Missbrauch in der Kirche ist nicht Teil ihrer „DNA“; vertuscht werden solle persönliche Verantwortung der Amtsträger. Dies erklärte Prälat Wilhelm Imkamp in einem Interview mit kath.net.
In den Medien hagelt es Kritik an der katholischen Kirche – vor allem von ihren eigenen Bischöfe, die sich hinter einer Maske des Generalverdachtes verstecken, den sie gegen ihre eigenen Institution aussprechen.
„Aussagen, die schamlos, würdelos, bedenkenlos sind, gibt es und gab es immer wieder in allen hierarchischen Stufen. Eva Menasse hat in den Kontroversen um ein von ihrem Bruder erfundenes Zitat in der Süddeutschen Zeitung vom 9. Januar einen Satz geschrieben, den ich gerne anwenden würde: ‚Eine digital- hysterische Gesellschaft verfällt, aus Angst vor ihren Verächtern und erklärten Zerstören, einem puristischen Reinigungsfuror.‘“
Prälat Wilhem Imkamp, deutscher Theologe und diente von 1988 bis 2017 als Wallfahrtsdirektor des Wallfahrtsortes Maria Vesperbild im Bistum Augsburg. 2017 ist er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gegangen und lebt heute in Regensburg.
Der Limburger Bischof Georg Bätzing setzte der Kirchenkritik „von innen“ sogar noch eins drauf: die Kirche müsse sich als „Täterorganisation bezeichnen lassen“.
„In dem ganzen Missbrauchskomplex gibt es ja zwei Tätergruppen, die Missbrauchstäter selbst und die Vertuscher. Auch die Vertuscher kann man genau und zwar namentlich identifizieren, es sind die Bischöfe und ihr diözesanes Leitungspersonal d.h. Generalvikar, Personalreferent und die Mitglieder der Personalkonferenz, bzw. der Domkapitel. Sie haben versagt und das ist nicht die Kirche,“ erwiderte Imkamp darauf.
Es handele sich nicht um ein Versagen der Kirche als solcher, sondern um ein Personalversagen, alle weiteren Kritiken vertuschten diese Tatsache noch weiter. „So wird die Verantwortung entpersonalisiert.“
Für Imkamp verschlimmert der unqualifizierte Generalverdacht die Sache sogar noch: „Den Missbrauchstäter steht dann ein längerer Instanzenweg offen und den Opfern damit noch mehr Belastungen über Jahre bevor.“
Auch auf die Brandanschläge auf Autos und Häuser von AfD-Politikern geht Imkamp im Interview ein.
„Brexit, Putin, Trump, die gegenwärtige Regierung in Österreich, die AfD-Erfolge bei den Wahlen und die neuen Informationskanäle durch das Internet haben die politische Klasse und die meinungsbildenden Eliten erheblich verunsichert. Unsicherheit führt zu heftigen zuerst verbalen Attacken mit hemmungslosen Wählerbeschimpfungen, die Berichterstattung über Trump, Orban und die polnische Regierung ist von nacktem Hass gekennzeichnet.“
Durch diesen Hass entstehe ein „Klima“ das in Gewalttaten eskaliere.
„Die politische Klasse und die meinungsbildenden Eliten haben sich vom Volk weiter entfernt als die französische Aristokratie vor 1789 vom Volk, mit dem Unterschied, das die Aristokraten damals mehr Geschmack hatten, als die verspießerten Verantwortungs- und Kulturträger heute“, kommentierte der Prälat.
Den schwindenden Einfluss der Kirche verknüpft Imkamp mit dem fehlenden Mut zur Wahrheit zu stehen:
„Heute wird Verkündigung durch politisch korrekte Verlautbarungen ersetzt. Das ist Verrat, das ist Selbstmord aus Angst vor dem Tod.“
(jb)


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