Freie Welt: Frau von Storch, Sie werfen Frau Merkel vor, Deutschland ruiniert zu haben. Können Sie diesen Vorwurf konkretisieren?
Beatrix von Storch: Und ob. Es ist ja offensichtlich. Unter der Merkel-Regierung wurden die Staatsfinanzen ruiniert. Die Steuer- und Abgabenlast ist die höchste in den OECD-Staaten. Mit einer Billion Euro haftet Deutschland für die anderen EU-Staaten. Das ist wirklich ruinös. Dazu kommen noch die hohen Strom- und Energiepreise. Außerdem sind die Rentenkassen leer. Und die deutsche Industrie, Auto, Kohle, Stahl, befindet sich im Niedergang oder wird von den Chinesen aufgekauft. Das ist eine Horror-Bilanz.
Freie Welt: Alles, was die Deutschen in der Nachkriegszeit geschaffen haben, wird also nun zerstört.
Beatrix von Storch: Das ist die traurige Wahrheit. Die Merkel-Regierung reißt ein, was die Generation unserer Eltern und Großeltern geschaffen hat. Schlimmer hätte es auch eine Regierung aus Sozialisten und Kommunisten kaum hinbekommen. Wenn die Ära Merkel – hoffentlich – jetzt dem Ende entgegen geht, und wenn die Corona-Krise in nicht absehbarer Zeit vorbei ist, wird Merkel eine ökonomische Trümmerwüste hinterlassen.
Freie Welt: Denken wir an die Zukunft. Wie soll es nach Merkel weitergehen?
Beatrix von Storch: Was wir nach 15 Jahren Merkel brauchen, das ist ein Programm für einen Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft und für eine Erneuerung der Marktwirtschaft. Wir müssen in den nächsten Jahren leisten, was Ludwig Erhard und die Aufbaugeneration nach dem Zweiten Weltkrieg geleistet haben: Wir brauchen konsequente marktwirtschaftliche Reformen, um den Wiederaufbau und ein neues Wirtschaftswunder möglich zu machen.
Freie Welt: Doch es ist ja auch ein globales Phänomen. Derzeit wird von den Eliten die Strategie des »Great Reset« propagiert. Die Eliten des Weltwirtschaftsforums fordern, Corona zum Anlass zu nehmen, unser Wirtschaftssystem radikal umzubauen.
Beatrix von Storch: Ja, demnach soll der Markt in Zukunft quasi »gelenkt werden«, um vorgeblich »faire Ergebnisse« zu erzielen. An die Stelle privater Investitionen sollen dann steuerfinanzierte Staatsprogramme treten. Diese sollen das Ziel haben, eine sogenannte »grüne Infrastruktur« zu errichten. Das bedeutet: Die Produktion der Industrie soll sich an »ökologischen, sozialen und Governance-Kennzahlen« orientieren.
Freie Welt: Und die Corona-Krise soll dafür den Startschuss geben?
Beatrix von Storch: Na ja, man kann das so sagen: Die Kooperation zwischen Staat und Privatwirtschaft in der Corona-Krise soll zum Modell für die gesamte Wirtschaft werden.
Freie Welt: Das klingt nach Planwirtschaft.
Beatrix von Storch: Das ist es auch. Wie in China. Es ist das Ende der freien Marktwirtschaft. Und es ist das Ende der Freiheit der Menschen. Dagegen wollen wir kämpfen.
Freie Welt: Was fordern Sie denn als Gegenmodell?
Beatrix von Storch: Dem »Great Reset« stellen wir unser Programm zum Wiederaufbau der sozialen Marktwirtschaft entgegen: Wir brauchen wieder eine stabile, verlässliche Währung, denn der Euro in seiner jetzigen Form führt zu Geldentwertung, Wirtschaftskrisen und Finanzblasen. Wir fordern den Abbau der Staatslenkung und Staatskontrollen, damit private Initiative und freies Unternehmertum Raum bekommen, um so reales Wachstum und Beschäftigung zu schaffen. Nur durch den Abbau von Bürokratie sowie von Steuern und Abgaben können die Bürger von dem Ertrag ihrer Arbeit wieder leben und ihre Familien versorgen. Und wir brauchen eine Stärkung der Eigenverantwortung statt eine ideologische Entmündigung der Bürger, denn nur dann werden unsere Demokratie und unsere Freiheit Bestand haben.


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