Hypothetisches Szenario? In Libyen, Syrien und im Irak war es schon geschehen!

Was wäre, wenn USA und Israel im Iran die Ethnien und Konfessionen gegeneinander aufbringen?

Die Briten hatten es vorgemacht, die Amerikaner und Israelis hatten es übernommen: Der Irak, Libyen und Syrien mussten es erleben, wie in ihren Ländern Ethnien und Kofessionen gegeneinander aufgebracht wurden, um die Regierungen zu destabiliseren. Was wäre, wenn USA/Israel diese Karte auch im Iran ausspielen würden?

Symbolbild: Iranische Rebellen in den Bergen


Was wäre, wenn das Militär und die Geheimdienste Israels und der USA die ethnisch-konfessionelle Karte ausspielen, um den Iran zu destabilisieren?

Ein hypothetisches Szenario der Destabilisierung des Iran durch innere Spaltung

Sollte der Konflikt zwischen USA/Israel und dem Iran sich zu einem großen Krieg ausweiten, könnte eine klassische "Divide-et-impera"-Strategie zum Einsatz kommen: Statt allein auf militärische Überlegenheit zu setzen, würden Israel und die USA versuchen, die tiefen ethnischen und konfessionellen Bruchlinien im Vielvölkerstaat Iran auszunutzen. 

Ziel wäre es, die schiitisch-persische Kernmacht von innen zu schwächen – durch Propaganda, verdeckte Unterstützung oppositioneller Gruppen und gezielte Informationsoperationen.

Wir kennen dieses Vorgehen. Die Briten, US-Amerikaner und Israelis haben es im Nahen und Mittleren Osten immer wieder gemacht, sei es in Syrien, im Irak, in Libyen usw.

Der Iran ist kein homogener Nationalstaat, sondern ein Mosaik aus Ethnien und Konfessionen, das seit Jahrzehnten unter zentralistischer persisch-schiitischer Dominanz steht. 

Welche Gruppen könnten dabei zum Zündfunken werden? Und welche Konfliktlinien würden aufeinandertreffen?

Die demografische Landkarte des Iran

Der Iran hat rund 92 Millionen Einwohner. Die ethnische Zusammensetzung sieht nach konsistenten Schätzungen (CIA World Factbook, Al Jazeera, World Population Review u. a.) etwa so aus:

Perser (Fars): 56–61 Prozent – die dominierende Gruppe, vor allem in Zentral- und Süd-Iran, Träger der Staatssprache Farsi und der schiitischen Theokratie.

Aserbaidschaner (Azeri): 14–16 Prozent (manche Schätzungen bis 24 Prozent) – größte Minderheit, konzentriert im Nordwesten (Provinzen Ost- und West-Aserbaidschan, Ardabil, Zanjan). Fast ausschließlich schiitisch.

Kurden: 7–10 Prozent – hauptsächlich im Westen und Nordwesten (Kurdistan, Kermanshah, Ilam, West-Aserbaidschan). Überwiegend sunnitisch.

Luren und Bakhtiari: ca. 6 Prozent – schiitisch, im Westen und Südwesten (Lorestan, Chaharmahal-Bakhtiari).

Araber (Ahwazi): 2–3 Prozent – im ölreichen Südwesten (Khuzestan). Teils schiitisch, teils sunnitisch.

Baluchen: 2 Prozent – im Südosten (Sistan und Belutschistan). Fast vollständig sunnitisch.

Turkmenen und andere Turkvölker: ca. 2 % – im Nordosten, sunnitisch.

Kleinere Gruppen (Gilaki, Mazandarani, Armenier, Assyrer, Zoroastrier etc.): Rest.

Konfessionell dominiert die Zwölfer-Schia offiziell mit 90–95  Prozent, doch unabhängige Umfragen (GAMAAN 2020–2023) deuten auf einen deutlich höheren Anteil Irreligiöser oder Nicht-Schiiten hin. 

Die sunnitische Minderheit (5–10 Prozent) konzentriert sich fast ausschließlich auf die peripheren Ethnien: Kurden, Baluchen, Turkmenen und Teile der Araber. 

