Die Beseitigung von Muammar al-Gaddafi hatte das Land ins Chaos gestürzt. Libyen galt zu seiner Zeit als reichstes Land Afrikas, mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen, mit der besten Gesundheitsversorgung und einer sozialen Absicherung für jeden Bürger. Der Preis dafür war ein quasi-sozialistisches Regime mit Gaddafi als Diktator. Meinungsfreiheit gab es nicht, aber dafür Frieden unter den Stämmen und Wohlstand für alle.
Seitdem Gaddafi weg ist, gibt es nur noch Elend, Chaos, Mord und Totschlag. Die Stämme und Regionen sind entzweit. Terrorgruppen wie ISIS machten sich breit. Verschiedene lokale Regierungen beanspruchen für sich, ganz Libyen zu vertreten.
Zwar gab es zwischendurch Phasen, in denen der Eindruck entstehen konnte, dass der Bürgerkrieg überwunden sei. Doch das täuschte.
Jetzt flammen die Konflikte in Libyen wieder auf. Die Rebellen der »Libyschen Nationalen Armee« (LNA) starten einen neue Offensive. Sie wollen auf die Haupstadt Tripolis marschieren [siehe Berichte »n-tv«, »Tagesschau«]. Die Regierung in Tripolis hat ihrerseits ihre Truppen in Alarmbereitschaft versetzt.
Der Bürgerkrieg in Libyen ist mittlerweile längst ein Stellvertreter-Konflikt geworden, ähnlich wie in Syrien oder im Jemen. Die Regierung in Tripolis wird vor allen von westlichen Staaten unterstützt. Die Rebellen-Regierung im Osten des Landes, vornehmlich in der Kyrenaika, wird von Russland, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt.
Libyen war seit jeher ein Land der unterschiedlichen arabischen und berberischen Wüstenstämme. Muammar al-Gaddafi, so schlimm er auch war, hatte es verstanden, zwischen den Stämmen für Ausgleich zu sorgen. Seit seinem Tod sind alte Spannungen wieder hervorgekommen.


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