Geld für die Welt, aber kein Geld für die Rentner im eigenen Land

2,5 Millionen Rentner bekommen trotz 45 Beitragsjahre Armutsrente

Das Bundesarbeitsministerium erklärte auf parlamentarische Anfrage, dass rechnerisch rund 2,5 Millionen Rentner trotz 45 Arbeitsjahren eine Rente auf Sozialhilfe- bzw. Hartz-IV-Niveau erhalten.

Wir wissen: Das deutsche Rentensystem ist schlecht. Die Rentenbeiträge sind zu hoch, die Rentenbezüge zu niedrig. Betriebsrenten gibt es zu wenige. Ein Teil der Bevölkerung ist aus dem System genommen und in der Sonderkategorie der Pensionäre untergebracht.

Es ist jedoch immer wieder erschreckend, wenn schlaglichtartig deutlich wird, wie schlecht es tatsächlich um die Rente bestellt ist.

Das Bundesarbeitsministerium erklärte auf die parlamentarische Anfrage eines Abgeordneten der Linken, dass rechnerisch vom Stand des Jahres 2020 rund 2,5 Millionen Rentner trotz 45 Arbeitsjahren eine Rente auf Sozialhilfeniveau erhalten. Das berichtete die »Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)«. So erhalte selbst jemand, der 45 Jahre lang in Vollzeit gearbeitet und dabei 23.800 Euro im Jahr verdient hat, aktuell immer noch keine Netto-Rente oberhalb der sozialen Grundsicherung!

Wohlgemerkt: Diese Rentenberechnungen beziehen sich nur auf Bürger, die mindestens 45 Jahre gearbeitet haben. Wie sieht es mit den Millionen Menschen aus, die Erwerbsbrüche in ihrer Biographie haben? Was ist all jenen, die Kinder oder Eltern betreuen mussten? Was ist mit all den Scheidungen? Was ist all den Selbständigen, die ihr Geld in die Firma investieren mussten, um bei den Wirtschaftskrisen eine Pleite zu verhindern?

Deutschland hat im Vergleich zu Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden oder Österreich ein sehr unterentwickeltes Rentenmodell.

Schauen wir uns ein gutes Rentenmodell zum Vergleich an:

Die Schweiz hat vermutlich das beste Rentensystem der Welt. Wer es nicht glauben will, mag die rund 300.000 Grenzgänger fragen, die in Deutschland, Frankreich oder Italien wohnen, aber in der Schweiz arbeiten. Rund 60.000 Deutsche wohnen in Baden-Württemberg und arbeiten in der Schweiz. Sie alle profitieren ungemein vom Schweizer Rentenmodell. Nicht nur, dass sie bessere Löhne erhalten. Sondern vor allem die Altersabsicherung der Schweiz ist vorbildlich. Unter den Grenzgängern gibt es kaum welche, die wieder ins Deutsche System zurückwollen.

In der Schweiz ist das System dreigeteilt:

Es gibt eine umlagefinanzierte Grundrente, in die ALLE einzahlen. Ohne Ausnahme! Es gibt keine Sondergruppe wie bei uns die Pensionäre. Die Schweizer Grundrente ist nach unten und oben begrenzt. Niemand fällt hier durch das Raster und endet als Armutsrentner. Jeder kann sich darauf verlassen, dass die Grundrente ihm ein menschenwürdiges Dasein im Alter ermöglicht. Die Schweizer Grundrente ist der solidarische Teil des Rentensystems, der vor allem den unteren Einkommensgruppen zugute kommt.

Dann gibt es noch die kapitalgedeckte Betriebsrente, die in der Schweiz verpflichtend ist. Sie orientiert sich an der Arbeitsleistung und ist somit die Belohnung für die geleistete Arbeit. Sie sichert den Erhalt des Lebensstandards.

Schließlich gibt es noch die steuerlich begünstige private Vorsorge, die es ermöglicht, für zusätzlichen Erhalt oder gar eine Erhöhung des Lebensstandards zu sorgen.

Was sind die Vorteile? Nach unten sind die Schweizer abgesichert und vor Altersarmut geschützt, selbst dann, wenn sie im Arbeitsleben nur wenig verdient und eingezahlt haben. Nach oben hin kann jeder die Früchte seines langen Erwerbslebens ernten und auch im Alter gut leben.

Wenn die Politiker wollten, könnten sie von unseren Nachbarländern (Schweiz, Österreich, Niederlande, Dänemark) lernen. Sie tun es aber nicht. Und die Deutschen begehren nicht auf. Sie geben sich ihrem Schicksal hin. Wer wenig verdient oder Unterbrechungen im Erwerbsleben hatte, ist chancenlos. Wer durchschnittlich verdient, wird ebenfalls enttäuscht sein.

Wer in Deutschland eine gute Absicherung haben will, muss sehr, sehr, sehr viel Geld verdienen oder Beamter sein oder Politiker in einem Parlament. Alle anderen schauen in die Röhre. 

Sven von Storch

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