Diese sunnitischen Gruppen leben in den ärmsten, am stärksten benachteiligten Provinzen – mit hoher Arbeitslosigkeit, Wassermangel und systematischer Diskriminierung bei Ämtern, Bildung und Ressourcenverteilung.

Die brisantesten Bruchlinien

Die gefährlichsten Spannungen verlaufen entlang zweier Achsen:

Sunniten versus Schiiten (periphere Minderheiten vs. Zentrum)

Die sunnitischen Ethnien fühlen sich seit 1979 als Bürger zweiter Klasse. Sunnitische Moscheen sind in Teheran praktisch verboten, sunnitische Geistliche werden systematisch benachteiligt, und in den Provinzen herrscht eine schiitische „Missionierung“. Kurden und Baluchen leiden besonders unter exzessiver Polizeigewalt, Massenhinrichtungen und dem Vorwurf, „ausländische Agenten“ zu sein.

Peripherie versus persisches Zentrum

Die ressourcenreichen Randgebiete (Khuzestan-Öl, Sistan-Baluchestan-Grenzhandel, kurdische Bergregionen) profitieren kaum von ihrem Reichtum. Wasser- und Stromknappheit, Umweltzerstörung (z. B. austrocknender Urmia-See bei den Azeris) und kulturelle Unterdrückung (Verbot muttersprachlichen Unterrichts) verstärken das Gefühl der Ausbeutung.

Welche Gruppen könnten das Land destabilisieren?

Im hypothetischen Szenario einer amerikanisch-israelischen "ethnisch-konfessionellen Offensive" (PsyOps, gezielte Leaks über Regimekorruption, Finanzierung von Medien und bewaffneten Zellen) wären folgende Akteure zentral:

1. Die sunnitischen Kurden (Nordwesten)

Mit Abstand das größte Destabilisierungspotenzial. Bereits heute aktiv: PJAK (iranischer PKK-Ableger), PDKI, Komala und PAK. 2025/2026 haben kurdische Gruppen Koalitionen für eine "demokratische Selbstverwaltung" in Kurdistan geschmiedet.

Sie kontrollieren bergiges Gelände, haben Kampfeserfahrung und grenzüberschreitende Netzwerke nach Irak und Türkei. Eine gezielte Kampagne, die die "schiitische Unterdrückung der sunnitischen Kurden" thematisiert, könnte Aufstände in Sanandaj, Mahabad oder Kermanshah auslösen – mit Sabotage an Pipelines und Straßen.

Israel hat historisch bereits kurdische Gruppen im Irak unterstützt; eine Wiederholung wäre naheliegend.

2. Die Baluchen (Südosten)

Die ärmste und am stärksten marginalisierte Gruppe. Jaish al-Adl ("Armee der Gerechtigkeit") und die neue 2025 gegründete "Popular Fighters Front" (Zusammenschluss mehrerer baluchischer Milizen) führen regelmäßig tödliche Anschläge auf IRGC und Grenzposten durch. 

Die Provinz Sistan-Baluchestan grenzt an Pakistan und Afghanistan – ideale Schmuggel- und Rückzugsgebiete. Sunnitisch und ethnisch klar abgrenzbar, wären Baluchen ideale Adressaten für Narrative von "schiitischem Genozid". Aufstände hier würden den Süden lahmlegen und Pakistan indirekt involvieren.

3. Die Ahwazi-Araber (Khuzestan)

Das Öl-Herz des Iran (ca. 80 Prozent der Förderung) liegt im arabischen Teil des Iran. Arabische Separatisten (Arab Struggle Movement for the Liberation of Ahwaz u. a.) fordern seit Jahrzehnten Autonomie oder Unabhängigkeit. Proteste wegen Wasserknappheit und Umweltzerstörung eskalierten bereits 2019/2021 gewaltsam. 

Eine Kampagne, die "persische Kolonialherrschaft über arabisches Öl" anprangert, könnte Raffinerien und Pipelines zum Ziel machen – ein wirtschaftlicher Knockout für Teheran.

