Wenn Political Correctnes und Zeitgeist in Weltfremdheit münden

Umstrittener WDR-Artikel_ Gehört der Ramadan zu Deutschland_

Ein Meinungs-Artikel beim WDR fordert, dass die Deutschen die Ramadan-Festivitäten »als Bereicherung mitfeiern« sollten. Die Autorin war in Ägypten und dort von der Ramadan-Dekoration begeistert. Vom Elend der Christen (Kopten) in Ägypten berichtet sie in ihrem Artikel nicht.

Der WDR ist bekannt dafür, bei grünroten und kulturbunten Themen voranzupreschen. Der neueste Meinungs-Beitrag der Kolumnistin Caro Wißing schießt den Vogel ab: »Es ist Zeit für einen deutschen Ramadan«.

Caro Wißing findet, dass die Deutschen »muslimische Feste lieber ignorieren oder verurteilen, statt sie mitzugestalten«. Ihrer Meinung nach gehört der Ramadan inzwischen zu Deutschland. Sie findet es schade, dass muslimische Feste so im Verborgenen stattfinden. Sie sollten sichtbarer Bestandteil der deutschen Gesellschaft werden.

Sie erklärt, dass sie gerade aus Ägypten zurückgekommen sei, wo sie die Ramadan-Beleuchtung bewundert habe:

»Als ich vor zwei Wochen noch in Ägypten war, standen an den Straßen schon große beleuchtete Laternen. In den Gassen waren Girlanden aufgehängt. Geschäfte hatten Deko und speziellen Süßkram im Angebot. Und überall war die Vorfreude auf den Fastenmonat zu spüren. Zurück in Deutschland habe ich dann mal verstärkt darauf geachtet. Ist Ramadan ein Thema, ist Ramadan sichtbar? So gut wie gar nicht - bislang mein Fazit.«

Sie kritisiert, wie in Deutschland überwiegend negativ auf die Ramadan-Dekoration und Beleuchtung in Frankfurt reagiert wurde. Sie fände es besser, wenn die Deutschen die Ramadan-Festivitäten »als Bereicherung mitfeiern«.

Was soll man dazu sagen?

Der Autor dieses Artikels war auch in Ägypten. Mehrfach. Seit drei Jahrzehnten immer wieder. Wie wird dort mit den Christen umgegangen? Wie mit den Kopten, deren (liturgische) Sprache von jener der Pharaonenzeit abstammt? Der geneigte Leser mag sich selbst ein Bild machen und nachlesen, wie Kopten in Ägypten — nicht systematisch, aber immer und immer wieder — verfolgt, benachteiligt und marginalisiert werden [siehe Artikel HIER, HIER, HIER, HIER, HIER oder HIER]. Manchmal auch getötet. So auch der Bericht im »Tagesspiegel«: »Schikane, Diskriminierung, Mord und Totschlag: Für Christen wird das Leben in Ägypten unter Präsident Fattah al-Sisi zunehmend gefährlich.«

In den meisten überwiegend islamischen Ländern ist der nicht-islamische Bevölkerungsteil deutlich zurückgegangen. Das ist auch in Ägypten so. Wie auch im Libanonen, in Syrien, im Irak usw. Der Islam wird politischer. Und damit wird das Leben für Nicht-Muslime schwieriger.

Was soll man zu dem Artikel des WDR sagen? Die meisten Leser-Kommentare sind abweisend und kritisch. Kein Wunder. Beim WDR scheinen Naivität und Gesinnungs-Journalismus weit verbreitet zu sein. Hauptsache politisch-korrekt und dem Zeitgeist folgend.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.