert sogar die Türöffnung per Gesichtsscan. Man guckt in die Kamera, und dann geht die Tür auf, oder auch nicht. So kann perfekt überprüft werden, wer wann das Haus verlässt oder wieder heimkommt. Stammkunden können bei bestimmten Firmen mit ihrem »Gesicht« bezahlen.
Das Überwachungssystem ist total. Jedes andere Wort wäre eine Verharmlosung. Die Steigerung der Überwachung ist exponentiell. Die Chinesen tragen durch ihr Verhalten selbst zur radikalen Beschleunigung ihrer totalen Überwachung bei, indem sie über die Handy- und Internetnutzung Daten preisgeben. Datenschutzverordnungen wie im Westen gibt es in China nicht. Alles was die Bürger online tun, sagen oder kaufen, wird registriert. Über Handy bzw. Smartphone werden außerdem alle Bewegungs- und Aufenthaltsdaten gesammelt.
Da alle großen Konzerne das letzte Wort der kommunistischen Partei in Peking überlassen müssen, landen die Daten letztendlich bei den staatlichen chinesischen Überwachungsdiensten. Das kommunistische Regime setzt auf das Prinzip der Selbstdisziplinierung und Selbstzensur. Denn dass man überwacht wird, ist kein Geheimnis.
Außerdem funktioniert das System nach dem Motto: Zuckerbrot und Peitsche. Ein Sozial-Punkte-System bewertet das Verhalten der einzelnen Bürger, online ebenso wie offline. Je nach Sozialverhalten, Konsumverhalten, politischen Äußerungen und anderen Aspekten werden die Bürger mit Sozial-Punkten belohnt oder mit Punkteabzug bestraft. Wer hier abfällt, kann mit Sanktionen rechnen. Das kann dazu führen, dass man beispielsweise keine Bahn- oder Flugtickets kaufen kann oder bei Behörden mit Restriktionen rechnen muss.
Es gibt kaum Möglichkeiten, das System zu umgehen, zumindest in den großen Städten. Zunächst braucht jeder Stadtbürger ein internetfähiges Handy, weil man sonst vieles nicht mehr erledigen kann. Selbst das Bezahlen wird größtenteils über das Handy abgewickelt (zum Beispiel über Alipay). Um ein Handy mit Vertrag zu erhalten, muss man beim Anbieter alle erdenklichen Daten angeben. Die meisten modernen Handys arbeiten zudem mit Gesichts- oder Fingerabdruck-Erkennung statt Code, um zu starten. Da sich sowieso die meisten Menschen mit ihrem Handy früher oder später selbst fotografieren und ihre Fotos in den Sozialen Medien teilen, ist die Verknüpfung aller Daten mit den Gesichtszügen perfekt. Tarnen hilft nichts: Die Gesichtserkennungs-Software ist mittlerweile so gut, dass man auch mit Perücke und dicker Schminke erkannt wird. Jetzt werden sogar Systeme getestet, die den Menschen anhand seines Ganges und seiner motorischen Bewegungen identifizieren.
Wer politisch oder gesellschaftlich gegen den Strom schwimmt, kann sehr schnell »ausgeschaltet« werden. Dann geht nichts mehr, weil überall, wo man sich mit Handy, Ausweis oder Bankkarte meldet, das niedrige »Social Scoring« angezeigt wird. Das führt automatisch zu Einschränkungen im gesamten Leben. Politische Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten berichten schon jetzt, dass sie durch dieses System verstärkt benachteiligt werden.
Die Dystopie »1984« von George Orwell war nichts gegen das System, das derzeit in China aufgebaut wird. Es ist die völlige Verwirklichung des totalen Überwachungsstaates in seiner radikalsten Form. Wie skrupellos das kommunistische Regime die Überwachung einsetzt, zeigt sich derzeit in der Provinz Xinjiang, wo an Oppositionellen der ethnischen Minderheit der Uiguren jedwede erdenkliche Überwachungsmöglichkeit im realen Leben ausprobiert wird.
[Siehe hierzu weitere Informationen HIER, HIER, HIER und HIER sowie HIER und HIER.]


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