Beim Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL haben die internen »Checks and Balances« nicht mehr funktioniert: Dem SPIEGEL-Autor Claas Relotius wird vorgeworfen, aus Reportagen regelrechte Phantasie-Geschichten gemacht zu haben. Es wurde Anekdoten und Passagen einfach frei erfunden, um die Reportagen zu guten Geschichten zu machen [siehe selbstkritischer Bericht von »Spiegel-Online« und Kommentar in »Focus-Online«]. Wohlgemerkt: Hier geht es nicht um Überspitzungen und Propaganda, sondern um regelrecht erfundene Geschichten, um eine gute Story erzählen zu können. Herr Claas Relotius arbeitet jetzt nicht mehr beim SPIEGEL. Er hat die Fälschungen zugegeben und das Haus verlassen.
Der SPIEGEL-Autor war für seine Reportagen zuvor ausgezeichnet worden. Lange lief es gut, bis ein Co-Autor diese Masche nicht mehr mitmachen wollte. Der Co-Autor stieß bei seinen SPIEGEL-Kollegen zunächst auf taube Ohren, bis Relotius die Fälschungen selbst zugab. Nun wird beim SPIEGEL gerätselt, wie Relotius es schaffen konnte, jahrelang unbemerkt seine Manipulationen an den Mann bringen konnte.
Der SPIEGEL schließt nicht aus, dass Personen, über die berichtet wurde, »mit falschen Zitaten, erfundenen Details ihres Lebens, in erdachten Szenen, an fiktiven Orten oder sonst in falschen Zusammenhängen in Artikeln von Claas Relotius im SPIEGEL aufgetaucht sein mögen« und bittet dafür um Entschuldigung, heißt es dort selbst.
Auch andere Medien könnten betroffen sein, denn Relotius hat auch Reportagen für »Cicero«, in der »Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag«, der »Financial Times Deutschland«, der »taz«, der »Welt«, im »SZ-Magazin«, in der »Weltwoche«, auf »ZEIT online« und in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« verfasst.


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