4. Die Aserbaidschaner – der Unsicherheitsfaktor

Als größte und teilweise integrierte Minderheit (Präsident Pezeshkian ist selbst azeri) weniger separatistisch. Dennoch gibt es kulturelle Forderungen (türkischsprachiger Unterricht, Schutz des Urmia-Sees) und pan-türkische Sympathien Richtung Baku und Ankara. Eine israelische Strategie könnte versuchen, Azeris gegen das Regime zu stellen, indem sie "persische Dominanz über türkische Brüder" thematisiert – doch hier wäre der Erfolg am unsichersten, da viele Azeris in Armee und Verwaltung vertreten sind.

Konfessionelle Überlagerung

Der Konflikt würde nicht nur ethnisch, sondern auch sunnitisch-schiitisch verlaufen: Sunnitische Kurden und Baluchen gegen die schiitische persische Elite. Das könnte schiitische Luren oder Teile der Araber spalten und die schiitische Kernloyalität in Frage stellen.Wie würde die Strategie aussehen?

USA/Israel könnte auf bewährte Mittel setzen:

Soziale Medien und Satelliten-TV in kurdischer, baluchischer und arabischer Sprache mit gezielten Narrativen über Korruption der Revolutionswächter und schiitische Privilegien. Hinzu kommen die verdeckte Unterstützung bewaffneter Gruppen (Waffen, Aufklärung, Finanzierung über Drittländer), Cyber-Operationen zur Störung der Strom- und Wasserversorgung in Minderheitenprovinzen, um Unmut zu schüren, sowie Allianzen mit sunnitischen Akteuren in der Region (indirekt über Golfstaaten).

Realismus und Risiken: Was ist vorstellbar? Was nicht?

Ein vollständiger Zerfall des Iran in ethnische Kleinstaaten ist unwahrscheinlich – die persische Mehrheit und die schlagkräftige IRGC würden massiv gegensteuern. 

Dennoch könnten koordinierte Aufstände in drei bis vier Provinzen die iranische Kriegsführung massiv behindern: Ablenkung von Truppen, Unterbrechung von Öl-Exporten, logistische Überlastung. Das Regime würde mit brutaler Repression antworten – wie bereits 2022/2025 bei Protesten –, was wiederum neue Radikalisierung erzeugen könnte.

Langfristig birgt eine solche Strategie enorme Risiken: Flüchtlingswellen, regionale Destabilisierung (kurdische/türkische/azeri Spannungen), Terror-Rückschläge und ein Machtvakuum, das China oder Russland nutzen könnten. 

Dennoch zeigt die Geschichte (Irak 2003, Syrien 2011), dass ethnisch-konfessionelle Spaltungen in multiethnischen Staaten unter externem Druck schnell eskalieren können.

Ob Israel und die USA diese Karte tatsächlich ausspielen würden, bleibt Spekulation. 

Fakt ist: Der Iran trägt seine gefährlichsten Bruchlinien in sich selbst. In einem existentiellen Krieg könnten sie zum entscheidenden Faktor werden – nicht durch äußere Bomben allein, sondern durch das Feuer, das von innen lodert.

Sven von Storch

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Kommentare

Das wäre nicht verwunderlich ....> Cui bono.                                                                                                               Petrus 5:8-9 SCH2000. Seid nüchtern und wacht! Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann; dem widersteht, fest im Glauben, in dem Wissen, dass sich die gleichen Leiden erfüllen an eurer Bruderschaft, die in der Welt ist.

Ekkehardt Fritz Beyer

05.03.2026 | 09:44

... „Die Briten hatten es vorgemacht, die Amerikaner und Israelis hatten es übernommen: Der Irak, Libyen und Syrien mussten es erleben, wie in ihren Ländern Ethnien und Kofessionen gegeneinander aufgebracht wurden, um die Regierungen zu destabiliseren. Was wäre, wenn USA/Israel diese Karte auch im Iran ausspielen würden? ...

Weil schon Ronald Reagan dies so vorbildlich(?) exerzierte? https://www.youtube.com/watch?v=iNaRagLCQFU (ab Min. 4,07)

facherfahrener

05.03.2026 | 10:43

So wurde bereits Jugoslawien zerschlagen.

Was wäre wenn CIA u. Mossad das schon längst machen würden??? Und die Ukraine???

Wie sonst entstehen Kriege??? Wiegelt man das Volk nicht vorher auf ???

Steht nicht im Handbuch wie man ein starkes Land destabilisiert??

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