In Russland nimmt die Kritik an Präsident Wladimir Putin deutlich zu. Der Kremlchef erlebt derzeit die niedrigste Popularität seit 2021. Selbst aus regierungsnahen Kreisen kommen offene Worte der Unzufriedenheit. Experten sehen darin erste Anzeichen einer möglichen internen Spaltung des Regimes.
Kreml-Experte sieht Nervosität bei Putin und seinem Umfeld
Der Ökonom und ehemalige Kreml-Berater Vladislav Inozemcev beschreibt die Lage als alarmierend [siehe Berichte "Welt" und "Focus"]. Putin und seine engste Umgebung wirkten erschrocken und sehr nervös, sagt er. Die massiven Internetsperren und der Rückzug Putins aus der Öffentlichkeit seien klare Zeichen dafür. Durch die wirtschaftlichen Probleme und den Verlust von Alltagskomfort seien inzwischen sogar langjährige Loyalisten unzufrieden.
Parallelen zur Sowjetunion und unterschiedliche Motive der Kritiker
Inozemcev zieht Vergleiche zur Spätphase der Sowjetunion. Damals hätten die Menschen trotz unterschiedlicher Vorstellungen einen gemeinsamen Feind gehabt. Heute kritisiere ein Teil der Bevölkerung Putin als zu weich im Ukraine-Krieg, ein anderer fordere mehr wirtschaftliche Freiheiten. Wieder andere ärgerten sich einfach über gestörtes Internet beim Gaming. Inozemcev schlussfolgert: Die Bereitschaft, Putin aus dem Amt zu jagen, wächst spürbar.
Politologin erkennt Symptome einer tieferen Krise
Auch die Politologin Tatjana Stanowaja von der Denkfabrik Carnegie sieht deutliche Warnsignale. Zum ersten Mal seit Jahren des Krieges stehe das russische Regime kurz vor einer internen Spaltung. Eine Vielzahl einzelner Ereignisse lasse auf etwas Bedeutsameres schließen. Im September stehen zudem Parlamentswahlen an, die zusätzlichen Druck erzeugen.
Prominente Bloggerin kritisiert Putin direkt
Die Liste der Abweichler von der Kreml-Linie wird länger. Kremlsprecher Dmitri Peskow musste bereits auf eine kritische Videobotschaft der bekannten Bloggerin Viktorija Bonja reagieren. Sie warf Putin vor, dass viele Russen Angst vor dem 73-Jährigen hätten und deshalb vieles schieflaufe. Als Beispiel nannte sie die schleppende Hilfe für die Flutopfer in Dagestan. Peskow versicherte, man arbeite an Lösungen. Ob diese Entwicklungen tatsächlich zu einem Machtwechsel führen, bleibt offen. Doch die wachsende Unruhe im Land ist für Beobachter unübersehbar.


Comments
... „Ob diese Entwicklungen…
... „Ob diese Entwicklungen tatsächlich zu einem Machtwechsel führen, bleibt offen. Doch die wachsende Unruhe im Land ist für Beobachter unübersehbar.“
Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass Putin dies nicht wesentlich schadet, denn aus der „Liebe zum Westen“ wurde bei den sicherlich mit Abstand meisten Russen längst Hass, der sich im Verlauf der vergangenen 10 Jahre noch wesentlich verstärkt haben dürfte!!! https://www.deutschlandfunkkultur.de/russland-wie-aus-der-liebe-zum-westen-hass-wurde-100.html
Für mich ist seit langem…
Für mich ist seit langem alamierend, daß Rußland seine Geschichte nicht aufarbeitet. Viele Russen schlagen im Internet Alarm, wer ihnen die als glorreich verkaufte Oktoberrevolution in Wirklichkeit angetan hat. Acu die Lüge vom wundersamen Vaterländischen Krieg wird herauskommen, daß Stalin und Schukow selbst die Millionen Opfer auf dem Kerbholz haben. Rußland hat weder die Enteignungen im Ostblock rückgängig gemacht noch die gegen alles Völkerrecht verwalteten deutschen Gebiete zurückgegeben. Statt dessen faseln von Putin über Lwarow bis zur Sachrowa von Nazis. Daß Rußland für die globale Finanzmacht in den Krieg gezogen ist, werden die Russen auch noch herausfinden.
Da hätte Trump jetzt…
Da hätte Trump jetzt besonders gute Chancen, einen für beide Seiten akzeptablen Frieden in der Ukraine auszuhandeln.
Aber zum einen ist er voll beschäftigt mit seiner mißglückten Einmischung im Iran und zum anderen lassen die globalistischen Kriegstreiber nicht locker um den Krieg in der Ukraine am Laufen zu halten - noch dazu auf unsere Kosten ...
Sun Tzu sagt:
Das Kriegsziel sollte der Sieg sein -
und nicht eine lange Kampagne ...
Die Effekte, die jetzt evtl. im neuen Russland
zu Tage treten, kannte man wohl schon im
alten China.
Add new comment