Im Zweifel steht Saudi-Arabien auf der Seite der Palästinenser

Annäherung von Israel und Saudi-Arabien am Ende_

Der Iran und Saudi-Arabien haben sich diplomatisch kurzgeschlossen, um die Nahost-Krise zu besprechen. Beide stehen auf der Seite Palästinas. Die Annäherung Israels und Saudi-Arabiens ist ins Stocken geraten.

Es war eine Art geostrategische Allianz: Israel und die USA haben Saudi-Arabien diplomatisch einbinden können. Das war möglich, weil der Iran ein ideologischer Gegner Saudi-Arabiens ist. Saudi-Arabien ist ein sunnitisches Königshaus, der Iran eine schiitisch-islamische Republik. Jahrelang war der Nahe und Mittlere Osten durch diesen Dualismus geteilt. Stellvertreterkriege im Irak (Schiiten gegen Sunniten) und im Jemen (Huthi-Rebellen gegen Sunniten) zeigen, wie sehr Saudi-Arabien und der Iran gegeneinander aufgestellt waren.

Für Israel und die USA war dies eine Gelegenheit, die Spaltung der islamischen Welt für sich zum Vorteil zu nutzen. Doch die Ereignisse der letzten Monate und Wochen zeigen, dass dieser Prozess sein Ende findet.

Es gibt mehrere Gründe dafür. Zum einen ist es die wirtschaftspolitische Abkehr Saudi-Arabiens von der bedingungslosen Erdöl-Dollar-Kopplung zugunsten der USA. Denn immer mehr Erdöl und Erdgas aus der Golf-Region wird nach China exportiert. China wird als Abnehmer immer wichtiger und gewinnt zunehmend an Einfluss in der Region. China und der Iran haben ohnehin enge Beziehungen.

Im März ging folgende Meldung um die Welt: Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran wollen ihre Gegnerschaft beenden und stärker zusammenarbeiten. Diese Überbrückung alter Gegnerschaft kam auf Druck Chinas zustande. Der Westen ist düpiert [siehe Bericht »Freie Welt«].

Und nun der grausame Angriff der Hamas auf Israel. Anstatt sich solidarisch auf die Seite Israels zu schlagen, zeigt Saudi-Arabien seine Solidarität mit Palästina. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der iranische Präsident Iranian Ebrahim Raisi haben miteinander telefoniert. Das ist ein Novum. Ihr Hauptanliegen: Israel solle seine Angriffe auf den Gaza-Streifen beenden.

Damit zeigt sich exemplarisch: Einige Regierungen islamischer Staaten mögen zwar diplomatische Beziehungen zu Israel haben, doch im Zweifel sind sie immer auf der Seite der Palästinenser. Muslime halten zusammen, wenn es gegen Ungläubige geht. Zumindest im Regelfall.

Saudi-Arabien kann es sich als Land von Mekka und Medina nicht leisten, gegen den Rest der islamischen Welt zu sein. Wenn Saudi-Arabien zu sehr auf der Seite Israels ist, werden die Millionen Mekka-Pilger bei der Hadsch Randale machen. 98 Prozent der Saudis waren ohnehin gegen eine Annäherung von Saudi-Arabien und Israel. Das war eine rein geostrategische Überlegung ohne den Faktor der dortigen Bevölkerung ausreichend zu beachten. Wenn das saudische Königshaus jetzt Israel statt Palästina unterstützen würde, würde es nicht mehr lange an der Macht bleiben. Das wissen die Saudis.

Sven von Storch

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